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Göttingen Sturmtief "Eberhard": Mehr als 400 Einsätze in der Region
Die Region Göttingen Sturmtief "Eberhard": Mehr als 400 Einsätze in der Region
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11:50 12.03.2019
Sturm Eberhard hinterlässt seine Spuren auch in der Gemeinde Gleichen. Quelle: r
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Northeim / Göttingen

Sturmtief „Eberhard“ ist am Sonntagabend mit starken Windböen auch über Südniedersachsen gezogen. Laut Bilanz wurden die Rettungskräfte in Stadt und Landkreis Göttingen bis Montagmorgen zu mehr als 400 Einsätzen gerufen.

Die Einsatzleitstelle der Feuerwehr war mit acht Personen voll besetzt, in sechs Gemeinden waren regionale Führungsstellen eingerichtet. Überall klingelten die Telefon im Minutentakt. In der Zeit von 16.30 Uhr bis 20.30 Uhr waren vielerorts Bäume umgestürzt, Dächer abgedeckt und Autos beschädigt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen sei eine Schneise besonders betroffen gewesen, so Andrea Riedel-Elsner, Sprecherin des Landkreises Göttingen: Von Staufenberg über Hann. Münden bis Göttingen habe „Eberhard“ die deutlichsten Spüren hinterlassen. Am Montagmorgen waren im Landkreis Göttingen noch rund zwanzig Straßen gesperrt.

Fliegendes Trampolin

23 Einsätze allein im Stadtgebiet Göttingen zählte die Kommunale Regionalleitstelle Göttingen. Umgestürzte Bäume, fliegende Werbetafeln, beschädigte Dächer fasste Martin Schäfer, Leiter der Berufsfeuerwehr das Schadensbild in der Stadt knapp zusammen. Rechtzeitig habe man über das Informationssystem Katwarn die Bevölkerung vor dem nahenden Sturm gewarnt.

Fliegendes Trampolin in Bovenden. Quelle: r

Baum auf der Autobahn

Gefährlicher wurde Eberhard bei Hedemünden, wo eine vom Sturm gefällte Birke auf die Autobahn 7 fiel und vorübergehend zwei Fahrstreifen blockierte. Und auch auf der Bahnstrecke zwischen Hann. Münden und Kassel ging nichts mehr, ein Zug stoppte bei Spickershausen. Busse übernahmen den Ersatzverkehr. Aber nicht nur Hauptverkehrsadern, sondern auch Nebenstrecken mussten gesperrt werden. So rückten beispielsweise in Jühnde und Löwenhagen die Freiwilligen Feuerwehren aus, um Strecken für den Verkehr wieder passierbar zu machen.

In der Gemeinde Gleichen waren etwa 70 Einsatzkräfte im Einsatz. Unter anderem mussten sie das Dach der Kirche in Reinhausen provisorisch abdichten, nachdem hier einige Ziegel heruntergeweht waren. Die Straßen L 567 zwischen Ischenrode und Lichtenhagen, die L 568 zwischen Bremke und Reinhausen, die L 569 zwischen Klein Lengden und Benniehausen, die K 15 zwischen Gelliehausen und dem Gut Sennickerode waren zumindest vorübergehend gesperrt. Von größeren Schäden blieben die Gleichener jedoch verschont: „Eberhard“ wurde nicht so schlimm wie „Friederike“, so die Bilanz.

Lob für gute Zusammenarbeit

Auch die Duderstädter Feuerwehr meldete am Tag nach Eberhard: „Größere Schäden haben wir dieses mal nicht zu verzeichnen.“ Da aber zunächst das Ausmaß der Unwetterfront nicht absehbar war, hatte man auch hier vorsorglich die Führungsstelle in der Feuerwache besetzt. Von hieraus konnten alle von der Kommunalen Regionalleitstelle Göttingen angenommenen und weitergeleiteten Einsätze koordiniert werden.

In Göttingen und der Region hat der Sturm Spuren hinterlassen. Die Tageblatt-Leser haben einige Ausmaße in Fotos festgehalten.

Die Northeimer Polizei meldete in ihrer ersten Bilanz 60 Einsätze, nachdem der Sturm über die Region hinweggefegt war. Im Stadtgebiet fiel am Sonntag kurzzeitig der Strom aus. Außerdem zerstörte der Sturm eine Scheune und wehte ein Fahrzeug von der Fahrbahn. Die Ampelanlage am Northeimer Autohof hielt den Böen ebenfalls nicht stand. „Nur durch die gute Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, den zuständigen Straßenmeistereien und der Polizei konnten die Einsätze überhaupt bewältigt werden“, lobte der Sprecher der Polizeiinspektion.

Mehrere Autos eingeschlossen

Im Landkreis Northeim schnitt „Eberhard“ einigen Verkehrsteilnehmern den Weg ab. Auf der Strecke Schönhagen Richtung Neuhaus waren mehrere Autos durch umgestürzte Bäume, beim CVJM-Haus Solling sogar ein Bus eingeschlossen. Strecken, die durch Waldgebiet führen, waren unpassierbar. „Hier wäre der Einsatz während des Sturmes lebensgefährlich gewesen. Teilweise berichteten unsere Kräfte von neben ihnen umstürzenden Bäumen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt“, so Konstantin Mennecke, Sprecher der Northeimer Kreisfeuerwehr. Einige Straßen wie die B 446 zwischen Angerstein und Reyershausen oder die Kreisstraßen 409, 414, 415 oder 430 blieben auch noch am Montag noch gesperrt.

Sturm Eberhard hinterlässt seine Spuren. Quelle: r

Die Wettervorhersage verheißt für die kommenden Tage ebenfalls noch keine Beruhigung. Mittwoch wird erneut lebhafter Wind aus Südwest mit Böen bis 80 Stundenkilometern erwartet.

Welche Versicherung zahlt welchen Schaden?

Es windet und stürmt: Wenn durch einen Sturm am Eigentum Schaden entstanden ist, ist das nicht nur ärgerlich, es kommt auch beim Beschädigten die Frage auf, welche Versicherung für welchen Schaden aufkommt. Im Allgemeinen gilt: Winde ab einer Stärke von 8 gelten erst als Sturm, das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 62 Stundenkilometern. Die Versicherungen übernehmen also erst dann die angerichteten Schäden. Dies ist aber nicht der Fall, wenn grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen ist – wie beispielsweise entstandene Schäden durch Fenster, die bei Sturm offen gelassen worden waren.

Da es keine reine Sturmversicherung gibt, sollte darauf geachtet werden, dass die Leistung in der Versicherungspolice erwähnt ist. In der Regel zahlen aber die Wohngebäude-, Elementar-, Hausrat-, Kasko- oder Haftpflichtversicherung entstandene Schäden, so das RND.

Sturmschäden am Auto

Wird das Auto durch herabfliegende Äste oder Dachziegel beschädigt, werden die Schäden von einer Teilkaskoversicherung abgedeckt. Die Teilkasko tritt auch ein, wenn Autofahrer gegen einen umstürzenden Baum fahren - aber nicht, wenn der Baum bereits auf der Straße lag. Dafür sei ein Vollkasko-Schutz nötig. Schäden müssen Autobesitzer ihrer Versicherung möglichst schnell mitteilen, teilt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Hilfreich sei, die Schäden anhand von Fotos zu dokumentieren, so ein Sprecher.

Auch an die Schadensminderungspflicht ist zu denken. Dazu gehört etwa, eine zerstörte Windschutzscheibe abzudecken, damit einlaufendes Regenwasser nicht noch mehr Schäden anrichtet. In Gefahr bringen muss sich dabei allerdings niemand. Tritt die Teilkaskoversicherung ein, werden Kunden nicht in der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft. Eine vereinbarte Selbstbeteiligung wird aber fällig. Bei Vollkaskoschäden stufen die Versicherer Kunden im nächsten Kalenderjahr schlechter ein, es sei denn, diese haben einen sogenannten Rabattschutz vereinbart.

Sturmschäden am Haus

Hier übernimmt die Wohngebäudeversicherung. Sicher geht man, wenn man beim Abschluss der Gebäudeversicherung darauf achtet, dass Sturmschäden auch in den Leistungen erwähnt werden. Auch Nebengebäude wie eine Garage oder ein Gartenhaus sind meist mit abgesichert. Die Leistungen wären hier: Ein durch den Sturm abgedecktes Dach, ein entwurzelter Baum, der in das Wohnzimmerfenster gefallen ist, durch den Sturm entstandene Schäden am Mauerwerk oder am Schornstein. Sie leistet auch bei Folgeschäden, etwa wenn durch das kaputte Dach Regen eindringt und Fußböden beschädigt.

Durch die Elementarversicherung werden Wasserschäden durch Überschwemmungen abgesichert. Wenn also durch starken Regen, der durch den Sturm bedingt ist, der Keller überflutet wird, übernimmt die Elementarversicherung, die separat – neben der Gebäudeversicherung und Hausratversicherung - abgeschlossen werden muss.

Schäden an der Einrichtung oder an Gebrauchsgegenständen, wie Möbel, TV-Geräte und anderer Hausrat, sind von der Gebäudeversicherung nicht abgedeckt. Hier greift die Hausratversicherung.

Sturmschäden durch herabfallende Gegenstände

Wenn Dachziegel des Eigenheims auf parkende Autos stürzen oder herumfliegende Gegenstände Passanten treffen, tritt für Eigentümer die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung ein.

Auch Mieter sollten sich absichern. Ein Beispiel: Wenn ein durch den Sturm herabstürzender Balkonkasten eine Person oder ein Auto trifft, kann auch der Mieter haftbar gemacht werden. Hier trägt die private Haftpflichtversicherung den Schaden.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie bei der Verbraucherzentrale.

Von Markus Scharf

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