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Die Region Göttingen Das sagen Göttinger Geistliche zur Trauung für alle
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11:11 27.05.2019
Die evangelische Landeskirche Hannovers hat den Weg für eine gleichgeschlechtliche kirchliche Trauung geebnet. Quelle: dpa
Göttingen

 Homosexuelle Paare dürfen sich zukünftig kirchlich trauen lassen. Die Synode, das Kirchenparlament der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hat diesen Beschluss einstimmig gefasst. Demnach werden gleichgeschlechtliche Paare vor dem Traualtar künftig genauso behandelt wie Paare von Mann und Frau. Damit sind beide Formen der Trauung in Deutschlands größter evangelischer Landeskirche völlig gleichgestellt.

Damit reagiert die Landeskirche auf die Entscheidung des Bundestages zur „Ehe für alle“ vom 20. Juni 2017. Seit 2014 gab es in der Landeskirche bereits öffentliche Gottesdienst zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. In der Praxis unterschieden diese sich allerdings kaum von offiziellen Trauungen. Seit 2002 waren bereits Fürbittandachten üblich. Im Herbst 2017 setzte sich Landesbischof Ralf Meister dafür ein, das evangelische Verständnis der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen.

Entscheidung enorm wichtig

„Gott sei Dank ebnet die Kirche den Weg für gleichgeschlechtliche Paare“, freut sich Christina Abel, Pastorin in Duderstadt. Sie findet die Entscheidung enorm wichtig, denn „der Segen Gottes gilt allen. Mir ist der Glaube wichtig, deswegen finde ich es vollkommen in Ordnung, wenn gleichgeschlechtliche Paare sich zukünftig kirchlich trauen lassen wollen, denn man kann ja niemanden den Segen verweigern“, sagt Abel. Aktuell gibt es keine Anfrage eines Paares, dass sich in Duderstadt trauen lassen möchte. „Bisher hat es sich noch nicht ergeben“, sagt sie.

Christina Abel Quelle: Art

Friedrich Selter, Superintendent in Göttingen, verweist darauf, dass die Landeskirche schon seit mehreren Jahren mit diesem Thema sehr entspannt umginge. „Es gibt eine Reihe von Pastoren und Pastorinnen, die mit ihrem gleichgeschlechtlichen Partner im Pfarrhaus leben. Und der Superintendent des Kirchenkreises Hildesheim ist mit einem Mann verheiratet“, berichtet Selter.

Er weiß, dass es die Christen gibt, die daran Anstoß nehmen. „Sie berufen sich dabei auf Bibelstellen, in denen gleichgeschlechtliche Sexualität strikt abgelehnt wird. Dem halte ich strikt dagegen. Erstens ist eine echte gleichgeschlechtliche Partnerschaft als solche gar nicht im Blick der Bibel. Das hat auch historische Gründe. Und zweitens lautet ein kluger Satz der Bibel (2. Korinther 3, 6, Anm. der Redaktion): „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“ Der „Geist“ aber der biblischen Texte stellt die Liebe Gottes zu allen Menschen und die Verantwortung füreinander in den Mittelpunkt. Letztlich sind in der Gemeinde Jesu Christi Unterschieden von Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung aufgehoben. Darum gilt das Angebot der kirchlichen Trauung, in deren Mittelpunkt der Segen für das Paar steht, allen Menschen, die in Liebe und Verlässlichkeit verbindlich miteinander leben und füreinander Verantwortung übernehmen wollen.“

Grund gibt es nicht

Selter selbst hat in seinem persönlichen Bekanntenkreis auch gleichgeschlechtlich liebende Paare. „Genauso wie bei heterosexuellen Freunden freue ich mich darüber, wenn diese einen Partner gefunden haben, der zu ihnen passt und mit dem sie glücklich sind. Ich wüsste keinen Grund, warum sie nicht auch kirchlich getraut werden sollen“, bekräftigt er.

Friedrich Selter Quelle: r

Im Kirchkreis seinen gelegentlich Anfragen nach der kirchlichen Trauung beziehungsweise Segnung an seine Kollegen gerichtet worden. Selter wurde dann gefragt, ob er dies als Superintendent genehmen würde. „Ich habe dann im Rahmen der Kirchenordnung immer sehr dazu ermutigt, einen Segensgottesdienst zu gestalten, der möglichst nahe an die kirchliche Trauung angelehnt ist. Ich bin froh, dass mich jetzt keine Pastorin und kein Pastor mehr fragen muss, sondern die kirchliche Trauung offiziell in unserer Landeskirche vorgesehen ist“, freut sich der Göttinger Superintendent.

Unterschiedliche Regelungen in den Mitgliedskirchen

Die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ist unter den 20 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterschiedlich geregelt. In sieben Landeskirchen gilt bereits die „Trauung für alle“, darunter Oldenburg, Bremen und die Evangelisch-reformierte Kirche sowie die Kirchen in Hessen. Andere Landeskirchen sehen Segnungen in öffentlichen Gottesdiensten vor. In Württemberg und Schaumburg-Lippe sind Segnungen in nichtöffentlichen Gottesdiensten möglich.

Von Vicki Schwarze

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