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Göttingen Südliche Göttinger Innenstadt: Mängel und Ideen
Die Region Göttingen Südliche Göttinger Innenstadt: Mängel und Ideen
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20:59 27.09.2013
Von Michael Brakemeier
Am Groner Tor: Das Bild muss „grundlegend“ verbessert werden, damit es die Funktion einer „Visitenkarte“ für die Innenstadt erfüllen kann. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

17 Bürger haben Mitte September an einem öffentlichen Workshop teilgenommen. Dort sollten Ideen gesammelt werden, wie dieses Innenstadtgebiet attraktiver gestaltet werden kann. Schwächen und Mängel des Viertels sollten aufgezeigt werden. In Arbeitsgruppen haben die Workshopteilnehmer Kritik und Anregungen gesammelt:

  • Angerstraße / Gartenstraße / Groner Tor.

Hier bemängelten die Teilnehmer, dass etwa das Groner Tor seiner Funktion als „Visitenkarte“ nicht gerecht werde. Das Bild müsse „grundlegend“ verbessert und für die Innenstadt „angemessen“ gestaltet werden.

Auch müsse überlegt werden, die als Parkplatz genutzte Fläche hinter der Marienkirche zu bebauen. Weitere Vorschläge sind eine Erneuerung des Parkhauses, der Abriss „besonders stark störender“ Gebäude, wie etwa die Groner Landstraße 9, sicherere Fußgängerüberwege, der Bau eines echten Tores oder der Einsatz von kleineren Linienbussen.

Für die Garten- und Annastraße schlugen die Teilnehmer eine Verkehrsberuhigung, etwa durch Einbahnstraßenregelungen, Ausweisung von Spielstraßen oder einspurige Verkehrsführungen vor. Zugänge zum nahegelegenen Leinekanal erscheinen wünschenswert, ein Quartiersplatz im Kreuzungsbereich der Straßen wurde hingegen abgelehnt, um so keinen „Treffpunkt“ entstehen zu lassen.

  • Leinekanal

Mitglieder dieser Arbeitsgruppe sprachen sich für die Schaffung eines mit Bäumen und Büschen bepflanzten Rad- und Fußweges entlang des Kanals aus. Hier könnte es Wassersport- und Spielangebote geben. Gleichzeitig wurde der Wunsch geäußert, den „oft dreckigen“ Kanal künftig häufiger zu reinigen.

„Wohnen am Wasser“ könnte zu einem Merkmal der Wohngegend werden. Ein Schwerpunkt der Gruppe war die Lärmproblematik: Sie fürchtet, eine weitere Zunahme des schon vorhandenen Lärms durch die am Leinekanal und in der Gartenstraße angesiedelten Lokale.

  • Wochenmarkt

In dieser Gruppe kam vor allem das Bedürfnis nach mehr Ruhe zum Ausdruck. Tagsüber ist es der Verkehrslärm, abends und nachts der der Außengastronomie auf dem Platz, der als zum Teil störend empfunden wird. Gleichzeitig äußerten die Teilnehmer den Wunsch, den Wochenmarkt „ansprechender“ zu gestalten.

Das Pflaster und Gebäudefassaden könnten ebenso verbessert werden wie die Beleuchtung oder der Durchgang zur Kurzen Straße. Weiter auf dem Wunschzettel stehen mehr Spielmöglichkeiten für Kinder, mehr öffentliche Sitzgelegenheiten oder „Wasserelemente“ auf dem Platz.

Der Workshop ist Teil einer sogenannten vorbereitenden Untersuchung. Um für eine künftige Sanierung und Aufwertung der südlichen Innenstadt öffentliche Fördertöpfe anzapfen zu können, hat die Stadt die Firma Complan Kommunalberatung damit beauftragt.

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Die Analyse ist Voraussetzung, um in die Städtebauförderung von Bund und Ländern aufgenommen zu werden.

Bei einer Aufnahme in das Programm würden die geplanten Maßnahmen zu je einem Drittel von Bund, Land und Stadt finanziert. Göttingens Stadtbaurat Thomas Dienberg hatte bereits bei der Vorstellung des Vorhabens im April einen „großen Handlungsbedarf“ in dem Viertel gesehen, bei gleichzeitig leerer Stadtkasse.

Als deutliche Mängel nannte Dienberg etwa die Gestaltung der Stadteingänge von Geismar und Groner Tor.

Wie kann dieses Innenstadtgebiet attraktiver gestaltet werden? ©Theodoro da Silva

Auch Complan kommt bei einer Analyse der südlichen Innenstadt zu diesem Ergebnis: „Das Groner Tor sieht schäbig aus“, sagte Ann-Kristin Havermann von Complan bei der Einführung zum Workshop. Auch das Geismar Tor sei nicht viel besser. Als Manko wird auch das derzeitige Erscheinungsbild des Walls gesehen.

Dieser sei zwar ein attraktiver grüner Spazier- und Verbindungsweg. Allerdings wird dieser zwischen Geismar Tor und Groner Tor immer wieder durch Straßen unterbrochen: ein Sicherheitsrisiko für Fußgänger. Gleichzeitig befinden sich im „sensiblen Wallvorfeld“ fünf große Parkplätze. „Hier wird der Blick eher auf die Autos gelenkt als auf den Wall“, sagte Havermann.

Ein großes Defizit sieht Complan bei den Spielmöglichkeiten für Kinder in dem Viertel. Es gebe mit Wegfall des Spielplatzes an der Nikolaikirche keine. Anders als die Workshopteilnehmer sah Havermann einen Quartiersplatz in Anger- und Gartenstraße als Bereicherung für das Viertel.

Eckhard Hasler von Complan machte während des Workshops den Teilnehmern eines deutlich: Egal, welche Ideen die Bürger haben, „das letzte Wort hat die Politik“. Er ermutigte sie aber, weiterhin an dem Prozess mitzuwirken.

Infos zu dem Entwicklungskonzept südliche Innenstadt und die Ergebnisse des Bürgerworkshops gibt es unter goettingen.de/suedliche-innenstadt.