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Göttingen Trassenverlauf durch Göttingen: Netzbetreiber Tennet stellt neue Pläne vor
Die Region Göttingen Trassenverlauf durch Göttingen: Netzbetreiber Tennet stellt neue Pläne vor
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00:17 31.08.2013
Von Michael Brakemeier
Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Groß Ellerhausen

Bei einer Infoveranstaltung am Mittwoch haben Tennet-Mitarbeiter die Pläne vorgestellt. Rund 180 Grundstückseigentümer in Göttingen und im Norden Rosdorfs wären von der neuen Variante betroffen.

„Wir haben Verbesserungsvorschläge aus der Bevölkerung geprüft“, sagte Projektsprecherin Antje Knollmann. Die Prüfungen, bei denen man „objektive Kriterien“ zu Grunde gelegt habe und „klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen“ gefolgt sei, hätten ergeben, dass im Bereich westlich von Elliehausen auch eine Freileitung möglich sei.

Vor allem Landwirte fürchteten hier eine Verschlechterung der Böden durch ein Erdkabel. Auch Udo Curdt und Herbert Pape vom Rosdorfer Realverband Feldmark waren gestern skeptisch: Statt die Trasse im Gebiet ihrer Felder unterirdisch entlang der ICE-Linie zu verlegen, schlagen sie vor, dass die Starkstromleitung die Bahnlinie zweimal oberirdisch kreuzt.

Erneut „hart“ verhandeln

Nach Knollmanns Angaben belaufen sich die Kosten auf ein Kilometer Erdkabel zwischen fünf und sechs Millionen Euro. Ein Kilometer Freileitung koste rund 1,4 Millionen Euro.

Die neuen Tennet-Pläne haben die Stadtverwaltung verärgert. Diese setzt weiter auf eine komplett unterirdische Trassenleitung auf Stadtgebiet. Der Stadt erschließe sich in keiner Weise, welche neuen Erkenntnisse eine Abweichung von der landesplanerischen Feststellung rechtfertigen könnten, hatte Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) jüngst erklärt.

Stadtbaurat Thomas Dienberg kündigte am Mittwoch an, erneut „hart“ mit Tennet verhandeln zu müssen. Er schloss nicht aus, dass die Stadt Rechtsmittel einlegen werde, sollte keine Einigung erzielt werden. Das Planfeststellungsverfahren soll im Frühjahr 2014 eröffnet werden.

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„Hast du eine Trasse, hast du alle Trassen“

Hardegsen. Im Raum Gladebeck favorisiert Tennet den westlich an Gladebeck und Harste vorbeiführenden Trassenverlauf. Eine Reihe von Menschen aus dem Bereich nutzten den Bürgermarkt des Stromversorgers auf dem Goseplack, um sich über das Vorhaben zu informieren.

Geschlossen kamen an die 40 Gladebecker, um ihren Unmut auszudrücken.

Eine 110-kV-Leitung dort, gut 100 Meter entfernt von Gladebeck, müsse ohnehin aufgerüstet werden, erläuterte das Team von Tennet. Im Rahmen dieser Arbeiten werde die Leitung in mehr als 300 Metern Entfernung vom Dorf neu aufgebaut.

Auf dieser Trasse soll nun auch die 380-kV-Leitung geführt werden. An den rund 60 Meter hohen Masten könne die 110-kV-Leitung in geringerer Höhe angehängt werden. Das sei verträglicher für Natur und Umwelt, sagt das Unternehmen.

Gegen den Bau der westlichen Trasse hatten gut 60 Gladebecker schon im März die Bürgerinitiative (BI) „Mensch und Milan“ gegründet. Der Vorzug für diese Trasse sei rein wirtschaftlich begründet. Die BI sei für den östlichen Verlauf, unterstrich Sprecherin Petra Bludau gegenüber dem Tageblatt.

„Eigentlich wollen wir das Erdkabel“, betonte sie. Denn keine Studie widerlege die Befürchtung, dass die Strahlung von einer Höchstspannungsleitung für Menschen ein gesundheitliches Risiko berge. 95 Prozent der Gladebecker würden näher an der Trasse im Westen des Dorfes leben.

Die Leitungen könnten doch auch entlang der Osttrasse geführt werden, schlägt Bludau vor. Im Westen durchschneide die Trasse das Naherholungsgebiet am Gladeberg. Hausbesitzer müssten einen Wertverlust ihres Anwesens hinnehmen.

„Hast du eine Trasse, hast du alle Trassen“, gab die BI-Sprecherin auch der Befürchtung Ausdruck, dass die Bundesnetzagentur für weitere Stromleitungen den Weg der vorhandenen Leitungen wählen könnte.

Von Ute Lawrenz