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Göttingen Superintendent Selter stellt sich hinter umstrittenes Papier der Evangelischen Kirche
Die Region Göttingen Superintendent Selter stellt sich hinter umstrittenes Papier der Evangelischen Kirche
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21:10 26.06.2013
Von Jörn Barke
Nachdenken über das, was Familie ist: Sommerempfang in St. Johannis.
Nachdenken über das, was Familie ist: Sommerempfang in St. Johannis. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Die EKD erkennt in der Veröffentlichung neben der traditionellen Ehe auch andere Formen von verlässlich gelebter Partnerschaft und Familie an.

Göttingens Superintendent Friedrich Selter stellte sich in seiner Andacht ausdrücklich hinter die Denkschrift. Er sei froh, dass die EKD den Mut gefunden habe, unterschiedliche Formen von verantwortlicher Gemeinschaft gelten zu lassen. Dies beende eine Form der Ausgrenzung von Menschen, die teilweise ihr ganzes Leben an dieser Last getragen hätten. Unter dem Applaus der Besucher in der voll besetzten Johanniskirche sagte der katholische Dechant Wigbert Schwarze in seinem Grußwort, er könne mit der EKD-Schrift leben. Die Gesellschaft könne von den christlichen Kirchen erwarten, dass sie in wichtigen Fragen an einem Strang ziehen, nahm Schwarze einen weiteren Impuls des Empfangs auf.

„Was kann die Gesellschaft von der evangelischen Kirche erwarten?“

Denn das war die Frage des Hauptvortrags beim Empfang: „Was kann die Gesellschaft von der evangelischen Kirche erwarten?“ Zu diesem Thema referierte der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, Gerhard Wegner. Die Gesellschaft sollte auf jeden Fall etwas von der Kirche erwarten und sie viel stärker in die Pflicht nehmen, sagte Wegner. Attraktive Kirchengemeinden zeichneten sich dadurch aus, dass sie versuchten, Menschen zu gewinnen und dabei klare Kante zeigten, durchaus auch mal in unbequemer Weise.

Die Kirche solle für eine Erneuerung des Gemeinwesens stehen und sich dafür einsetzen. Die Gesellschaft könne erwarten, dass die Kirche etwas von den Menschen wolle.

Vertrauen schaffen

Rein äußerlich könnten die Menschen eine freundliche Kirche erwarten, die niemanden ausgrenze und sich für das Gute einsetze. Dazu müssten die Gemeinden Vertrauen schaffen und gut vernetzt sein. Wegner verwies darauf, dass konfessionell gebundene Menschen in der Gesellschaft weit überdurchschnittlich engagiert seien und überdurchschnittlich viel Geld spendeten.

Die Kirche müsse von den Menschen die Bereitschaft einfordern, sich Werte anzueignen, die der Gesellschaft dienen. Sie müsse zeigen, dass es eine Reaktion auf Umwelt- und Finanzkatastrophen geben müsse. Die Menschen darauf anzusprechen, dass sie gebraucht werden, ziehe sie aus ihrer Privatheit heraus. Menschen in die Pflicht zu nehmen, rühre für die Christen daher, dass sie sich selbst von Gott in die Pflicht genommen fühlten, weil sie von seiner Liebe und dem christlichen Glauben ergriffen seien. 

An den Wendepunlten des Lebens präsent sein

In den Grußworten sinnierte Hotelier Olaf Feuerstein darüber, wie Kirche Menschen auf ungewöhnlichere Weise ansprechen könne. Palliativmediziner Friedemann Nauck erwartete von der Kirche, dass sie an den Wendepunkten des Lebens präsent sein solle – besonders dort, wo das Lebensende in den Blick rückt. Benjamin Giesers von der evangelischen Hochschulgemeinde meinte, die Kirche solle sich stärker in der Studentenarbeit engagieren. Rana Aliyeva von der jüdischen Kultusgemeinde sagte, die Religionen müssten zusammenarbeiten, um die Gesellschaft besser zu machen.