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Göttingen Cannes-Preisträger führt Regie bei Uraufführung im DT Göttingen
Die Region Göttingen Cannes-Preisträger führt Regie bei Uraufführung im DT Göttingen
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13:24 25.08.2018
Christian Friedel inszeniert „Schwanengesang“, Rausch und Requiem nach Franz Schubert am Deutschen Theater in Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Christian Friedel ist aus großen TV- und Filmproduktionen wie „Das weiße Band“, „Elser“ oder „Die Dasslers“ als Hauptdarsteller bekannt. Der 39-jährige ist nicht nur Schauspieler. Er ist auch Musiker und Regisseur – derzeit inszeniert er „Schwanengesang“ am Deutschen Theater. Es wird auf jeden Fall eines – ungewöhnlich.

Man muss nicht alles verstehen

„Die Zuschauer sollen sich fragen, was das ist, sie sollen Spaß haben. Man muss nicht immer alles verstehen, was man im Theater sieht“, sagt Friedel.

Der gebürtige Magdeburger wirkt viel jünger als 39 Jahre alt, er spricht (und singt) mit voller, sanfter Stimme, trägt ein schwarzes T-Shirt, schwarze Jeans, Nietengürtel. Er wirkt, obwohl er bereits mit der Goldenen Palme von Cannes und viele anderen Preisen ausgezeichnet wurde, unaffektiert und sympathisch bescheiden.

Musiker, Schauspieler, Regisseur: Christian Friedel inszeniert „Schwanengesang“, Rausch und Requiem nach Franz Schubert am Deutschen Theater in Göttingen. Friedel wurde bekannt durch seine Rolle des Dorflehrers in Michael Haneckes Film "Das weiße Band". Quelle: Hinzmann

Schon nach ein paar Sätzen mit ihm ist klar, für das, was er tut, begeistert er sich durch und durch. Seinen Vertrag am Staatsschauspiel Dresden gab er auf – er will sich mehr der Musik widmen.

Das Stück, das er im DT auf die Bühne bringt, wird eine Kollage in sechs Bildern. Die Basis bilden Lieder von Franz Schubert. 14 veröffentlichte Schuberts Verleger ein Jahr nach dessen Tod unter dem Titel „Schwanengesang“. Friedel und seine Band „Woods of Birnam“ mixen die Lieder neu mit Einflüssen aus Elektro und Indie. Schließlich habe Schubert ja „großartige Popsongs des 18. Jahrhunderts geschrieben”, meint Friedel. Roter Faden für die sechs Bilder des Stücks ist neben der Musik ein Wissenschaftler, der durch Zeit und Raum reist – gespielt von Florian Eppinger.

„Eigentlich hat mich Erich Sidler gefragt, ob ich Schuberts Winterreise am DT machen möchte“, erzählt Friedel. Dann aber hatte der die Idee, Schuberts letzte Lieder, die nicht unbedingt als Zyklus entstanden sind, auf die Bühne zu bringen. „Ich habe mir überlegt, was typisch für Göttingen ist und kam auf Wissenschaft“, sagt der Künstler.

Wissenschaft und Poesie

Die Texte hat er gemeinsam mit dem Humangenetiker Bernd Wollnik und Verena von Waldow geschrieben. Wie ein Puzzle können die Zuschauer die Bilder, Töne und Geschichten zusammensetzten. „Es gibt immer wieder Überraschungen – als wäre man im falschen Film mit berauschender Musik“, skizziert der Regisseur das Stück. Es geht um Wissenschaft, Genetik, das Leben und den Tod und die Poesie des Theaters. Die will Friedel seinen Göttinger Zuschauern nahe bringen.

Göttinger sehen Filmkulisse vor internationalem Kino-Start

Am Abend steht die Probe eines barocken Bildes aus dem Stück auf dem Programm. Auch das Bühnenbild hat eine ganz besondere Geschichte. Denn: Friedels nächster Kinofilm „Angelo“ vom österreichischen Regisseur Markus Schleinzer wird beim internationalen Filmfestival im spanischen San Sebastian erstmals gezeigt. „Das Bühnenbild sollte nach den Dreharbeiten zerstört werden“, erzählt Friedel. Wie schade. „Dann dachte ich mir, ich nehme es“, so der Schauspieler. Gedacht getan, der barocke Wald wurde kurzerhand von Luxemburg nach Göttingen verfrachtet. Die Göttinger können die Kulisse bereits sehen, bevor der Film ab 21. September international auf die Kinoleinwand kommt.

Fächeln und Lächeln

Auf der Bühne: Vier Schauspielerinnen in barocken Reifröcken – Christina Jung, Katharina Müller, Mirjam Sommer und Rebecca Klingenberg. Vor der Bühne: Vier Streicher, die das Lied „Frühlings-Sehnsucht“ (Text: Ludwig Rellstab) spielen. „Säuselnde Lüfte, wehend so mild“, stimmt Christina Jung an – mit heller Stimme, zart und ein wenig prätentiös. „Toll gemacht“, sagt Friedel. Die vier Schauspielerinnen tänzeln aus der Barock-Kulisse, wiegen sich „wie ein junges Reh im Wald“. Wieder und wieder tippeln sie über die Bühne, fächeln und lächeln – bis jeder Einsatz sitzt. „Flirtet mit den Requisiten“, sagt Friedel zu den Kolleginnen. Und: „Ich sehe noch Fragezeichen, aber das klärt sich.“

Das „Experiment“ Schwanensee. Fordert es dem Publikum nicht einiges ab? „Ja“, sagt er, „aber nichts muss“. Man könne sich auch einfach berieseln lassen – und später über das Stück nachdenken oder es auch einfach lassen.

„Ich liebe es, wenn mich Theater überrascht“, erzählt der Regisseur. Die direkte Konfrontation mit den Reaktionen des Publikums und mit den Erwartungen der Zuschauer zu spielen – das sei etwas, was er beim Drehen vermisst.

Christian Fiedler inszeniert „Schwanengesang“ am DT Göttingen

Perücken für „Schwanengesang“ – Ein Besuch beim Maskenbildner

Für Menschen, deren Geduldsfaden schnell reißt, ist dieser Beruf nichts: Wenn Axel Duwe mit der Knüpfnadel eine Perücke für Gaby Dey fertigt, dauert das schon mal „40 bis 60 Stunden“ bis sie fertig ist. Der blonde Langhaar-Schopf wird passgenau für die DT-Schauspielerin angefertigt. Duwe ist Maskenbildner im Deutschen Theater, eine Art Zauberer, denn er verwandelt Schauspieler optisch in eine andere Person - zumindest oberhalb der Schultern. Sein Zuständigkeitsbereich einer DT-Produktion: „Perücken, Make-up, Masken, Bärte alles, was auf Kopf passiert“, sagt er und kämmt eine Perücke für die abendliche Vorstellung glatt.

Axel Duwe, Maskenbildner am Deutschen Theater, arbeitet an den Prücken zu „Schwanengesang“. Quelle: Hinzmann

Für das neue Stück „Schwanengesang“ fertigen Duwe und sein Team - vier Maskenbildner und ein Auszubildender arbeiten dort - allein 15 Perücken. In dem Stück reist ein Wissenschaftler durch Zeit, Raum und Musik. Graue Locken mit Mozartzopf, 80er-Jahre Kurzhaarschnitt und Hippielocken liegen, mit Namens-Schildchen der Schauspieler versehen, bereit. In diesem Fall dienen fertige Kunsthaar-Perücken als Basis, die Duwe aber noch für das Stück bearbeiten muss. Nur selten passen fertige Haaransätze und Frisur exakt zu den Vorstellungen der Regie und der Maskenbildner.

„Wir arbeiten sonst aber überwiegend mit Echthaar“, erklärt Duwe. Denn nur echtes Haar lasse sich in Form bringen. Dafür nutzen die Profis beispielsweise Lockenzangen aus Metall, die altertümlich aussehen - und sind. „Damit wurde schon im vergangenen Jahrhundert gearbeitet“ erklärt Duwe. In der Werkstatt der Maskenbildner hängen Masken, Haarteile, Zöpfe an der Wand. Kisten voller Lockenwickler stehen bereit. Im Regal aufgereiht stehen Gipsköpfe mit den Namen der Schauspieler. Die Perücken werden maßgefertigt, “Thermotüll” dient als Basis für das Haar, quasi die künstliche Kopfhaut. Dort hakt Duwe Haar für Haar den Schopf für Dey zusammen.

Duwe und sein Team sind bei den Vorstellungen etwa zwei Stunden, bevor sich der Vorhang hebt, damit beschäftigt, die Schauspieler für die Bühne herzurichten. Immer wieder müssen sie, während die Zuschauer sich amüsieren, „schneckeln“, wie Duwe sagt. Also die Frisur in Ordnung bringen, Haare zurecht stecken, die Maske auffrischen, nachschminken.

Duwe hat zunächst Friseur gelernt – zu seiner Zeit war eine Handwerksausbildung Voraussetzung für den Beruf – ist dann ans Brauschweiger Staatstheater gegangen. „Früher war der Begriff Maskenbildner noch nicht geschützt“, sagt er. Heute ist es ein anerkannter Ausbildungsberuf.

Keine Aufführung geht ohne Make-up und Frisur über die Bühne, Perücken kommen oft zum Einsatz. Manchmal auch Masken. „Der Maskenbildner ist der natürlich Feind des Schauspielers“, scherzt Florian Eppinger, der zur Tür hinein kommt. Er spielt die Hauptrolle im „Schwanengesang“. Duwe selbst gibt zu, dass die Prozedur, wenn für eine Maske ein Abdruck von Gesicht genommen wird, nicht besonders angenehm ist. Manchmal sind es Gipsbinden, die um den Kopf gewickelt werden, manchmal ist es Silikon. „Ich könnte das nicht ertragen“, sagt der Maskenbildner.

Von Britta Bielefeld

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