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Göttingen Tod für Mord an Niedringhaus
Die Region Göttingen Tod für Mord an Niedringhaus
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19:13 24.07.2014
Von Matthias Heinzel
Anja Niedringhaus Quelle: dpa
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Kabul/Göttingen

Für seine Schüsse auf Niedringhaus’ Kollegin Kathy Gannon erhielt er vier Monate.

Der Mann, dessen Name mit Naqibullah angegeben wird, hat zwei Wochen Zeit, Revision einzulegen. Sollte es endgültig zu einem Todesurteil kommen, muss Afghanistans Präsident die Exekution schriftlich bestätigen.

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Der Anwalt des angeklagten Polizeikommandeurs erklärte vor Gericht, sein Mandant habe psychische Probleme. „Sein Verbrechen ist erwiesen“, erklärte hingegen der stellvertretende Provinzgouverneur Abdul Wahed Pathan. „Es gibt keinen Grund, ihn freizulassen.“

„Allahu Akbar“

Niedringhaus war am 4. April dieses Jahres unter dem Schutz afghanischer Sicherheitskräfte zusammen mit Gannon in der Provinz Khost unterwegs, um über die Wahl am folgenden Wochenende zu berichten. An einem Polizeiposten in einem Dorf unweit der Stadt Khost trat dessen lokaler Kommandeur auf den Mietwagen der beiden Journalistinnen zu und feuerte unter dem Ruf „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) mit einer Kalashnikov auf die Rücksitzbank des Wagens.

Niedringhaus starb sofort, ihre 61-jährige Kollegin wurde von drei Kugeln getroffen und überlebte schwer verletzt. Der Schütze wurde umgehend festgenommen. Danach erklärte der Polizeichef der Provinz Khost, der 25-Jährige habe den Tod von Familienmitgliedern bei einem Nato-Angriff rächen wollen.

Ihre journalistische Karriere hatte die 1965 in Höxter geborene Niedringhaus mit 16 Jahren in ihrer Geburtstadt bei der Neuen Westfälischen Zeitung begonnen. Später studierte sie in Göttingen und schrieb und fotografierte von 1986 bis 1990 fürs Tageblatt. Damalige Kollegen erinnern sich an „Anie“, so ihr Kürzel, als an eine sehr lebhafte, den Menschen zugewandte Person. Später fotografierte sie für mehrere Agenturen, vor allem in Kriegs- und Krisengebieten.