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Göttingen Tageblatt-Volontär turnt, schmettert und schießt Pfunde von sich
Die Region Göttingen Tageblatt-Volontär turnt, schmettert und schießt Pfunde von sich
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06:17 31.03.2012
Elegant ist anders: Kerzel bei Dehnübungen mit Sportgymnastinnen aus Obernjesa.
Elegant ist anders: Kerzel bei Dehnübungen mit Sportgymnastinnen aus Obernjesa. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Die Grundlage habe ich gelegt, jetzt muss ich das Gewicht halten. Das geht am besten mit Sport. Ich habe daher drei olympische Sportraten getestet, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

Rhythmische Sportgymnastik

Vier Mädels sitzen neben mir. Sie alle können einen Spagat und kommen mit ihren Füßen an ihren Kopf. Ich kann mit durchgestreckten Beinen kaum meine Füße anfassen. Filigrane Bewegungen gehören nicht zu meinem Repertoire. Auf dem Fußballplatz spiele ich eher den Ausputzer. „Grazie und Willen sind am wichtigsten bei der rhythmischen Sportgymnastik“, erklärt Trainerin Ilonka Moschkau. Ich will.

Zwischen Wollen und Können liegen jedoch bekanntermaßen Welten. Ich bekomme das Kinderband als erstes Gerät. Das ist sechs Meter lang und verheddert sich ständig. Die Figuren heißen Schlange oder Kreisel. „Ich habe schon Leute gesehen, die haben sich deutlich schlechter angestellt“, analysiert Moschkau.

Luisas Dörnenburg, rhythmische Sportgymnastin bei der TSV Obernjesa, gibt mir Tipps und Hilfestellungen. Ich lasse das Band kreiseln, greife in dieses Band, strecke meinen Arm aus, vollziehe einen Kreis, werfe den Stab sechs Meter nach vorne und ziehe in dem Moment, wo er auf den Boden aufprallt, sodass er auf mich zufliegt. Und ich fange den Stab auf. Hört sich kompliziert an. Ist es auch. Und fühlt sich an, wie ein Zaubertrick. Ein Erfolgserlebnis, das mich die Qualen beim Dehnen vergessen lässt.

Weiter geht es mit Keulen und Band – verletzungsfrei werfe und fange ich die Geräte. „Gut, dass du lange Arme hast“, sagt Luisa. Sie selbst habe sich schon mal eine Platzwunde am Kopf mit den Keulen zugezogen.

Badminton

Meine Beine stellen neben meiner Lunge das größte Problem beim Badminton dar. Wer hätte gedacht, dass Federball so anstrengend ist? Gut, jeder der von meinem Ausflug in diese Sportart wusste. Und mein Kopf. Der konnte im Vorfeld mein Wesen allerdings nicht davon überzeugen. Das vermutete, dass es nicht so schwierig sein dürfte, ein paar Schritte vor, zurück, nach links und rechts zu machen.

Und die ersten Schläge funktionieren auch ganz vernünftig. Das liegt jedoch daran, dass meine Mitspielerin Sumi Heo mir die Bälle in den Schläger spielt. Spätestens nachdem ein Mitspieler von ihr „lass ihn mehr laufen“ reinruft, endet mein Vergnügen.

Sie spielt präzise Stops und Lobs und das in die Ecken des Courts. Drei oder vier Bälle erlaufe und schaufele ich halbwegs zurück. Doch je länger die Ballwechsel andauern, desto stärker pfeift meine Lunge. Nach 20 Minuten Spielzeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkommen, bekomme ich leichte Schwindelanfälle, wenn ich den Federball aufheben will. Eine sehr lehrreiche Lektion für mich: Badmintonspieler müssen mit sehr guter Kondition ausgestattet sein. Und die fehlt mir. Für die Mission Olympia hilft mir allerdings jede Sporteinheit. Einige Kalorien verbrenne ich bei jedem Sprint.

Bis zu den Olympischen Spielen 2012 im Juni in London will Tageblatt-Volontär Michael Kerzel abnehmen. Auf seiner Mission Olympia hat er drei olympische Sportarten ausprobiert: Rhythmische Sportgymnastik, Badminton und Bogenschießen.

Tageblatt-Volontär Michael Kerzel schreibt über seine Mission Olympia auch auf mission-olympia.de. Hier geht es zum Blog. 

Bogenschießen

Teil drei meines Mission-Olympia-Dreikampfs führt mich auf das Werferfeld des Sportzentrums der Universität. Bogenschießen steht auf dem Programm. Mein Trainer, Stephan Baucke, erklärt mir die wichtigsten Voraussetzungen: Eine gewisse Kraft, gutes Körpergefühl und hohe Konzentration. Zunächst gibt mir Baucke seinen Turnierbogen in die Hand. Ein High-Tech-Gerät, das rund 1300 Euro kostet. Ich mache Trockenübungen ohne Pfeil. Die Wurfarme sind auf 40 Pfund eingestellt. Mein Arm zittert beim Ziehen der Sehne. Schießen darf ich noch nicht, dafür reicht mir Baucke den Übungsbogen.

Ich blicke durchs Visier und ziele auf die Mitte des zehn Meter entfernt stehenden Ziels. Knapp rechts daneben. Gar nicht schlecht für den ersten Schuss. Auch meine folgenden Pfeile finden halbwegs ihr Ziel, wenn auch nicht zentral. Kollege Peter Otto schießt auch nicht besser oder schlechter als ich.

Schulter- und Rückenmuskulatur werden beim Bogenschießen stark in Anspruch genommen. Das merke ich, wenn ich den Bogen auf Spannung bringe. Bogenschießen ist kompliziert. Das Gefühl, wenn der Pfeil den Bogen verlässt und in der Scheibe einschlägt, wiegt die Anstrengung aber mehr als aus.

Muskelkater habe ich im Grunde nach den sportlichen Übungen. Meine Mission Olympia geht weiter, ich bleibe diszipliniert. Mit viel Wollen, eher ohne Grazie.  Sport und fettarmes Essen begleiten mich noch vier Monate.

Von Michael Kerzel