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Göttingen Studentenwerk erhöht Beiträge in drei Schritten um 30 Euro
Die Region Göttingen Studentenwerk erhöht Beiträge in drei Schritten um 30 Euro
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00:28 17.06.2019
Durch die außerplanmäßige Notwendigkeit der Sanierung des Wohnheims Robert-Koch-Straße 38 (418 Wohnplätze) investiert das Studentenwerk Göttingen derzeit am finanziellen Limit. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Göttingen

Das Studentenwerk braucht Geld – und sieht sich gezwungen, weitere Kredite aufzunehmen – und den Studentenwerksbeitrag für Studierende zu erhöhen. Im Sommersemester 2020 soll der bisherige Beitrag von 77 Euro auf 97 Euro steigen, in den zwei folgenden Semestern jeweils um weitere fünf Euro.

Außerdem sollen die Mieten pro Wohnheimsplatz ab Januar 2020 um zehn Euro steigen und das Mensaangebot soll etwas teurer werden – laut AStA um zehn Cent pro Gericht. Am Montag, 24. Juni, sollen die Erhöhungen für die Studierenden dem Stiftungsrat vorgelegt werden.

Eine außerplanmäßige Sanierung zu viel

Grund dafür sei eine außerplanmäßige Sanierung zu viel gewesen: Die Baumaßnahmen in der Roten Straße mit 5,5 Millionen Euro, die Sanierung der Nordmensa mit 25 Millionen, der Neubau des Wohnheims Lutterterrasse mit weiteren 25 Millionen Euro und die Modernisierung des Albrecht-Thaer-Weg 1 mit 7,8 Millionen Euro seien bereits beträchtliche Investitionen gewesen.

Durch die außerplanmäßige Sanierung des Wohnheims Robert-Koch-Straße 38 steige der Druck auf das Studentenwerk Göttingen. Beim Wohnheim in der Robert-Koch-Straße wurde bei einer kleinen Reparaturmaßnahme festgestellt, dass sämtliche Wasserleitungen löchrig und abgängig seien. Mindestens 15 Millionen Euro muss das Studentenwerk für die Sanierung des Komplexes ausgeben.

13,2 Prozent der Einnahmen kommen aus dem Studentenwerksbeitrag

„Derzeit beziehen wir 13,2 Prozent unserer Einnahmen aus dem Studentenwerksbeitrag“, erklärt Steve Saleh aus der Pressestelle des Studentenwerks. Wie sich die Steigerung um 30 Euro pro Studierendem und Semester auswirken wird, ist „aufgrund rein rechnerischer Probleme nicht einschätzbar“, so Pressesprecherin Annett Reyer-Günther. 4,89 Millionen Euro haben die Studierenden damit zum Haushalt des Studentenwerks 2018 beigetragen.

Den Großteil der Finanzierung, nämlich 77 Prozent, erwirtschaftet das Studentenwerk selbst. Die Gewinne kommen aus dem Verkauf von Essen und Getränken in den Mensen, Mieterlösen aus den Wohnheimen, Kostenerstattungen für die Studienfinazierung und Zuwendungen für Kindertagesstätten, listet Saleh auf.

Aktuell 9,8 Prozent vom Land

Aktuell kommen 9,8 Prozent der Einnahmen aus der Finanzhlilfe des Landes Niedersachsen. „Alle fünf Studentenwerke in Niedersachsen bekommen 16,3 Millionen Euro“, so Saleh. Beim Studentenwerk Göttingen sind im vergangenen Jahr 3,63 Millionen Euro aus dieser Förderung eingegangen. „Dieser Betrag für die Studentenwerke wurde seit 2014 nicht mehr angepasst“, so Saleh. Dort sehen Vertreter des Studentenwerks das Problem: Die Landesregierung müsse aktiv werden.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) geht damit d’accord. „Wir sehen klar, dass das Studentenwerk für die Erhöhung nichts kann, deshalb müssen wir an das Land Niedersachsen appellieren“, sagt der Vorsitzende Robert Rathke. „Wir begreifen diese Erhöhung aber als Chance für uns. Wenn der Beitrag steigt, wünschen wir uns mehr Studierende in den Gremien des Studentenwerks“, so Rathke.

Studentenwerk befürwortet mehr Studierendenbeteiligung

Das Studentenwerk ist nicht abgeneigt. Die Forderung, mehr Einfluss auf die Arbeit des Studentenwerks zu haben, findet der Geschäftsführer des Studentenwerks Göttingen richtig: „Wenn die Studierenden in Niedersachsen eine höhere Last tragen als das Land, ist es nur ihr gutes Recht, mehr Einfluss in den Gremien der Studentenwerke nehmen zu können. Ich kann diesen Vorschlag daher nachvollziehen. Denn wer zahlt, sollte auch mitbestimmen dürfen, was mit dem Geld passiert“, so Prof. Jörg Magull. „Man kann das mit Anteilseignern und Aktiengesellschaften vergleichen – wir profitieren voneinander und unsere Mitwirkung in Entscheidungen sollte mehr Stimme bekommen“, so Rathke.

Aktionsbündnis an der Uni

Um den Druck auf das Land zu erhöhen, hat sich an der Universität bereits ein Aktionsbündnis formiert. „Seit letztem Mittwoch treffen sich die Studierenden und eine Demonstration für den 24. Juni ist auch geplant“, erzählt Rathke. Zum Datum der Vorlage zu demonstrieren, ist nur eine der Aktionen. Auch auf Landesebene treffen sich die Studierendenschaften. „Eine Zeit lang hatten wir in Niedersachsen den teuersten Studentenwerksbeitrag von ganz Deutschland“, so Rathke. 2018 lag Göttingen in Anbetracht aller Semesterbeiträge im Mittelfeld. „Die Studierendenvertreter müssen zusammen arbeiten, um dem Land zu vermitteln, dass wir nicht als Studierende die Studentenwerke tragen sollten.“

Was Studierende dazu sagen: Verständnis für Lage des Studentenwerks

Von der geplanten Beitragserhöhung des Studentenwerks haben viele Studierende noch nichts gehört. Bei einer Zufallsumfrage wird Verständnis geäußert, aber der Staat in der Pflicht gesehen.

Das Studentenwerk will wegen unerwarteten Sanierungsbedarfs am Wohnheim Robert-Koch-Straße und weiterer Investitionen die Beiträge erhöhen. Bei einer Zufallsumfrage auf dem Campus zeigen sich viele Studierende über das Thema nicht informiert, äußern Verständnis für das Studentenwerk, sehen aber den Staat in der Pflicht.

Mehmet Kaciran Quelle: Kuno Mahnkopf

„Das Studentenwerk deckt wichtige Bereiche ab, die Kosten dafür sollten aber nicht auf die Studenten abgewälzt werden. Wenn keine Zeit ist, nebenher noch Geld zu verdienen, kommt man immer schwerer klar. Auch wenn der Betrag nicht hoch ist, summiert er sich mit anderen Kosten. Land und Universität sollten in die Pflicht genommen werden.“ – Mehmet Kaciran (26), studiert Sport, Politik und Wirtschaft auf Lehramt

„Es gibt viele Studierende, die nebenbei jobben und für die jeder Euro zählt. Der finanzielle Background ist sehr unterschiedlich, für manche ist die Erhöhung happig. Auf dem Wohnungsmarkt muss sich vieles ändern.“ – Doris Hayn, Leiterin der Uni-Stabsstelle Chancengleichheit und Diversität

„Davon habe ich noch nichts gehört, stehe aber vor Abschluss des Studiums. Immerhin gibt es keine Studiengebühren mehr. Für Sanierungsbedarf habe ich grundsätzlich Verständnis, frage mich aber, warum für solche Fälle keine Rücklagen geschaffen worden sind.“ –Joachim Steeg (26), studiert Holzbiologie und -technologie

„Im Vergleich zu anderen Ländern ist das Studieren hier immer noch spottbillig. Wenn das Geld für Wohnheime ausgegeben wird, sind die Kosten berechtigt. Immerhin wurde ja auch das Bafög erhöht. Vielleicht werden ja auch noch einmal die Toiletten im ZHG saniert.“ –Juliane Othmer (22), studiert Jura

„Für eine Beitragserhöhung wegen Sanierungsbedarfs habe ich Verständnis. Ich wohne selbst in einem Studentenwohnheim, im Vergleich zu den Mieten in Göttingen sehr günstig. Das Studentenwerk ist ein guter und hilfsbereiter Vermieter.“ – Katharina Fesun (23), studiert Spanisch und Erdkunde

„Sanierungsmaßnahmen sollten nicht auf dem Rücken von Studierenden finanziert werden. Hier ist der Staat in der Pflicht. Die Bildungschancen driften durch eine Beitragserhöhung noch weiter auseinander. Das Bafög ist knapp, der Wohnungsmarkt eine Katastrophe.“ – Anna Steeger (20), studiert Geschlechterforschung und Germanistik

Von Lea Lang und Kuno Mahnkopf

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