Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Studie untersucht Energiesparpotenzial im Landkreis
Die Region Göttingen Studie untersucht Energiesparpotenzial im Landkreis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:47 17.07.2011
Von Gerald Kräft
tädtische Wohnungsbau saniert im Fuldaweg: Bauwirtschaft drängt auf staatliche Anreize zur Altbausanierung.
tädtische Wohnungsbau saniert im Fuldaweg: Bauwirtschaft drängt auf staatliche Anreize zur Altbausanierung.
Anzeige
Göttingen

3,14 Milliarden Euro müssten in den Wohnungsbestand bis Baujahr 1978 investiert werden, um alle Altbauten im Landkreis auf das Energieniveau eines Neubaus zu bringen. Die Investitionen würden mehr als 1000 neue Dauerarbeitsplätze bringen. Das geht aus Berechnungen hervor, die das Pestel-Institut in Hannover zusammen mit der „Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen“ (ARGE) gemacht hat. Die Studie habe erstmals den Gebäudebestand im Landkreis Göttingen auf den „Energie-Prüfstand“ gehievt und das Energiespar-Potenzial für den Wohnungsmarkt ermittelt, so Matthias Günther vom Pestel-Institut. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass sich pro Jahr mehr als 745 000 Megawattstunden an Energie sparen lassen. Umgerechnet auf die Einwohner im Landkreis würde dies einer jährlichen Einsparung von 288 Litern Heizöl pro Kopf bedeuten.

Die Untersuchung wurde für den Deutschen Mieterbund (DMB), die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), den Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) durchgeführt. Diese hat sich in der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ zusammengeschlossen. „Ziel ist es, das enorme Potenzial, das der Wohnungsbau beim Energiesparen bietet, zu nutzen“, so Günther. Immerhin gehe rund 35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf das Konto von Gebäuden. Insbesondere bei Nachkriegsbauten seien die Heizkosten enorm. Wenn gerade für Einkommensschwache das Wohnen künftig noch bezahlbar bleiben solle, führe kein Weg an der energetischen Gebäudesanierung vorbei.

Um Hausbesitzern den nötigen Anstoß zum energiesparenden Sanieren zu geben, sind aus Sicht der Initiative dringend zusätzliche Anreize notwendig. Deshalb seien kurzfristig mindestens zwei Milliarden Euro an KfW-Fördermitteln jährlich für die energetische Gebäudesanierung notwendig. Klarheit gibt es noch nicht. Der Bundesrat lehnte in der vergangenen Woche ein Gesetz zur steuerlichen Förderung energetischer Sanierung ab. Die Städtische Wohnungsbau rechnet mit rund 1000 Euro Sanierungskosten je Quadratmeter. Vorhaben wie derzeit im Fuldaweg werden noch über Altprogramme gefördert. „Wenn wir Mittel kriegen, machen wir weiter“, so Wohnungsbau-Geschäftsführer Rolf-Georg Köhler.

Immerhin beschloss der Kreistag ein neues Altbausanierungsprogramm im Umfang von einer Million Euro in drei Jahren, die als Zuschüsse an Hausbesitzer im Kreis noch ohne Beteiligung der Stadt Göttingen fließen sollen. In diesem Jahr sollen 200 000 Euro über die Energieagentur bereitgestellt werden. Die Förderbestimmungen stehen, aber das Programm ist noch nicht in Kraft gesetzt, da der Kreishaushalt noch nicht genehmigt ist.