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Göttingen Totschlag am Hagenweg: Muss Angeklagter in Psychiatrie?
Die Region Göttingen Totschlag am Hagenweg: Muss Angeklagter in Psychiatrie?
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17:00 26.03.2019
In einer Appartement-Anlage am Hagenweg ist vor zehn Monaten ein 18-jähriger Sudanese erstochen worden. Quelle: Heller
Göttingen

Knapp zehn Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 28-jährigen Sudanesen in einer Appartement-Anlage am Hagenweg in Göttingen neigt sich der Totschlagsprozess vor dem Landgericht Göttingen dem Ende zu. Am Dienstag hielten die Verfahrensbeteiligten ihre Plädoyers. Die Staatsanwaltschaft hält es nach Abschluss der mehrmonatigen Beweisaufnahme für erwiesen, dass der 31-jährige Beschuldigte Anfang Juni vergangenen Jahres seinen Wohnungsnachbarn mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt hat. Der aus Eritrea stammende Beschuldigte sei zur Tatzeit aufgrund einer wahnhaften Störung schuldunfähig gewesen. Da aufgrund seiner psychotischen Erkrankung weitere erhebliche Taten zu erwarten seien, müsse er dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

Die Verteidigung wies den Antrag in dem so genannten Sicherungsverfahren zurück. Man habe in dem Prozess nicht aufklären können, was im Einzelnen geschehen sei. Es lasse sich nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, dass der 31-Jährige den Wohnungsnachbarn getötet habe. Vielmehr sei davon auszugehen, dass das Opfer seinen Mandanten angegriffen habe.

Seit 2016 in Deutschland

Sowohl das Opfer als auch der Beschuldigte waren Ende 2016 über Italien nach Deutschland gekommen und dann in Göttingen gelandet. Dort kamen sie in einem auch als Asylbewerberunterkunft genutzten Gebäudekomplex im Hagenweg unter. Beide hätten auf der gleichen Etage gewohnt, sagte die Staatsanwältin. Zunächst habe der Beschuldigte Kontakt zu anderen dort untergebrachten Landsleuten aus dem Sudan gehabt und sei mit ihnen teilweise auch befreundet gewesen.

In der Folgezeit habe sich sein Verhalten verändert. Der 31-Jährige habe sich immer mehr zurückgezogen, mehrfach sei es zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen gekommen. Der 31-Jährige habe seinen Landsleuten vorgeworfen, dass sie Gerüchte über ihn verbreitet und ihn als homosexuell bezeichnet hätten, was in ihrem Kulturkreis als etwas Schlimmes gelte. Er habe zudem behauptet, dass sie nachts in seine Wohnung eingedrungen seien und ihn missbraucht hätten. Der 31-Jährige erstattete deshalb auch eine Strafanzeige bei der Polizei, wo er angab, Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden zu sein. Später räumte er ein, dass dies eine Lüge gewesen sei und er sich nur an seinen Landsleuten habe rächen wollen. Nach der Strafanzeige hätten seine Kontakte weiter abgenommen und die Ängste zugenommen, sagte die Staatsanwältin.

Sieben Messerstiche

Neun Monate später kam es zu dem Tötungsdelikt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft griff der Beschuldigte den 28-Jährigen mit einem Messer an, als dieser spätabends von einer Feier zum Fastenbrechen zurückkehrte. Der 31-Jährige habe in Tötungsabsicht siebenmal auf seinen Hausnachbarn eingestochen und dabei unter anderem die linke Herzkammer durchstochen und eine Rippe durchtrennt. Der Schwerverletzte schleppte sich noch von der zweiten Etage ins Erdgeschoss, wo er auf dem Treppenabsatz zusammenbrach. Mitbewohner entdeckten ihn dort und alarmierten die Rettungsdienste. Trotz sofortiger notärztlicher Behandlung verstarb der 28-Jährige noch am Tatort.

Der 31-Jährige war nach der Messerattacke aus dem Haus geflüchtet und hatte sich zu einer Polizeistation begeben. Dort gab er an, dass der 28-Jährige ihn angegriffen habe und er deshalb Schutz und Hilfe suche. Wenig später klickten bei ihm die Handschellen. Das Opfer hatte vor seinem Tod noch den Namen des mutmaßlichen Angreifers genannt. Nach seiner Festnahme saß der 31-Jährige zunächst rund drei Monate in der JVA Rosdorf in Untersuchungshaft. Im September hob das Amtsgericht den Haftbefehl auf und ordnete die einstweilige Unterbringung in der Psychiatrie an. Dort soll er nach dem Willen der Staatsanwaltschaft bleiben, da er nach Ansicht eines psychiatrischen Gutachters unter einer andauernden krankhaften seelischen Störung leidet.

Der 31-Jährige bestritt bis zuletzt die Vorwürfe. Er habe den 28-Jährigen nicht angegriffen und nicht getötet, sagte er. Das Gericht will seine Entscheidung in der kommenden Woche verkünden.

Von Heidi Niemann

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