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Göttingen Transplantationsmediziner Aiman O. schwer belastet
Die Region Göttingen Transplantationsmediziner Aiman O. schwer belastet
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20:32 29.10.2013
Von Jürgen Gückel
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Göttingen

Beide haben die Akten des nach zwei Lebertransplantationen mit 55 Jahren verstorbenen Patienten Hans H. (Name geändert) durchforstet und nach Gründen gesucht, warum der angeklagte Göttinger Oberarzt dem Patienten H. eine neue Leber implantiert hat.

Welchen Grund gab es also, die Indikation für eine Transplantation zu stellen, obwohl der Patient ausweislich der Akten beschwerdefrei war? Hypothese um Hypothese haben die Sachverständigen untersucht und festgestellt: Die Patientenakten enthalten keinen Grund für die Indikation. Beide zählten auf, unter welchen Voraussetzung eine Transplantation gerechtfertigt gewesen wäre. Nichts davon fanden sie.Und sie urteilen: „All das lag nicht vor.“

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Ohne Transplantation bessere Chancen

Damit belasten der Niederländer Xavier Rogiers, Direktor einer Transplantationsklinik in Gent, und Wolf Bechstein, Chef an der Goethe-Universitätsklinik in Frankfurt, beides Professoren und aktive Transplantationsmediziner mit hunderten von Operationen, den Kollegen in diesem Fall schwer. Rogiers sagte nach Studium der Akten aus: „Die Chancen (des Patienten) wären besser gewesen ohne Transplantation.“ Und Bechstein bestätigte: Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Indikation zur Transplantation gegeben.

Beide Experten zitierten Studien. In einer davon heißt es: „Über eine Lebertransplantation soll nur nachgedacht werden, wenn Komplikationen der Leberzirrhose-Lage vorliegen.“ Durch die Akten aber ziehe sich die vielfache Feststellung, dass der Patient keine Beschwerden gehabt habe. Trotzdem hatte der Angeklagte den 55-Jährigen am 1. Oktober 2011 die Leber eines 74-Jährigen eingesetzt. An den Folgen und nach einer Retransplantation war der Mann sieben Monate später gestorben.

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