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Göttingen Tote Winkel ausgetrickst: Göttinger Trixi-Spiegel retten Leben
Die Region Göttingen Tote Winkel ausgetrickst: Göttinger Trixi-Spiegel retten Leben
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16:52 09.07.2019
An der Ecke Wiesenstraße und Rosdorfer Weg hat die Stadt Göttingen bereits Trixi-Spiegel montiert. Sie sollen vor allem Radfahrer schützen. Quelle: Norma Levin
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Göttingen

Sie sollen Leben retten, und sie scheinen zu funktionieren. Vor drei Monaten hat die Stadt Göttingen an gefährlichen Kreuzungen die ersten Trixi-Spiegel montiert. Jetzt ziehen weitere niedersächsische Städte wie Oldenburg nach. Eine erste Zwischenbilanz.

Das Prinzip der Konvexspiegel ist simpel: Sie hängen relativ hoch vor einer Abbiegespur, neben der auch ein Radweg verläuft. Beim Blick in den Spiegel haben Lkw- und Busfahrer darin einen deutlich erweiterten (Rück)Blick auf den Radweg. Sie können auch Radfahrer sehen, die ihr eigener Spiegel nicht erfasst.

Bald sind sieben Kreuzungen sicher

Denn ist der Grund für die Aktion: Häufig übersehen Lkw- und Busfahrer Radfahrer und Fußgänger, wenn sie an einer Kreuzung nach rechts abbiegen. Die Folge: schwere Unfälle, oft mit tödlichen Verletzungen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Göttingen in den zurückliegenden drei Monaten bereits an drei Kreuzungen Trixi-Spiegel montiert: Godehardstraße/Hildebrandstraße, Rosdorfer Weg/Wiesenstraße und Rosdorfer Weg/Brauweg. In den nächsten Tagen sollen vier weitere Standorte folgen: Reinhäuser Landstraße/Danzigerstraße, Reinhäuser Landstraße/Stettiner Straße, Reinhäuser Landstraße/Kiesseestraße und Robert-Koch-Straße/Zimmermannstraße.

Sie gelten Unfallschwerpunkte, erklärt Verwaltungssprecher Dominik Kimyon zur Auswahl der Kreuzungen und ergänzt, dass auch darüber hinaus Kreuzungen mit den Spiegeln ausgestattet werden sollen. Ob und wie gut die bereits installierten Spiegel wirken, könne aber nur bedingt gesagt werden. Die Kreuzungen würden nicht dauerhaft mit Kameras oder ähnlicher Technik beobachtet. Aber immerhin: „Seit der Installation der Trixi-Spiegel am Rosdorfer Weg liegen uns keine Informationen über etwaige Unfälle vor.“

Idee schon 25 Jahre alt

Neu sind die Trixi-Spiegel nicht. Erfunden wurden sie 1994 von Ulrich Willburger, dessen damals zwölfjährige Tochter Beatrix von einem abbiegenden Betonmischer überrollt wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt.

Als erste Stadt in Deutschland rüstete Freiburg im Breisgau vor zehn Jahren Kreuzungen mit den Spiegeln aus und zog danach ein positives Fazit. Die Zahl der Radunfälle mit abbiegenden Lkw ging zurück und 90 Prozent der Lkw- und Busfahrer beurteilten die Spiegel positiv. Auch Münster gehört zu den Vorreitern.

In Niedersachsen hat Osnabrück vor rund fünf Jahren die meisten Kreuzungen mit Trixi-Spiegeln ausgestattet. Neben Göttingen hat jetzt auch Oldenburg nachgezogen.

Dieser Schutz ist vergleichsweise günstig zu haben. 4600 Euro zahlt die Stadt Göttingen nach eigenen Angaben für die Spiegel-Montage an den ersten sieben Kreuzungen.

Kritiker sehen „nur begrenzt Hilfe“

Das Projekt ist allerdings nicht unumstritten. Trixi-Spiegel böten nur begrenzt Hilfe, weil der Lastwagenfahrer dort einen Radler nur wahrnehmen könne, solange er noch nicht an der Ampel vorbeigelenkt habe, warnte die Sprecherin des niedersächsischen Verkehrsministeriums, Laura Gosciejewicz.

Das Ministerium setze sich daher auf allen Ebenen massiv für sogenannte Abbiege-Assistenten in Nutzfahrzeugen ein: und das verpflichtend als Standardausrüstung. Ab 2022 erst werden sie in Neufahrzeugen in der EU Pflicht. Die Landesverkehrswacht sieht das genau so: „Wir können zur Erfahrung mit den Spiegeln nichts sagen“, meinte eine Sprecherin. Das A und O sei der Abbiege-Assistent, der in jeden Lkw gehöre.

In Oldenburg wird zurzeit das Warnsystem "Bike-Flash" getestet. Quelle: dpa

Unterdessen wird in Garbsen bei Hannover seit Ende November deutschlandweit einmalig ein neuartiges Schutzsystem getestet: der Bike Flash. Das Gerät registriert an Kreuzungen Radfahrer und Fußgänger mithilfe von Wärme-Sensoren und warnt Lkw-Fahrer dann durch Blinklichter.

So erreichen Sie den Autor: Tel.: 0551/901731, Mail: u.schubert@goettinger-tageblatt.de; Twitter: @goeschubi, Facebook: Goeschubi GT

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