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Göttingen Theater, Stadthalle und Badehaus: Rundgang zur Stadtplanung in Göttingen
Die Region Göttingen Theater, Stadthalle und Badehaus: Rundgang zur Stadtplanung in Göttingen
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14:16 26.03.2014
Von Britta Bielefeld
Seltene 60er-Jahre-Architektur: Die Stadthalle am Albaniplatz – auch „Kachelofen“ genannt – ist wieder einmal in der Diskussion. Quelle: Heller
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Göttingen

Das war einer der zentralen Punkte während eines Rundgangs des Vereins „Stadt-und-Planung“ am Sonnabend.

Ganz klar, das Deutsche Theater (DT) ist eines der beeindruckendsten Bauwerke der Stadt. Und auch der gläserne Anbau findet die Zustimmung des Vereins und der interessierten Bürger auf der Tour. „So stellen wir uns das gelungene Miteinander moderner und klassischer Architektur vor“, sagt Uwe Scheibler, der den Spaziergang leitet.

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„Auf Schleichwegen“ geht es weiter zum Ethnologischen Museum. Von der Theaterstraße her ist das Gebäude aus den 30er-Jahren allerdings genau so wenig zu sehen, wie vom Theaterplatz aus. Ziemlich zugewachsen ist die Grünanlage drum herum. Das immer mal wieder  als Nazi-Bau kritisierte Gebäude beherbergt Exponate von Weltrang.

„Klassische Resteverwertung“

Die Fassade sei laut Scheibler renovierungsbedürftig, der Gebäude aber habe durchaus architektonische Qualitäten. Dass das auch für die älteste Kirche der Stadt, nämlich St.-Albani gilt, ist unzweifelhaft. Allerdings liegt sie direkt an einem Parkplatz. „Wenn eine Fläche für die Stadtverwaltung keine Bedeutung hat, macht sie einen Parkplatz draus“, spottet Scheibler.

Gleiches gilt für die Fläche zwischen Stadthalle und Friedländer Weg. „Klassische Resteverwertung“, so ein Teilnehmer. Nicht nur auf den Parkflächen, auch auf der großzügigen Terrasse an der Südseite der Stadthalle regiert Tristesse. „Früher gab es hier ein Restaurant“, erinnert sich Bernd Kreutzfeldt.

„Ein toller Platz für Gastronomie“, findet auch Scheibler. Zur Zeit gebe es gerade wieder Überlegungen, die Stadthalle aufzugeben, zu verkaufen oder abreißen zu lassen, so Scheibler weiter. Stattdessen werde ein Anbau an die Lokhalle diskutiert.

Als Gesamtheit entwickeln

Aus Sicht der engagierten Bürger ist das keine Alternative. Die Nähe der Veranstaltungshalle  zum DT, zur Aula und zur Innenstadt sei für Gäste aber auch für die umliegende Göttinger Gastronomie unverzichtbar.

Das Quartier müsse man künftig als Ensemble und nicht nur als Reihe wichtiger Einzelgebäude sehen, so Scheibler. Der Verein schlägt deshalb vor, den Bereich zu analysieren und als Gesamtheit zu entwickeln.

Dazu gehören beispielsweise die Bildung von Sichtachsen und die optische Hervorhebung des Walls – und die Neuordnung des Verkehrs mit einer Parkgarage unter dem Albaniplatz.

►Kommentar: Stadthalle muss bleiben

Und wieder gibt es Diskussionen um die Stadthalle: Abriss, Verkauf, Hotelneubau an gleicher Stelle? Seit Jahren gibt es immer wieder Begehrlichkeiten, Göttingens einzigen repräsentativen 60er-Jahre-Bau loszuwerden. Nun also wieder.

Die Göttinger Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GWG) plant offenbar einen Neubau an der Lokhalle zu errichten, ein entsprechender Antrag wurde in der letzten Sitzung des Bauausschusses allerdings von der Tagesordnung genommen.

Klar, die GWG hat das Wort „Wirtschaft“ im Titel, ihr geht es vornehmlich darum, das ist ihre Aufgabe. Die Aufgabe der Politik wird es sein, dafür zu sorgen, dass Stadthalle, Deutsches Theater, Uni-Aula und das lebhafte gastronomische Treiben in der östlichen  Innenstadt erhalten bleiben.

Mit einem Neubau an der Lokhalle würde nicht nur die Stadthalle sterben, sondern auch ein gutes und wichtiges Stück  kulturelles Leben in der Innenstadt. Die Stadthalle gehört genau dahin, wo sie ist, und nicht hinter die Lokhalle. Sie heißt ja Stadt-Halle und nicht Leine-Halle oder Lokhalle reloaded.

Außerdem lässt sich über Geschmack streiten – die lustigen lilafarbenen Kacheln gefallen nicht jedem – über baukulturelle Vielfalt nicht. Die Stadthalle gehört an den Albaniplatz und unter Denkmalschutz gestellt.

Britta Bielefeld