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Göttingen Tageblatt-Einkaufstest in Göttingen Region
Die Region Göttingen Tageblatt-Einkaufstest in Göttingen Region
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13:54 08.11.2013
Von Britta Eichner-Ramm
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Göttingen

Einkaufsbeispiel 1:

Küstenmöhren zu 88 Cent für den Zwei-Kilo-Beutel. Damit könnte der Netto-Markendiscount punkten, wären da nicht im Werbeflyer die zusätzlichen Hinweise „Gutes aus dem Westen“ und „aus Nordrhein-Westfalen“. Liegt Nordrhein-Westfalen jetzt an der Küste, oder werden die Verbraucher hier in die Irre geführt?

Netto-Unternehmenssprecherin Christina Stylianou stellt klar, dass die Möhren „von unserem Lieferanten mit Sitz im nordrhein-westfälischen Borken angebaut, geerntet und abgepackt“ worden seien. „Leider wurde im Handzettel ein falsches Produktfoto abgebildet. Diesen Fehler bedauern wir sehr.“

Stylianou betont: „Die regionale Ausrichtung ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Sortimentsstrategie.“ Kathrin Körber von der Göttinger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Niedersachsen hat folgende Erfahrung gemacht: „Regionale Produkte und gefühlte Verbundenheit liegen im Trend. In Niedersachsen beziehungsweise den nördlichen Bundesländern verkaufen sich Produkte mit nördlichem Bezug besser.“

Einkaufsbeispiel 2:

Unter anderem Rewe wirbt für Lätta-Margarine, verschiedene Sorten zu 99 Cent. Der Clou dabei: alle Sorten kosten das selbe, die 500-Gramm-Normalpackung ebenso wie die Jubiläums-Größe zu 625 Gramm. Und auch die „Lätta & luftig“ gibt es für unter einen Euro. Allerdings sind hier im optisch fast gleich großen Becher gerade einmal 320 Gramm enthalten. Weil die Margarine mit Stickstoff aufgeschlagen ist, ist der Packungsinhalt eine echte Luftnummer.

Das Beispiel zeigt, dass „Packungsgrößen kein verlässliches Kriterium für Preisvergleiche sind, wohl aber der Grundpreis“, so Körber.

Der Grundpreis sei gesetzlich für Gewichts- und Volumenangaben vorgeschrieben. Bei Waschmitteln wird, so zeigt ein Blick in die Werbeangebote und an die Regalauszeichnungen der Geschäfte, jedoch mal pro Waschladung oder Anwendung, mal in Kilogramm oder Litern bei Flüssigwaschmittel angegeben. Körbers Tipp an die Verbraucher: „Die angebotenen Groß- beziehungsweise Riesenpackungen sind nicht immer günstiger. Im Grunde muss man immer die Füllmenge pro Waschladung ausrechnen und das mit kleineren Kompaktwaschmitteln vergleichen.“

Einkaufsbeispiel 3:

Kaffeepads. Hier bietet der Handel nicht nur verschiedene Sorten und Marken an. Auch die Packungsgrößen und die Grundpreisangaben variieren. Die 20-Stück-Packung der Real-Marke Tip wiegt 144 Gramm und kostet 1,79 Euro (Grundpreis: 100  Gramm = 1,24 Euro). Die Pads der Marke Dallmayr Prodomo werden in der Werbung für 1,69 Euro pro Packung angeboten.

Die Normal-Packung (116 Gramm) beinhaltet 16 Pads (Grundpreis: 100 Gramm = 1,46 Euro). Stehen im Regal Aktions-Packungen mit „zwei Pads gratis“, gibt es 130 Gramm Kaffee für das selbe Geld und der Grundpreis sinkt auf 1,30 Euro pro 100 Gramm. Aber: Gerade bei Kaffeepads sei mitunter rechnen angesagt, ein Vergleich oft „extrem erschwert“, sagt Körber.

Einkaufsbeispiel 4:

Wird mit Gratiszugaben und Mehrinhalt geworben, verberge sich dahinter oft eine versteckte Preiserhöhung. Körber: „Nach und nach enthalten die Packungen weniger Menge, der Preis bleibt konstant oder wird nur leicht erhöht. Der Verbraucher vergisst die ursprüngliche Packungsgröße, das eigentliche Füllgewicht oder die Menge.

Die Tütensuppe hat dann eine Ausbeute von drei Tellern statt der ursprünglichen vier zum selben Preis; das Waschmittel weniger Füllgewicht. Später wird hier mit einer ‚Gratismenge‘ geworben, Schokoriegel, Zahnpasta … alles gleiches Prozedere.“

Einkaufsbeispiel 5:

Kaum vergleichbar sind zum Beispiel die Preise von Küchenrollen, denn hier fordert der Gesetzgeber keine Grundpreisangabe, etwa pro Blatt. Und so finden sich im Handel allerlei Varianten dreilagiger Haushaltsrollen. Lidl etwa bietet die Marke Floralys mit 4x51 Blatt zu 1,35 Euro, aber auch als Aktionsware drei Rollen à 80 Blatt zu 1,75  Euro an.

Bei Edeka/Neukauf bekommt man zwei Rollen der Edeka-Eigenmarke mit jeweils 70 Blatt für 1,65 Euro und vier Regina-Rollen zu 45 Blatt für 1,95. Auf den wenigsten Packungen finden sich jedoch Angaben zur Blattgröße, wie zum Beispiel bei Haushaltsrollen der Marke Zewa (26 mal 23 Zentimeter, was etwa der Standardgröße entspricht). Vier Rollen Zewa Klassik je 45 Blatt kosten etwa bei Neukauf 1,99 Euro.

Zum Vergleich kaufte die Redaktion bei Tegut ein Viererpack Küchentücher der Marke „Mach mit“ zu 2,19 Euro. Auf Packung und am Regal erfährt der Kunde zwar, dass jede Rolle sage und schreibe 90 Blatt aus Recyclingmaterial enthält, doch dass ein „Mach mit“-Blatt nur etwa halb so groß ist, wie ein Standardblatt, erfährt man erst nach dem Öffnen.

Einkaufsbeispiel 6:

Die korrekte Grundpreisangabe ist aus Sicht der Verbraucherzentrale „die Schlüsselinformation für den Preisvergleich“. Der Grundpreis eines Lebensmittels muss „auf dem Preisschild in unmittelbarer Nähe des Endpreises“ angegeben werden, auch bei Produkten, die in Fertigpackungen (wie eingeschweißtes Frischfleisch), offenen Packungen (Früchte in Körbchen) oder als lose Ware angeboten werden.

Im Tageblatt-Test, einer Stichprobe in verschiedenen Geschäften in Göttingen, fiel nur eine Beanstandung ins Auge. Auf der Auszeichnung einer Champignon-Packung – 250-Gramm-Schale zu 99 Cent – fehlte die Grundpreisangabe.

Herkunftsbezeichnungen, die nicht zur Ware passen, fehlende Grundpreise,  Gratiszugaben, die keine sind – beim Einkaufen ist detektivisches Gespür und Preisvergleich gefragt.

„Grundpreis einbeziehen“

Wie wichtig sind Preisvergleiche? Das fragte das Tageblatt am Sonnabend Göttinger Kundinnen.

„Ich achte auf jeden Fall auf den Grundpreis und ziehe ihn in meine Überlegungen beim Einkauf ein“, sagt Jana Vesper. Sie lege nicht nur Wert auf Qualität sondern auch auf das Preis-Leistungsverhältnis. Ihr sei aufgefallen, dass die Angaben nicht immer korrekt berechnet seien. Auf Angebote achtet Heidemarie Grube. „Das muss man ja in der heutigen Zeit“, argumentiert sie.

Beim Preisvergleich achte sie ebenfalls auf den Grundpreis, „aber das fällt mir nicht immer sehr leicht“, sagt sie. „Der ist manchmal so klein geschrieben, dass ich die Brille dazu nehmen muss.“

Eher auf Werbeangebote als auf den Grundpreis achtet Karin Jaehnke beim Einkauf. Dass sie eventuell trotz Aktionspreis mehr bezahlen muss, störe sie nicht: „Dann ist das eben so.“

Näheres über Grundpreise oder über Verkehrsbezeichnungen bei Lebensmitteln gibt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale unter dem Stichwort „Lebensmittel“ zum Download: verbraucherzentrale-niedersachsen.de.