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Göttingen Sudershausener Regine und Jürgen Popa wandern nach Kanada aus
Die Region Göttingen Sudershausener Regine und Jürgen Popa wandern nach Kanada aus
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06:05 17.04.2014
Alle Kisten sind gepackt, die Wohnung leer: Regine und Jürgen Popa aus Sudershausen siedeln nach Kanada über. Quelle: Hinzmann
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Sudershausen/Brantford

 Hier wurde Regine Popa (55) geboren, hier verbrachte sie ihr Leben bis jetzt, und von hier fuhr sie zu ihrem Friseursalon im benachbarten Billingshausen. 24 Jahre führte sie den Salon. Dort geht der Betrieb weiter, ohne Popa. Ihr Geburtshaus wird verkauft. Ihr Bruder, bis jetzt Nachbar, will sich darum kümmern.

Ein Schlupfloch wollen sich die Popas nicht offenhalten. Ein zwölf Meter langer Container mit den Dingen, die sie mitnehmen, ist schon auf die Reise gegangen: die liebsten Möbel, 20 Kisten voller Bücher. Jürgen Popa (49) stammt aus Siebenbürgen. In den 70er-Jahren kam er als Junge mit seiner Familie aus Rumänien nach Deutschland.

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Kanada oder Australien seien ihre Wunschziele für eine Auswanderung gewesen. Auf Kanada sei die Wahl schließlich gefallen, weil es dort nicht so gefährliche Giftschlangen gebe. Dort studierte Popa Mathematik. Weil es in Kanada keine Arbeit gab, sei er 1990 nach Deutschland zurückgekehrt.

Lang gehegter Plan

In Göttingen erhielt er einen Platz zum Studium der Volkswirtschaftslehre. Hier lernte er Regine kennen. 1997 wurde Hochzeit gefeiert. Arbeit fand der junge Ehemann auch. Nach einer Zeit als Selbstständiger war er Zusteller bei der Post.
Jetzt wollen Regine und Jürgen Popa in Kanada ein neues Leben beginnen.

Den Plan hegen sie schon lange. Doch hier gab es noch viel zu tun. So kümmerte sich Regine Popa im Elternhaus auch um ihre Eltern. Vor wenigen Jahren starben sie, und als vor einem Jahr der Vater von Jürgen Popa überraschend starb, schien es an der Zeit, den Plan wahrzumachen. Und Jürgen Popa hatte Glück.

„Wie einen Sechser im Lotto“ sei es gewesen, als er seinen Status als „permanent resident“ zurückbekam, denn irgendwann hatte er die Verlängerung versäumt. Und in Kanada hat er jetzt gleich drei Stellen zur Auswahl. Regine Popa will zunächst ihr „Touristen-Englisch“ verbessern.

Neuanfang stehe im Vordergrund

Die beiden freuen sich darauf, wieder mehr miteinander zu unternehmen. Früher seien sie dann und wann mal einfach so in den Harz gefahren. Inzwischen seien solche Spontan-Aktionen der vielen Arbeit zum Opfer gefallen, wenn nicht im Job, dann an Haus und Grundstück.

Das Leben in Kanada sei nicht so stressig, weiß Jürgen Popa aus Erfahrung. Und außer den Niagara-Fällen, nur 110 Kilometer von ihrer neuen Heimat  entfernt, hat das Land viele weitere schöne Plätze zu bieten. Das weiß das Paar von zurückliegenden Besuchen dort.

Manches werden sie auch vermissen: „Mein Geschäft und mein Auto“, meint Regine Popa. „Die Ruhe im Wald und das Pilze sammeln“, zählt Jürgen Popa auf. Doch im Vordergrund stehen für sie der Neuanfang und das Wiedersehen mit alten Freunden aus seinen früheren Kanada-Zeiten. Und Katze Alexander kommt ja mit.

Von Ute Lawrenz