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Göttingen Geschenke umtauschen – aber richtig
Die Region Göttingen Geschenke umtauschen – aber richtig
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08:00 27.12.2018
Hübsche Verpackung – unschöner Inhalt? Ob ein Geschenk umgetauscht werden kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig.
Hübsche Verpackung – unschöner Inhalt? Ob ein Geschenk umgetauscht werden kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Quelle: dpa
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Göttingen / Landkreise

Das Weihnachtsfest ist vorbei – und die Zeit „zwischen den Jahren“ wird gern genutzt, um unliebsame Geschenke umzutauschen. Doch was ist dabei zu beachten? Lassen sich die geschmacklose Krawatte oder das unangenehm duftende Parfüm einfach so im Laden zurückgeben? Und was ist eigentlich mit Geschenken, die auf dem Weihnachtsmarkt gekauft wurden?

„Auf Weihnachtsmärkten gibt es im Regelfall kein 14-tägiges Widerrufsrecht, anders als im Onlinehandel“, sagt Sascha Nuß, Rechtsbetreuer bei der R + V Versicherung. Heißt also: Gefällt dem Käufer die Ware später nicht mehr, kann er sie unter Umständen nicht zurückgeben. Das hängt in diesem Fall von der Kulanz des Verkäufers ab. Anders sieht es aus, wenn die Ware Mängel aufweist: Dann haben Käufer – wie überall – ein Gewährleistungsrecht, das mit dem Kauf beginnt und für Neuware in der Regel zwei Jahre gilt. Aber: „Bei einer Reklamation ist es notwendig, den Kauf nachzuweisen. Das geht am besten mit einem Kassenzettel oder einer Quittung“, erklärt Nuß. Wenn der Mangel erst nach dem Ende des Weihnachtsmarktes auffällt, steht der Händler immer noch in der Pflicht. Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen Mangel möglichst direkt zu reklamieren, am besten innerhalb der ersten sechs Monate. Denn ich dieser Frist muss der Verkäufer bei einem sogenannten Verbrauchsgüterkauf nachweisen, dass die Ware beim Kauf in Ordnung war. Die Originalverpackung ist für eine Reklamation nicht unbedingt erforderlich.

Besonderheiten bei bestimmten Produktgruppen

All diese Regeln gelten im Prinzip genauso für den stationären Handel. Ob ein Händler vor Ort eine fehlerfreie Ware zurücknimmt, ist ihm überlassen – er darf auch selbst die Regeln für eine Rücknahme festlegen. So kann er einen Umtausch ganz ablehnen, statt Bargeld einen Gutschein herausgeben oder die Ware direkt gegen andere Ware tauschen. „Grundsätzlich ist es natürlich immer hilfreich, dieses direkt im Vorfeld mit dem Händler zu klären, denn auch in einer immer digitaleren Welt ist das miteinander Reden immer noch sehr nützlich“, sagt Alexander Grosse, Vorsitzender des Kreisverbands Göttingen im Handelsverband Hannover. Parfum oder versiegelte Produkte wie CDs, Blu-Rays oder Videospiele werden üblicherweise nur umgetauscht, wenn die Verpackung ungeöffnet und unbeschädigt ist. Bestimmte Produktgruppen (etwa Unterwäsche) werden häufig aus Hygienegründen generell vom Umtausch ausgeschlossen, bei Kleidung wird meist das Originaletikett erwartet. Hilfreich ist in jedem Fall „der Kassenbon oder ein ähnlicher Zahlungsbeleg. Ohne diesen kann der Händler den Umtausch verweigern“, weiß Grosse.

Alternativen: Tauschen, verkaufen, verschenken

Wer sein Weihnachtsgeschenk nicht umtauschen kann oder will, hat reichlich andere Möglichkeiten, es sinnvoll loszuwerden: Neben den einschlägigen Online-Plattformen wie Ebay, Ebay Kleinanzeigen oder Shpock bieten vor allem soziale Netzwerke wie Facebook jede Menge Gelegenheiten, nicht benötigte Waren feilzubieten. Das Ganze funktioniert oft am besten über lokalisierte Tausch- und Verkaufs-Gruppen. Wer anderen eine Freude machen will, kann sein Präsent auch einfach weiterverschenken – zum Beispiel über Facebook-Gruppen wie „Göttingen verschenkt, gibt und teilt!“. Wohltätige Einrichtungen in Stadt und Landkreis freuen sich oft auch über Sachspenden.

Andere Regeln gelten für Einkäufe, die über das Internet getätigt wurden: Hier gilt – bei gewerblichen Händlern – ein allgemeines Rückgaberecht von 14 Tagen. Wer davon Gebrauch machen möchte, muss dies fristgerecht durch einen Widerruf erklären. Eine Angabe von Gründen ist hierfür nicht erforderlich. Die Kosten für die Rücksendung muss der Online-Händler allerdings nicht erstatten. „Vor dem Hintergrund des immer höher werdenden Paketvolumens auf unseren Straßen und des damit verbundenen Verkehrschaos und erhöhten CO²-Ausstoßes sollte der Endkunde die Option des unnötigen Hin- und Hersendens mit Bedacht nutzen“, findet Grosse.

Der Trend geht zum Gutschein

Der Handelsverband Hannover hat derweil einen neuen Trend beobachtet: „Die zunehmende Zahl an Gutscheinen und Bargeld führt zu einer sinkenden Umtauschquote“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Mittlerweile werden demnach über alle Sortimente hinweg in der Regel weniger als fünf Prozent der Geschenke umgetauscht. „Nur bei den Spielwaren tauschen Kunden etwas häufiger um“, erklärt der Verband. Schätzungen zufolge haben die Einzelhändler in Deutschland im November und Dezember 2018 rund drei Milliarden Euro Umsatz mit dem Verkauf von Gutscheinen erzielt. Für deren Einlösung gibt es übrigens ebenfalls klare Regeln: „Die Gutscheine gelten, wenn sie nicht ausdrücklich befristet sind, drei Jahre ab Ende des Jahres, in dem der Gutschein gekauft wurde. Das heißt für dieses Weihnachtsgeschäft: Unbefristete Gutscheine gelten bis zum 31. Dezember 2021.“

Von Markus Riese / r