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Göttingen Rechnung an toten Kunden
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00:26 26.03.2018
Zentrale der Telekom in Bonn.
Zentrale der Telekom in Bonn. Quelle: dpa
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Göttingen

Stirbt ein Angehöriger haben die Hinterbliebenen oft noch lange nicht nur mit der Trauer sondern auch mit den bürokratischen Folgen zu kämpfen. So erlebt es derzeit eine Familie aus dem Landkreis Göttingen. Ihr Problem: Der Telefonvertrag ihres im Oktober 2016 gestorbenen Vaters läuft immer weiter.

Im Oktober 2016 starb ihr Mann. In der Folge kümmerte sich die Witwe um den notwendigen Papierkram. Unter anderem habe sie eine Kündigung inklusive Sterbeurkunde an die Telekom geschickt, um den Telefonvertrag zu beenden, sagt die Familie. Die Urkunde aber sei dort nicht angekommen, zumindest nicht an der richtigen Stelle, sagt die Telekom. Der Vertrag lief also weiter und die monatlichen Beträge wurden weiter abgebucht.

Monatliche Rechnung von 40 Euro

Was die Kosten von etwa jeweils 40 Euro verursachte, konnte die Familie nicht erkennen. Denn die Rechnungen gingen gemäß der bisherigen vertraglichen Vereinbarung an die Mailadresse des Verstorbenen. Die allerdings existierte nicht mehr und konnte dementsprechend auch nicht mehr abgerufen werden. Daraufhin wendete sich die Witwe ein weiteres Mal an die Telekom und bat darum, die Mailadresse zu löschen. Ohne Erfolg, denn auch für das Löschen der Mailadresse hätte das Telekommunikationsunternehmen zur Verifizierung die Sterbeurkunde benötigt. Und die lag laut Telekom noch immer nicht vor.

Um weitere Irritationen zu vermeiden, gab die Tochter des Verstorbenen eine zweite Sterbeurkunde direkt in einer Göttinger Telekom-Filiale ab. Über die dortige Mitarbeiterin, die sich im Hinblick auf das Ableben des Vaters „für nicht befugt“ erklärte, sollte das Dokument an die entscheidende Abteilung ihres Arbeitgebers weitergeleitet werden. Aber auch das stoppte die Abbuchung bisher nicht.

Anbieterwechsel scheitert

Im nächsten Schritt versuchte die Witwe im Dezember 2017, den Anbieter zu wechseln. Dieser Mitbewerber wandte sich daraufhin an die Telekom, mit der Bitte den Anschluss zu portieren. „Auch das ist wegen der fehlenden Urkunde nicht möglich, ebenso die vorzeitige Kündigung des Anschlusses bei uns“, teilte die Telekom mit und forderte die Witwe schriftlich auf, ihnen eine Sterbeurkunde zukommen zu lassen. Nach der Zählung der Familie zum dritten Mal.

Grundsätzlich räumt die Telekom ihren Kunden im Sterbefall ein Sonderkündigungsrecht ein. Auf einer eigens zu diesem Themenkomplex eingerichteten Internetseite bietet der Konzern nicht nur Formulare, um Verträge von Verstorbenen direkt zu kündigen oder wahlweise zu übernehmen, sondern auch Informationen, wie das am schnellsten funktioniert: Man benötige wahlweise eine erweiterte Bescheinigung des Einwohnermeldeamtes, einen Erbschein oder die Sterbeurkunde, sowie die Kundennummer, die Rufnummer und das Geburstdatum des Verstorbenen. Dann bekomme der Kunde nach maximal sechs Wochen die Schlussrechnung und eine Bestätigung.

Persönlicher Anruf und Rechnung per Post

Ganz so einfach war es im vorliegenden Fall dann aber wohl nicht. Nach dem letzten erfolglosen Telefonat, wandte sich die Familie an das Göttinger Tageblatt. Nach einer Nachfrage in der Konzern-Kommunikation erhielt die Witwe umgehend einen persönlichen Anruf eines Kundenservice-Mitarbeiters. Außerdem sagte man zu, die aktuelle Rechnung postalisch auf den Weg zu bringen. Gegenüber der Redaktion betonte die Telekom, man gehe davon aus, dass das Thema sich in Kürze endgültig wird klären lassen. Nach eineinhalb Jahren Wartezeit nahm die Familie diese Nachricht erst einmal mit Zurückhaltung auf.

Von Markus Scharf

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