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10:31 30.07.2019
Anja Pfahlert und ihre beste Freundin Vicky kennen sich seit 22 Jahren. Quelle: R
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Göttingen

Vorweg sei gesagt: Dass im Folgenden die Geschichten von besten Freundinnen so deutlich überwiegen, ist möglicherweise nicht repräsentativ.

„Ich bin richtig stolz auf sie“

Tamina und Anna. Quelle: R

„Am Anfang mochte ich dieses Mädchen nicht“, erzählt Anna Bode. Damals besuchen sie und Tamina Engelhardt die Realschule in Gieboldehausen und versuchen, sich möglichst aus dem Weg zu gehen. Sie können sich damals wohl noch nicht vorstellen, dass sie einmal unzertrennlich sein würden. Doch genau so kommt es. Aus Klassenkameradinnen werden trotz anfänglicher Abneigung Freundinnen, beste Freundinnen. Das Ganze ist jetzt zehn Jahre her.

Der Kontakt bleibt nach dem gemeinsamen Schulabschluss bestehen, obwohl die Wohnorte zehn Kilometer auseinanderliegen und die Berufswege in unterschiedliche Richtungen gehen. Die eine sucht ihr Glück in der Altenpflege, die andere im Malergewerbe, macht mit 23 Jahren bereits ihren Meister. „Ich bin richtig stolz auf sie“, sagt Anna. Zu Belohnung bekommt die Freundin einen Mallorca-Kurztrip. Auch das ist Teil einer funktionierenden Freundschaft.

Als Tamina heiratet, ist Anna Trauzeugin. „Als sie mich gefragt hat, war das vielleicht einer dieser besonderen Momente in unserer Freundschaft“, erzählt Anna und schickt eine Liebeserklärung in Richtung Tamina hinterher: „Ich bin froh, sie kennengelernt zu haben und mit ihr jemanden zu haben, auf den ich mich immer verlassen kann.“

Topmodel-Abende mit Sekt und Schokolade

Eine Tageblatt-Leserin, die mit 30. Juli mehr verbindet als den Tag der Freundschaft, ist Anja Pfahlert. Sie feiert an diesem Tag Geburtstag – ihren 30. in diesem Jahr. Die meiste Zeit teilte sie dabei mit ihrer besten Freundin Vicky Möschner. Die wohnte bereits in frühen Kindertagen in der Nachbarschaft, ging auf der Grundschule Elliehausen in ihre Parallelklasse, spielte mit ihr im SC Eintracht Tischtennis und tanzte.

Wenn die beiden heute auf die gemeinsame Zeit zurückblicken, erinnern sie sich an Trainingslager im Harz, an täglich gleiche Rituale beim Schulweg oder „Germany’s next Topmodel“-Abende mit Sekt und Schokolade. Und sie erzählen von einem Tattoo-Termin vor fünf Jahren, an dem sich Anja die Initialen „A & V“ unter die Haut stecken lässt. Vicky’s Motiv ist noch in Arbeit. „Wir haben die Gewissheit, dass wir immer für einander da sind und sein werden“, sagt Anja.

„Das endet, wenn wir unter der Erde liegen“

Nina und Jessica. Quelle: R

Über eine ebenso innige Verbindung berichten auch Nina Winkler und Jessica Guzinski. Sie kennen sich bereits seit dem Kindergarten, Ehepaare feiern nach einer so langen Zeit bereits silberne Hochzeit. Mittlerweile haben sie ihre Freundschaft in die nächste Generation getragen. „Unsere Söhne verstehen sich auch schon super gut“, schreibt Nina dem Tageblatt. Die beiden Frauen sind außerdem der lebende Beweis dafür, dass Freundschaften auch über weite Distanzen funktionieren können. Seit fünf Jahren liegen 330 Kilometer zwischen den beiden besten Freundinnen.

Die gemeinsamen Erlebnisse schweißen aber auch über Entfernung zusammen. Im Fall der 28 und 29 Jahre alten Freundinnen geht das so weit, dass sie sogar ihre ersten Schwangerschaften zeitgleich durchleben. „Auch wenn wir uns nicht mehr so oft sehen können, die Vertrautheit bleibt bestehen“, sagt Jessica. „Bei jedem Treffen ist es, als wenn wir nie getrennt gewesen wären“, ergänzt Nina. Dass irgendetwas dieser Freundschaft schaden könnte, glauben beide nicht. „Das endet erst, wenn wir unter der Erde liegen.“

Einer rettet die Ehre der Männer

Manfred Kräußlein Quelle: R

Der einzige Mann, der dem Aufruf des Tageblatts nachkam, sich zum Tag der Freundschaft zu äußern, heißt Manfred „Mani“ Kräußlein. Er rettet nicht nur die Ehre seiner Geschlechtsgenossen, sondern nutzt auch die Gelegenheit, sich bei seiner Freundin Asya Yasemin Krenauer für zehn Jahre ohne Streit und mit viel gegenseitigem Verständnis zu bedanken. „Ich bin so stolz, so eine wundervolle Frau kennengelernt zu haben.“

„Eine Seele in zwei Körpern“

Svenja Klaproth und Angelina Matthies Quelle: R

Angelina Matthies erinnert sich noch genau an den Tag im Jahr 1998, an dem sie in der Orientierungsstufe Herzberg mit Svenja Klaproth in eine Klasse kam. Es war der 3. September. Seither sind die beiden „7629 Tage unzertrennlich“, erzählt sie. „Wir waren ganz normale Mädchen, die im Unterricht kicherten, weil der Mathelehrer so süß war, die Liebesbriefe schrieben und Songtexte aus der Bravo sammelten.“ Tanzen ist die gemeinsame Leidenschaft, unzählige Stunden vergehen beim Einstudieren von selbst ausgedachten Choreografien.

Musik bleibt ein starkes Band zwischen den jungen Frauen, viele Lieder der 1990er Jahre haben eine Bedeutung, bergen eine gemeinsame Erinnerung an Freundschaft, Verlust oder Liebeskummer. „Rückblickend darf ich feststellen, dass aller Liebeskummer vergeblich war, denn die große Liebe hatten wir bereits in unserer Freundschaft gefunden.“ Für Angelina trifft ein Aristoteles-Zitat genau auf ihre Beziehung zu Svenja zu: Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern.

Heute haben die beiden mehr als die Hälfte ihres Lebens miteinander verbracht, erlebten zahllose Mädelsabende, waren gegenseitig Trauzeuginnen und erster Ansprechpartner in jeder Lebenslage. In ihrer Zwischenbilanz sagt Angelina: „Im Unterschied zu vielen anderen Beziehungskonstellationen kennt eine echte Freundschaft keine gegenseitigen Erwartungen, keine Missgunst und keine Zweifel. Sie ist Liebe in Reinform.“

Internationaler Tag der Freundschaft

Der Internationale Tag der Freundschaft wurde 2011 durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen ausgerufen. Gemäß der UN-Resolution solle der Tag dazu dienen, an die Bedeutung der Freundschaft zwischen Personen, Ländern und Kulturen zu erinnern. Den Anstoß soll die 1958 in Paraguay gegründete Initiative „Cruzada Mundial para la Amistad“ gegeben haben. Der Tag der Freundschaft wird an unterschiedlichen Daten begangen, in den USA und Teilen Asiens am 1. August, in Südamerika am 20. Juli.

Top-Ten zum Thema Freundschaft

„Ein Freund, ein guter Freund“, Werner Richard Heymann (1930)

„Gute Freunde kann niemand trennen“, Franz Beckenbauer (1966)

„With a little help from my friends“, Beatles (1967)

„Lean on me“, Bill Withers (1972)

„Thank you for being a friend“, Andrew Gold (1978)

„That's What Friends Are For“, Rod Steward (1982)

„Friends will be friends“, Queen (1986)

„You’ve got a friend in me“, Randy Newman (1995)

„We're Going to Be Friends“, White Stripes (2001)

„Friends“, Marshmello & Anne-Marie (2018)

Der Tod von Freunden wird zum Verlust biografischer Erinnerung“

Die Kulturwissenschaftlerin Prof. Regina F. Bendix vom Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie an der Universität Göttingen spricht im Interview mit dem Tageblatt über Freundschaft aus wissenschaftlicher Perspektive.

Regina Bendix Quelle: r

Welche Bedeutung kommt Freundschaft in der Lebenswelt aktuell zu?

Wer sich in den digitalen sozialen Netzwerken tummelt, wird den Begriff Freundschaft so, wie er in der losen, amerikanisierten Alltagssprache genutzt wird, wahrnehmen und sich eines Netzwerks von zahlreichen Freunden und Freundinnen erfreuen, über deren politische Meinungen, Konzertbesuche oder Reisen er sich bestens informiert findet. Dies soll jedoch nicht heißen, dass dies minder zu schätzen wäre als die lebenslange Freundin, mit der ich auch nach Jahren den Gesprächsfaden aufgreifen kann.

Es ist einfach anders. Die langjährigen, im „analogen“ Zusammensein erwachsenen Freundschaften sind nicht fein säuberlich getrennt von den digitalen Verbindungen. Die Geschwindigkeit digitaler Kommunikation setzt uns ins Bild über Ausschnitte des Lebens und Denkens von Freunden bis Bekannten. Sie versucht auch, über verschiedenste Funktionen mehr oder weniger offene Kommunikationskanäle zu modellieren, es gibt engere und entferntere soziale Netzwerkfreundschaften. Und es gibt über Whatsapp oder andere Chat-Kanäle Freundschaftskreise, in welchen ähnliche Unstimmigkeiten wie in der Mündlichkeit auf dem Pausenhof entstehen können.

Die Möglichkeiten zur Freundschaft sind größer geworden. Kinder- und Jugendfreundschaften, nahe Menschen, mit denen wir uns über die Arbeit oder beim Sport, in der Nachbarschaft oder über die Elternschaft an der gleichen Kita befreundet haben, werden über geografisch ferne aber digital präsente Menschen ergänzt. In meiner Jugend hat man etwa noch Brieffreundschaften mit wildfremden Menschen begonnen, die vielleicht im Radio oder in einer Zeitschrift nach schreibenden Freunden in andern Ländern suchten. Heute sind solche Bedürfnisse über einen Mausklick zu befriedigen und ebenso schnell kann man sie beenden.

Die Freundschaften in der greifbaren Nähe haben selbstredend eine ganz andere körperliche Anmutung, aber wir wissen heute manchmal sehr viel mehr über digitale Bekanntschaften als über befreundete Arbeitskollegen.

Trotz all dieser Fülle leben wir auch in einer Zeit, wo die Vereinzelung von Menschen ein nicht zu übersehendes gesellschaftliches Problem darstellt. In England wurde 2018 das „Ministerium für Einsamkeit“ eingeführt, das sich der Isolation von nicht nur aber auch alten Menschen und den psychischen Problemen der Einsamen widmen soll. Freundschaften zu knüpfen ist entsprechend auch eine Kulturtechnik, die vielleicht gerade in einer zunehmend dichter besiedelten Welt neu erlernt werden muss.

Ersetzt Freundschaft die Funktion der Familie?

Auf Englisch gibt es das Sprichwort „you can choose your friends but not your family”, heißt: Freundschaft ist freiwillig, Verwandtschaft nicht. Egal in welche Richtung man das Sprichwort deutet, verweist es darauf, dass es zwei Institutionen gibt, über die Menschen Beziehungsgeflechte aufbauen, Freundschaften und Verwandtschaft. Letztere wurde und wird kulturwissenschaftlich breit erforscht, Freundschaft dagegen taucht als Forschungsgegenstand zwar immer mal wieder auf, aber nicht in derselben systematischen Weise.

Von einem „Ersetzen“ der Familie kann keine Rede sein. Es gibt sicher Überschneidungen und manche Freunde gerade in der Kindheit und Jugend werden bisweilen fast zu Familienmitgliedern, übernachten ab und an oder kommen sogar mal mit in einen Familienurlaub.

Freundschaften sind aber meist frei von der Verantwortung und den Pflichten von Familienbanden. Wenn man Glück hat, gelingen über diese Bande enge Gewebe aus gemeinsamer Erfahrung, Erinnerung, Sorge und Fürsorge. Das Element der Verantwortung und die potenziellen Dissonanzen rund um Zuneigungsbezeugungen und Eigentum bringen auch viel an Spannung in Familienbeziehungen. Freundschaften können gerade in solchen Situationen zu einer besonderen Stütze werden, Freunde hören zu, geben Rat, sind hoffentlich verschwiegen oder können als Unbeteiligte vermitteln.

In einer demokratischen, genderpolitisch offenen und auch sozial durchlässiger gewordenen Gesellschaft sind die Möglichkeiten, Freundschaften zu schließen, enorm gewachsen. Es ist noch nicht gar so lange her, dass Kindern der Umgang mit Gleichalterigen aus andern sozialen Schichten verboten wurde. In fernerer Vergangenheit wurden etwa junge Adlige mit potenziellen Vertrauten zusammengeführt. Erst eine zunehmend die Bedürfnisse des Individuums in den Vordergrund stellende Zeit hat auch die Möglichkeiten erweitert, das sich Befreunden selbst zu üben und die entsprechenden Erfahrungen zu verarbeiten.

Wie unterscheiden wir Freundschaft und Partnerschaft?

Das ist vielleicht eher eine Frage für eine Therapeutin! Als Kulturwissenschaftlerin könnte ich mir hierzu verschiedene Quellen ansehen, die Auskunft geben, wie wir die Überlappungen zwischen diesen Beziehungsformen verhandeln.

Nehmen wir zum Beispiel Ankündigungen von Trennungen: Hier finden wir oft die Aussage, dass zwei, die sich einmal liebten, gute Freunde bleiben wollen. Nehmen wir Partnerschaftsanzeigen, so finden wir Formulierungen wie „ich suche nach jemandem, der mit mir durch dick und dünn geht“: das heißt, es wird nach einem Kumpel, einem verlässlichen, unternehmungslustigen Freund gesucht – der dann vielleicht auch ein Partner werden könnte.

Nehmen wir Todesanzeigen als eine Quelle, so betrauern Hinterbliebene bisweilen den Verlust „meiner lieben Frau und besten Freundin“. Eine Partnerschaft ist eben nicht Familie – sie kann eine Familie begründen, baut aber gleichzeitig auf sehr viel mehr als erotischer Anziehung auf und kann damit gleichzeitig auch eine Freundschaft sein.

„Das ist mein Freund“: Wie unterscheiden Kinder und Erwachsene Freundschaft?

Tun sie das? Auf einer elementaren Ebene des sich Verstehens und Vertrauens ist es doch viel eher die Kontinuität. In einer Freundschaft, die seit Kindsbeinen besteht, darf man auch mal wieder kindlich verspielt sein und das Gegenüber erkennt das alte Muster, geht darauf ein oder versteht es zumindest.

Ist man gemeinsam erwachsen geworden, verdichtet sich das Wissen um Entwicklungen in der Biografie im Privaten wie im Beruflichen. Lebenslange Freunde teilen Geschichte, von den kleinsten Alltagserinnerungen bis zu großen Ereignissen im Weltgeschehen. Für betagte Menschen wird dann der Tod solcher Freundinnen auch zum Verlust von geteilter biografischer Erinnerung.

Für ein Kind, das einen Freund gefunden hat, ist dieses tiefe Potenzial noch nicht ersichtlich, aber in der Zuneigung und den gemeinsamen Unternehmungen sitzt derselbe hohe, zwischenmenschliche Wert, der dann, wenn sich die Freundschaft als unstet erweist, in der Kindheit genauso schmerzt wie im Erwachsenenleben.

Sandkastenfreunde oder Kollegen: Lässt sich ein Unterschied in der sozialen Bewertung von Freundschaft ausmachen?

Natürlich gibt es Unterscheidungen – sie äußern sich ja sogar sprachlich: der Ausdruck „ein Gutwetterfreund“ signalisiert bereits, dass wir freundschaftliche Beziehungen unterschiedlich gestalten und wahrnehmen und dass wir Oberflächlichkeit oder schlimmer, Vertrauensbrüche, registrieren und entsprechend unsere Erwartung an eine solche Beziehung justieren.

Es lassen sich zwei Pole ausmachen: die engen, aus Zuneigung und Vertrauen gewachsenen Freunde oder Freundinnen am einen Ende des Spektrums und die strategisch gesuchten und gepflegten Freundschaften am andern Ende.

Stammbücher oder Freundschaftsbücher, wie sie seit der Frühneuzeit bekannt sind, gestalteten sich oft in Ansammlungen von Autographen von Menschen, deren Freundschaft man sich gerne rühmen wollte. Auch Poesiealben und jüngere Formen vorgedruckter Freundschaftsbücher enthalten oft Zeichnungen und Unterschriften von Spiel- und Schulkameraden, mit denen man vielleicht gar nicht befreundet war, deren Namen man aber trotzdem auch „sammelte“ – gar nicht so anders als heute die „Facebook-Friends“.

Fachlich gesprochen sind dies dann Freundschaftsbelege, die in unserem Aktionsfeld als ein soziales Kapital betrachtet werden. Emotional dagegen werden wir beim Durchblättern eines alten Poesiealbums sehr wohl noch wissen, wem wir uns wirklich nahe gefühlt haben und entsprechend als erste gebeten haben, etwas in das Album hineinzuschreiben.

Von Markus Scharf

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