Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Tötungsdelikt in Lindau: Angeklagter habe nach Bluttat „in keinster Weise betroffen“ gewirkt
Die Region Göttingen Tötungsdelikt in Lindau: Angeklagter habe nach Bluttat „in keinster Weise betroffen“ gewirkt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:16 15.01.2020
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Betreiber einer Hotelpension vor, mit einem Küchenmesser zunächst auf die Zeugin eingestochen und diese schwer verletzt zu haben. Quelle: Volker Hartmann/dpa
Anzeige
Göttingen/Katlenburg-Lindau

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 60-jährigen Frau in Katlenburg-Lindau haben am Mittwoch vor dem Landgericht Göttingen zwei Polizisten und eine Freundin des Opfers ausgesagt. Die heute 60 Jahre alte Frau aus Lindau war im vergangenen Juli nicht nur Zeugin der Bluttat, sondern auch selbst Opfer einer Messerattacke des 55-jährigen Angeklagten geworden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Betreiber einer Hotelpension vor, mit einem Küchenmesser zunächst auf die Zeugin eingestochen und diese schwer verletzt zu haben. Danach habe er seine 60-jährige Lebensgefährtin, die sich von ihm trennen wollte, durch neun mit voller Wucht ausgeführte Messerstiche in den Rumpfbereich getötet. Der 55-Jährige muss sich deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung und Totschlags verantworten.

Angeklagter rief selbst die Polizei

Der Angeklagte hatte damals selbst die Polizei angerufen und mitgeteilt, dass er seine Partnerin niedergestochen habe. Als erstes traf eine Polizeistreife am Tatort ein. Die Beamten fanden vor dem Hauseingang eine Frau vor, die eine blutende Wunde am rechten Oberarm hatte und bereits von anderen Zeugen betreut wurde.

Da die Haustür versperrt war, habe ein Nachbar angeboten, dass sie über dessen Grundstück auf den Hinterhof der Pension gelangen könnten, berichteten die Polizisten. Sie seien dann durch die Hintertür ins Haus gekommen. Direkt hinter der Tür habe eine Frau in einer Blutlache gelegen, es seien keine Lebenszeichen mehr feststellbar gewesen. Der 55-Jährige habe sich in der Küche befunden, wo er sich widerstandslos festnehmen ließ.

Als „Dreckbratze“ bezeichnet

„Ich hatte den Eindruck, dass ihm absolut bewusst war, was er da getan hat“, sagte einer der beiden Polizisten. Der Angeklagte habe sehr ruhig und kontrolliert gewirkt. Auch seine Kollegin hatte den Eindruck, dass der Festgenommene sich „absolut darüber im Klaren war, dass er gerade einen Menschen umgebracht hat.“ Der 55-Jährige habe „in keinster Weise betroffen“ gewirkt und „wie ein Wasserfall“ geredet. Er habe unter anderem gesagt, dass es wegen der Trennung Streit gegeben habe. Seine Ex-Partnerin habe den „Tod verdient“, weil sie ihn „um 120 000 Euro beschissen“ habe. Er fühle sich betrogen und stehe vor einem Scherbenhaufen. Der 55-Jährige habe sich auch zu der verletzten Frau geäußert. Er habe sie als „Dreckbratze“ bezeichnet, die ihn provoziert habe.

Tötungsdelikt in Lindau

Die 60-Jährige, die bei der Messerattacke erheblich verletzt wurde, bis heute körperlich stark beeinträchtigt ist und unter ständigen Schmerzen leidet, brach bei ihrer Zeugenvernehmung mehrfach in Schluchzen aus. Sie hatte die Ex-Partnerin des Angeklagten erst eine Woche vor der Tat kennengelernt. Eine Bekannte habe ihr erzählt, dass sich die 60-Jährige von ihrem Freund trennen wolle und Hilfe brauche, um ihre Sachen aus dem Haus zu tragen. Sie habe sich bereit erklärt, die ihr bis dahin völlig unbekannte Frau zu unterstützen. Diese habe sich dann bei ihr gemeldet, und sie hätten sich auf Anhieb „super gut“ verstanden.

Mehrmals auf den Angeklagten getroffen

An den folgenden Tagen sei sie dann gemeinsam mit der 60-Jährigen zu der Pension gegangen, um nach und nach deren persönliche Sachen abzuholen. Dort seien sie stets auf den 55-Jährigen getroffen, der dann „Terror gemacht“ habe: „Er ist jedes Mal ausgerastet, hat geschrien und ist hysterisch geworden.“ Einmal habe er ihnen den Zugang verwehrt. Die Polizei habe ihm dann aber klar gemacht, dass er sie in das Haus lassen müsse.

Der Angeklagte habe nicht gewollt, dass jemand seiner Ex-Partnerin helfe, meinte die Zeugin. „Sie sollte da bleiben und ihr Geld da lassen. Außerdem brauchte er sie als billige Arbeitskraft.“ Die 60-Jährige habe ihr erzählt, dass er immer nur Schulden gehabt habe. Trotzdem habe er ständig Anschaffungen getätigt, zum Beispiel eine Weihnachtspyramide für mehr als 10 000 Euro. Etwa zwei Wochen vor der Bluttat habe er seine Ex-Partnerin schon einmal attackiert. Er habe sie gepackt, zu Boden gedrückt und gewürgt. Diese habe dann die Polizei gerufen, der Angeklagte habe sich ihr danach zehn Tage lang nicht nähern dürfen.

„Wie ein Jagdhund hin und her gelaufen“

Am Tattag hätten sie erneut einige Sachen geholt und seien dann noch einmal in die Pension gegangen, um ein Programm vom Laptop zu überspielen. Der Angeklagte sei „wie ein Jagdhund hin und her gelaufen“, sagte die Zeugin. Plötzlich habe er mit einer leeren Bierkiste erst auf den Laptop eingedroschen und dann auf sie, so dass sie gegen die Heizung prallte. Sie habe dann nach ihm getreten. Kurze Zeit später habe er mit einem großen Messer in der Hand vor ihr gestanden und mit den Worten „Du gehst mir auf die Nerven“ auf sie eingestochen. Ihre Freundin habe sich dann zwischen sie gestellt. Während sie aus dem Haus lief, um Hilfe zu holen, habe sie noch gesehen, wie der Angeklagte auf die 60-Jährige einstach.

Von Heidi Niemann

Der Weg ist frei für den Bau des größten Drehstrom-Leitungsbauprojekts in Deutschland: Die Stromtrasse Wahle–Mecklar kann gebaut werden. Die Beschlüsse liegen vor. Die 380.000-Volt-Leitung führt auch über Hardegsen und Göttingen zur Landesgrenze nach Hessen.

15.01.2020

Wir fahren nach Berlin: Zusammen mit neun weiteren niedersächsischen Fleischereibetrieben ist Börner-Eisenacher aus Göttingen erstmals auf der Grünen Woche vertreten. Dort will man ein Zeichen für Familienbetriebe setzen.

15.01.2020

Während der Jahreshauptversammlung blickten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Esebeck auf das vergangene Jahr zurück. Erstmals tagten sie im neuen Feuerwehrhaus.

15.01.2020