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Göttingen Identitätsverwirrung
Die Region Göttingen Identitätsverwirrung
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05:00 07.12.2019
Auch der Specht liebt Meisenbällchen. Quelle: Foto: Weber
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Göttingen

Draußen ist es gefühlt noch geradezu warm. Jedenfalls im Vergleich zu den Vorstellungen, die der Mensch in Norddeutschland vom Dezember hegt. Deshalb war das Thema Vogelfütterung bei mir auch noch nicht so präsent. Obwohl die Auslagen in den Supermärkten ja geradezu ein schlechtes Gewissen suggerieren. Aber darauf springe ich nicht an – ich kaufe ja auch keine Spekulatius im August, nur weil die dann schon im Supermarkt angeboten werden. Gefüttert wurden meine Gartenvögel dann aber doch. Der erste Frost hat mich nämlich ganz plötzlich an meine noch nicht abgebaute Gartenpumpe erinnert.

Es erfolgte eine hastige Gartenpumpen-Rettungsaktion, bei der ich im Abstellraum über die Vogelfutter-Reste des vergangenen Winters gestolpert bin. Das war zumindest ein Anfang in Sachen Vogelfütterung. Ich hängte also Ringe und Bällchen auf und befüllte das Vogelhäuschen mit Körnern. Zwei Tage lang herrschte turbulenter Flugverkehr vor meinem Bürofenster. Weil es draußen aber so mild ist und überall noch Äpfel, Nüsse und Beeren zu finden sind, habe ich etwas geschlampt und nicht sofort Futter nachgefüllt.

Anke Weber Quelle: R

Die Vögel kamen trotzdem und benahmen sich wie mein Hund – sie bettelten. Flatterten ins Vogelhaus, beschwerten sich lauthals und pickten sogar an die Fensterscheibe, um ihren Unmut zu bekunden. Als das Gezeter vor meinem Fenster so massiv wurde, dass ich mich kaum noch konzentrieren konnte, kaufte ich endlich Vogelfutter, schüttete frische Körner in die Häuschen und hängte neue Bällchen und Ringe auf.

Jetzt sitzt mein Hund unter dem Vogelhäuschen und schmachtet die Meisenbällchen an. Wahrscheinlich weil einer seiner beeindruckenden Doggen-Sprünge kurz zuvor erfolgreich war und er ein Bällchen erobert hatte. Seitdem ist er ziemlich scharf auf die Körner in Talg. Dabei kredenze ich ihm wirklich hochwertiges Hundefutter. Ob er sich seiner Identität immer noch nicht so richtig bewusst ist? Hauptsächlich fühlt er sich ja zu Pferden hingezogen. Und nun diese Vogel-Affinität. Aber wenn er sich jetzt schon am Futterhaus wie ein Vogel benimmt, könnte er doch auch die Fliegen im Wohnzimmer eliminieren.

Ganz dezemberuntypisch sind nämlich einige Fliegen beim Fensterputz ins Haus eingedrungen. Diese tummeln sich seit einigen Tagen gerne abends auf dem Sofa. Dort, in der Nähe des Ofens, wo es schön warm ist. Und genau dort gehen sie mir auf die Nerven. Bei ihnen läuft in der Identitäts-Frage scheinbar auch etwas schief. Sie beißen nämlich. Wäre dafür nicht der Hund zuständig? Was für eine verdrehte Tierwelt. Die Vögel betteln wie der Hund. Der Hund frisst Vogelfutter. Und die Fliegen beißen. Wenn das so weitergeht, dann mache ich bald eine Fliege.

Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

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Von Anke Weber

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