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Göttingen Hitze macht auch Tieren zu schaffen
Die Region Göttingen Hitze macht auch Tieren zu schaffen
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00:27 28.06.2019
Hunde sollten bei hohen Temperaturen die Chance haben, sich regelmäßig abzukühlen.
Hunde sollten bei hohen Temperaturen die Chance haben, sich regelmäßig abzukühlen. Quelle: R
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Göttingen

Kurz nach dem kalendarischen Sommeranfang hat Hoch Ulla auch Südniedersachsen voll im Griff. Der Himmel ist wolkenlos, das Thermometer klettert täglich auf über 30 Grad, Freibäder und Eisverkäufer haben Hochkonjunktur. Wer kann, genießt den Sommer. Doch längst nicht für alle ist die derzeitige Wetterlage angenehm. Das gilt beispielsweise für die meisten Haustiere.

Für sie kann Hitze sogar gefährlich werden. Sollten Hund, Katze oder Kaninchen keine Möglichkeit bekommen, den hohen Temperaturen auszuweichen, drohen Hitzschlag, Organschäden oder sogar Verbrennungen. Auch wenn den befragten Tierärzten der Region kein aktueller Fall bekannt ist, geben die Experten alljährlich Tipps, um Tierhalter und ihre Schützlingen vor größeren Schaden zu bewahren.

Hecheln kein Grund zur Sorge

Das Wissen um den Zustand des eigenen Haustieres ist dabei häufig schon der beste Schutz. Hundehalter sollten sich beispielsweise bewusst sein, dass der beste Freund des Menschen nicht schwitzen kann. Er kontrolliert seine Körpertemperatur lediglich über das Hecheln. Schnelles Atmen ist deshalb per se kein Grund zur Sorge. Sollte sich allerdings die Farbe der Zunge ins Bläuliche verfärben, ist ein Besuch bei Tierarzt dringend angeraten.

Grundsätzlich gilt, dass alle Tiere in den Sommermonaten mit ausreichend Wasser versorgt werden müssen. Auch unterwegs sollte immer ein Trinkgefäß dabei sein. Ideal ist ein Zugang zu Flüssen, Teichen und anderen Gewässern. Aber auch der Rasensprenger kann für eine ausreichende Befeuchtung sorgen. Wasserscheue Tiere können mit feinem Spühnebel, feuchten Tüchern oder Eiswürfeln abgekühlt werden. Apropos Wasser: Auch bei Aquarien und Gartenteichen sollte man die Temperatur im Auge behalten, da sich bei Hitze schneller Algen bilden und ausbreiten können.

Rückzug in den Schatten

Ebenso entscheidend ist, dass die Tiere im Sommer die Möglichkeit haben müssen, sich in den Schatten zurückzuziehen. Das gilt für Pferde auf der Weide ebenso wie für die Hunde im Garten oder das Meerschweinchen in den Wohnung. Dauerhafte direkte Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden. Sollten Tiere bei hohen Temperaturen im Auto transportiert werden müssen, empfehlen sich regelmäßige Pausen und erhöhte Aufmerksamkeit. Keinesfalls dürfen sie im aufgeheizten Fahrzeug allein gelassen werden.

Empfohlen wird auch, die täglichen Aktivitäten den herrschenden Temperaturen anzupassen. Tierärzte raten beispielsweise dazu, den Hundespaziergang in die frühen Morgenstunden oder den Abend zu verlegen. Ein weiterer Tipp: Waldwege bieten derzeit bessere Voraussetzungen als asphaltierte Strecken. Die können bei längerer Sonneneinstrahlung zudem für Tierpfoten zu heiß werden. Im Zweifel selber mit der Hand testen.

Fazit: Der Selbsterhaltungstrieb schützt die meisten Tiere davor, bei Hitze Schaden zu nehmen. Es sei denn, der Mensch hindert sie daran.

Hitze-Strategien von Wildtieren

Der Nabu informiert in diesen Tagen über die Hitzestrategien in freier Wildbahn.

Bei Vögeln ist zu beobachten, dass sie der Hitze zum Trotz mitten im Sonnenlicht stehen oder liegen. Drosseln verharren beispielsweise minutenlang regungslos auf einer Stelle und genießen scheinbar einfach die Sonne. Andere Vogelarten wie der Zaunkönig legen sich dazu sogar platt auf den Boden und breiten weit die Flügel und den Schwanz aus. Doch statt sich zu bräunen, bekämpfen die Tiere auf diese Weise im Federkleid vorhandene Parasiten.

Zudem nutzen Vögel Luftströmung für die Abkühlung. Wärme wird über ungefiederte Körperpartien am Kopf, Flügeln oder Beinen abgegeben. Weitere Strategien der Vogelwelt: Wasservögel stellen sich ins Wasser, Amseln und Rabenkrähen wenden das sogenannte Kehlsackhecheln an und der Storch benutzt flüssigen Kot als Sonnenschutz an seinen Beinen. Das darin enthaltene Wasser entzieht beim Verdunsten dem Körper Wärme.

Da die meisten Tiere nicht über Schweißdrüsen verfügen, müssen sie alternative Methoden nutzen. Füchse beispielsweise hecheln, wie man es von Hunden kennt. Schwarzwild suhle sich in feuchten Gruben, Hirsche nähmen ein Bad in Gewässern und Rehe meiden Sonne und Bewegung und suchen Abkühlung im schattigen Wald, so der Nabu. Auch der Feldhase ruhe bei starker Hitze, könne über seine Löffelohren aber zusätzlich überschüssige Körperwärme an die Umgebung abgeben.

Aber auch Wildtieren kann der Mensch helfen, die heißen Tage leichter zu überstehen: Der Nabu empfiehlt, zusätzliches Wasserangebot zu schaffen und Schattenplätze im naturnahen Garten einzurichten. „Steinwüsten bieten keinen Sonnenschutz und heizen sich zudem stärker auf.“

Von Markus Scharf