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Göttingen Gauss’ Grab und Münchhausens Obelisken
Die Region Göttingen Gauss’ Grab und Münchhausens Obelisken
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15:58 14.10.2018
Tag der Restaurierung: Wanja Wedekind erläutert die Restaurierung der Grabmale.
Tag der Restaurierung: Wanja Wedekind erläutert die Restaurierung der Grabmale. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Gauss, Blumenbach und Münchhausen: Große Namen sind auf dem Göttinger Albani-Friedhof auf großen Grabsteinen zu lesen. Jetzt werden 20 der und 40 Grabmale vor dem Verfall bewahrt und restauriert. Am Sonntag, dem ersten „Europäischen Tag der Restaurierung“ stellten Fachleute dort ihre Arbeit vor.

Tag der Restaurierung: Ilja Wedekind am Grabstein. Quelle: Swen Pförtner

Der innerstädtische Cheltenhampark ist – vor allem bei schönen Wetter wie am Sonntag – ein Ausflugsziel und Treffpunkt für Göttinger. Zwischen den Obelisken der Familie Münchhausen und dem Grabstein Webers sitzen junge Menschen in Grüppchen zusammen und genießen die Sonne. Dennoch, so erklärt es Restaurator Wanja Wedekind, halten sich die Schäden durch Vandalismus dort in Grenzen. Aber es gibt sie. Beispielsweise am Metallzaun, der Gauss’ Grab säumt. Viele der Spitzen sind abgebrochen. „Der Zaun besteht aus Guss und ist nicht geschmiedet”, erklärt der promovierte Restaurator. Das poröse Metall bricht, wenn jemand dagegen tritt oder darauf herum klettert. Der Grabstein von Carl Friedrich Gauss ist bereits gereinigt. Der hohe Stein des großen Wissenschaftlers ist aus hellem Granit gefertigt und ist damit witterungsbeständiger als die meisten anderen Grabmale auf dem Albani-Friedhof. Wie Gauss’ Stein auch stammen die meisten Monumente aus dem 19. Jahrhundert, die meisten anderen sind allerdings aus Sandstein gefertigt.

Steine und Kreuze werden saniert

Wedekind und sein Team stehen am Sonntag den Göttingern Rede und Antwort, sie erklären, wie und womit die historischen Grabsteine saniert werden. Auch in der Universität gibt es Führungen zum Tag der Restaurierung. Die Erhaltung der Grabmale auf dem Albanifriedhof finanziert die Stadt. „Zuerst haben wir eine Bestandsaufnahme gemacht“, sagt Wedekind. Saniert werden die Steine, Kreuze und Skulpturen, „die es nötig haben“. Das sind etwa die Hälfte aller dort noch erhaltenen Gräber.

Entsalzung der Grabsteine

Als ersten Schritt entfernen die Restauratoren Flechten und Moose und andere Pflanzen, die sich der Steine bemächtigen. „Am besten mit Holzgeräten, das ist schonend“, so Wedekind. Anschließend werden die Monumente gereinigt, unter anderem mit einem Sandstrahl – wobei der Sand kein Sand sein muss. Wedekind hat kleine Schälchen als Demonstrationsobjekte aufgestellt. „Das hier sind kleine Glasperlen, das ist Walnuss“, erklärt er. Je nach Objekt werden unterschiedliche Körnungen zum Reinigen der Steine benutzt. Der nächste Schritt zur Sanierung ist dann die Entsalzung.

Salze werden mit dem Regen auf die Steine gespült. „Nitrate und Sulfate“, erklärt der Restaurator. Sulfate gelangen laut Wedekind vor allem durch die Industrie in die Atmosphäre, Nitrate auch durch die Natur. In Göttingen, so der Fachmann, gebe es aber weniger Sulfate als in Industrieregionen. Die Salze dringen auf der Wetterseite in den Stein ein, auf der anderen verdunstete das Wasser und die Salze setzten sich ab. Das führt über kurz oder lang zu Schäden im Stein. Beispielsweise mit Kompressen werden die Salze langsam herausgezogen. Danach müssen die Steine noch gefestigt und ergänzt werden, beispielsweise durch Ausbesserungen und erneuern der Inschriften mit Farbe.

Seit September sind Wedekind und seine Kollegen auf dem Albani-Friedhof im Cheltenhampark an der Arbeit. Auch auf dem Bartholomäusfriedhof haben sie bereits Grabmale restauriert. Wedekind hat Restaurierung studiert. „Dieser Beruf hat mich schon seit meiner Kindheit fasziniert“, erzählt er. Auch sein Bruder Ilja arbeitet in seiner Firma. Wanja Wedkind weiß noch genau, was die Initialzündung war: nämlich ein Besuch einer Burgruine auf Naxos. Dort habe er als Kind eine kleine Kapelle angeschaut, die mit mittelalterlichen Motiven ausgemalt war – und als Schafstall genutzt wurde. „Ich dachte mir schon damals, wie schade das ist“, sagt der Diplom-Restaurator. Viele der Göttinger Grabmale auf dem Albani-Friedhof im Cheltenhampark werden nun zum ersten Mal in ihrer fast 200-jährigen Geschichte restauriert.

Von Britta Bielefeld