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Göttingen Täter schreibt: „Gestern Mädchen geschlachtet“
Die Region Göttingen Täter schreibt: „Gestern Mädchen geschlachtet“
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11:19 26.11.2010
Von Andreas Fuhrmann
Versteckt sich unter seiner Jacke: Ermittler führen den Tatverdächtigen Jan O. aus dem Amtsgericht Northeim ab.
Versteckt sich unter seiner Jacke: Ermittler führen den Tatverdächtigen Jan O. aus dem Amtsgericht Northeim ab. Quelle: dpa
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Das sagte Kriminaldirektor Andreas Borchert gestern auf einer Pressekonferenz in Northeim. Das sah Jan O. offenbar selber so, denn noch am 17. November soll er nach Tageblatt-Informationen folgenden Eintrag auf seine Facebook-Seite geschrieben haben: „Gestern Mädchen geschlachtet, jeden Tag eins bis mich erwischen.“

Dass Jan O. der Täter ist, der die 14-jährige Nina und den 13-jährigen Tobias ermordet hat, daran haben die Ermittler keinen Zweifel. „Die Beweise sind eindeutig“, sagte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner. So seien eine blutverschmierte Hose und andere verdreckte Kleidung in der Wohnung des 26-Jährigen gefunden worden. Das belastende Material werde kriminaltechnisch untersucht, sagte Hartmut Reinecke, Leiter der Mordkommission. Der 26-Jährige, gegen den Haftbefehl wegen des Verdachts des zweifachen Mordes erging, will ein Geständnis ablegen. Die Ermittler versprechen sich davon neue Erkenntnisse zum Motiv. Ein Sexualdelikt schließen sie aus.

Derweil hat die Obduktion ergeben, dass Nina und Tobias „durch Würgen am Hals und Stichverletzungen mit einem spitzen Gegenstand, vermutlich mit einem Messer“, getötet worden sind. Der Täter, der keinen Bezug zu den Jugendlichen hatte, muss dabei äußerst brutal vorgegangen sein. Nach Tageblatt-Informationen wies mindestens eines der Opfer mehr als zehn Stichverletzungen auf. Der Fundort der Leichen sei zugleich der Tatort, sagte Reinecke. Klar sei auch, dass Nina schon am Montagabend vergangener Woche, also kurz nach ihrem Verschwinden, getötet wurde. Zeugen, die das Mädchen noch gesehen haben wollten, hätten sich geirrt, so Reinecke. Tobias sei am Sonnabend zwischen 20 und 22 Uhr ermordet worden.

Kurz vor dieser Tat hatte Jan O. noch eine Jugendliche auf einem Parkplatz in Bodenfelde angesprochen und um ihre Handynummer gebeten. Sie habe geschickt reagiert, sagte Borchert, und sich die Handynummer von Jan O. geben lassen. Das habe sie der Polizei mitgeteilt, als sie von den Morden hörte, und so den entscheidenden Hinweis gegeben. Am Montagabend nahm die Polizei Jan O. dann im Zug fest, als er von Bodenfelde nach Uslar fahren wollte.

Der 26-Jährige hatte Verletzungen an beiden Händen. Er begründete dies mit einem Sturz und sagte, er habe sich in einem Göttinger Krankenhaus behandeln lassen. Dieses „vermeintliche Alibi“, so Reinecke, habe man jedoch schnell widerlegen könne. Jan O. ist arbeitslos und wurde 2007 in Lüneburg wegen Diebstahldelikten zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Wegen seiner Alkohol- und Drogenprobleme wurde er zur Suchttherapie in ein Krankenhaus eingewiesen. Danach habe er als Bewährungsauflage eine offene Therapie in einer Einrichtung in Amelith, einem Ortsteil von Bodenfelde, machen müssen.

Seit Dienstagabend sitzt Jan O. in der JVA Rosdorf in Untersuchungshaft. Er sei auf einer normalen Station in einer Einzelzelle untergebracht, sagte JVA-Leiterin Regina-Christine Weichert-Pleuger dem Tageblatt. Man gehe mit dem Thema nicht hausieren, doch die Gefangenen würden sicher wissen, wer da in ihrem Trakt aufgenommen worden sei. „Das spricht sich schnell rum.“

Pflichtverteidiger und Akte mit 200 Seiten

Am Dienstagabend um 19.30 Uhr ist der Northeimer Anwalt Markus Fischer zum Pflichtverteidiger von Jan O. bestellt worden. Seinen Mandanten hat er gestern erstmalig und nur kurz, „eine halbe Stunde“, gesprochen. Fischer: „Er hat mir gesagt, dass er gestehen möchte“, so der Jurist gestern gegenüber dem Tageblatt. Wann der Termin, an dem auch Staatsanwaltschaft, Polizei und Gericht teilnehmen werden, stattfindet, ist noch unklar. Fischer muss sich zunächst mit der Ermittlungsakte vertraut machen. „Das sind bislang etwa 200 Seiten“, so Fischer. Er rechnet nicht vor Freitagnachmittag mit dem Geständnis, möglicherweise ist es auch erst Anfang nächster Woche so weit. Heute will sich Fischer erneut mit dem mutmaßlichen Doppelmörder treffen. Eines möchte auch der Jurist klären. „Die Frage nach dem Warum“. bib

Nach dem Doppelmorde in Bodenfelde an zwei Jugendlichen geht die Spurensuche der Polizei weiter.