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Göttingen Trauungen im Grünen: Lob für Standesbeamte in Göttingen
Die Region Göttingen Trauungen im Grünen: Lob für Standesbeamte in Göttingen
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06:00 05.01.2019
28 Trauungen im Jahr 2018: Der Jérôme-Pavillon auf den Schillerwiesen. Quelle: Archiv (Mischke)
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Göttingen

Dem feierlichen Anlass ebenso angemessen ist der Jérôme-Pavillon auf den Schillerwiesen. Unterhalb des Stadtwalds sind Trauungen von Juni bis September möglich. 28 Paare haben im vergangenen Jahr die Zeremonie im Jérôme-Pavillon gewählt, 508 die Dorntze im Alten Rathaus. Der ehemalige Sitzungsraum ist beheizbar und bietet etwa 35 bis 40 Personen Platz – darüber hinaus wird’s ganz eng, sagt Standesbeamtin Stephanie Menges.

Wunsch nach Trau- als Vorabgesprächen nimmt zu

Entsprechend der Tendenz, dass Paare zunehmend auf kirchliche Trauungen verzichten, und die standesamtlich beurkundete Eheschließung an Bedeutung gewinnt, nehme auch die Zahl der Gäste zu, so Menges. Außerdem wünschen mehr Paare ein Trau- als Vorabgespräch. Dabei wird die oftmals persönliche Geschichte der (meist) Liebenden oder ehemals Verliebten skizziert (vom Kennenlernen bis zum Kniefall, der Heiratsantrag), die Musikauswahl getroffen oder die Entscheidung, wer die Braut vor den Standesbeamten führen darf, gefällt. Da gelegentlich 50 und mehr Personen die Prozedur, die ein Weilchen dauert (maximal 30 Minuten), nicht verpassen wollen und die Fenster auf der Westseite des Rathauses aufgrund ab- und anfahrender Busse geschlossen bleiben, droht bei mehr als 40 Personen dicke Luft, sagt die 52-Jährige.

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Trauung im Grünen: Unterhaltsame Alternative im Sommer

Das Gegenteil könnte auf den Schillerwiesen blühen. Der feierliche Akt wird zwar im Innern des Jérôme-Pavillons vollzogen, doch bis zum Übertreten der Schwelle bringt eine steife Brise von Kopf bis Fuß so manches durcheinander. „Es ist schon einmal vorgekommen, dass es richtig geschüttet und das herrliche weiße Kleid der Braut einen Schmutzrand abbekommen hat“, erinnert sich Menges. Aber das war nur einmal.

Open-Air-Vermählung weiterhin gefragt

Zwölf Gäste können sich außer dem Standesbeamten und dem Paar im Pavillon versammeln. Die anderen lauschen an Tür und Fenstern – Letztere, so Jörg Wulff, werden insbesondere von Fotografen genutzt, da diese von verschieden Seiten Aufnahmen ermöglichen. Das Wetter sei übrigens meist gut, betont der Leiter des Standesamts, und die Open-Air-Vermählung weiterhin gefragt – konstant etwa 25 bis 30 Trauungen pro Jahr. Mitarbeiter stellen zwei mobile Gartenpavillons und vier Bistrotische auf den Rasen, an denen überzählige Gäste während der Zeremonie verweilen und danach alle gemeinsam mit einem Glas Sekt auf das freudige Ereignis anstoßen können. „Für diesen Service haben wir schon das ein oder andere Lob bekommen“, sagt der 59-Jährige; „das machen nicht viele Standesämter“, ergänzt Menges.

Professionelle Distanz

Überraschungen, wie plötzlich auftauchende „Trauzeugen“, gibt es übrigens nicht, so Wulff. Gelegentlich bleiben Spaziergänger neugierig stehen, halten aber auch respektvoll Abstand zum Geschehen. Professionelle Distanz oder gute Miene zum irritierenden Fauxpas sei gefragt, wenn (wie auf den Schillerwiesen geschehen) die Braut entgegen vorheriger Absprache nicht den Nachnamen ihres Gatten, sondern den Doppelnamen annehmen wolle. Der Papierkram vor Ort, inklusive neuer Unterschrift, habe richtig Zeit gekostet, so Wulff. Die Urkunde konnte im Grünen nicht neu ausgestellt werden und sei vom Paar eine Woche später im Neuen Rathaus abgeholt worden.

Eheschließung ist eine ernsthafte Angelegenheit

Im Alten hätten Standesbeamtin Menges einmal fast die Worte gefehlt. „Bei dieser Trauung war nur das Paar anwesend“, so Menges. Als sie den Bräutigam fragte, ob er die Ehe annehmen wolle, habe der tatsächlich geantwortet: „Was bleibt mir anderes übrig?“ Betretenes Schweigen. Noch mehr Ruhe. Die Antwort war nicht legal.

Menges brauchte eine klare Äußerung. „Schließlich hat er deutlich Ja gesagt.“ Das Verhalten des Mannes, selbst wenn er vielleicht einen Jux gemacht haben sollte, so Wulff, sei nicht akzeptabel. Eine Trau- sei keine Trauerveranstaltung, aber unterliege gesetzlichen Vorgaben. „Sie ist letztlich eine ernste Angelegenheit, damit sollte man bitte nicht spaßen.“ 116 Paare haben für dieses Jahr Trauungen beim Standesamt Göttingen angemeldet (Stand: 4. Januar).

Von Stefan Kirchhoff

04.01.2019
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