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Göttingen UMG mit Dachgesellschaft und neuem vierten Vorstand
Die Region Göttingen UMG mit Dachgesellschaft und neuem vierten Vorstand
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18:54 12.06.2019
Teile der UMG Göttingen sollen neu gebaut werden. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Über die Neubauvorhaben der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wird künftig eine Dachgesellschaft wachen. Das hat das zuständige Landesministerium Anfang Juni bekannt gegeben. Der Wissenschaftsausschuss des Landtages berät am 24. Juni über eine Änderung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes. Gegenstand ist auch, dass es künftig einen zusätzlichen, vierten Vorstand an der Spitze der UMG geben kann.

Wenzel befürchtet „Weitere Verzögerungen“.

Die Gründung der Dachgesellschaft stößt auch auf Kritik. So befürchtet der Göttinger Landtagsabgeordnete der Grünen, Stefan Wenzel, eine „weitere Verzögerung” der Neubauvorhaben des Göttinger Klinikums durch diese Dachgesellschaft, die nicht nur für die Göttinger UMG, sondern auch für den Neubau der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zuständig ist. Wenzel geht davon aus, dass dadurch das „Planungs- und Abstimmungsverfahren noch mal komplexer” wird. Mit der noch zu gründenden Bau-GmbH in Göttingen und der Dach GmbH in Hannover seien allein für Göttingen zwei Gesellschaften mit beschränkter Haftung tätig. „Dazu kommen die Stiftung, zwei Ministerien, verschiedene Gremien, der Rechnungshof, der Haushaltsgesetzgeber und die bauausführenden Firmen”, so Wenzel weiter. Wenzel fürchtet, dass die doppelte GmbH-Struktur in Konfliktfällen oder bei unvorhergesehenen Problemen dazu führen könnte, dass der „schwarze Peter“ hin und her geschoben wird und Verantwortlichkeiten für Entscheidungen und Verzögerungen „intransparent” sind.

Andretta: „Kein Bremsklotz“

Anders die SPD: „Mit der neu gegründeten landeseigenen Dachgesellschaft, die als Holding für die Baugesellschaften der UMG und MHH fungiert, beschreiten wir Neuland. Mit dieser Konstruktion soll sichergestellt werden, dass bei den beiden Großbauprojekten Zeitpläne und Kosten nicht aus dem Ruder laufen”, sagt die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete und Landtagspräsidentin, Gabriele Andretta. Die Dachgesellschaft solle steuern und kontrollieren, die operative Umsetzung erfolge aber in eigener Zuständigkeit durch die Baugesellschaft der UMG vor Ort. „Die Verantwortlichkeiten sind somit klar geregelt, das Parlament ist während des gesamten Bauprozesses eingebunden”, sagt sie. Die neue Struktur wird Andrettas Ansicht nach kein Bremsklotz sein, denn Entscheidungen könnten zügig getroffen und Planungsprozesse beschleunigt werden. Andretta weiter: „Ich blicke mit großem Optimismus in die Zukunft”. Der Landtag habe mit dem Sondervermögen die Finanzierung des Neubaus sichergestellt, mit der Dachgesellschaft eine Kontrolle geschaffen und mit dem UMG Vorstand einen starken Partner an der Seite, der schon mehrfach bewiesen habe, dass er bauen kann. „Im kommenden Jahr werden wir den Grundstein für den gemeinsamen Bau von Bettenhaus und OP-Trakt legen. Also alles im Plan,“ sagt die Landtagspräsidentin.

Ehbrecht: „Mehr Planungssicherheit“

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Ehbrecht aus dem Eichsfeld geht davon aus, dass es „eigentlich für Göttingen keinerlei Verzögerungen hier in der Bauplanung und dem damit einhergehenden Baufortschritt geben” soll. Ehbrecht: „Mit der Novelle des Hochschulgesetzes bekommen die Bauvorhaben an der UMG mehr Planungssicherheit“. Am 24. Juni wird sich der Ausschuss für Wissenschaft und Kultur in einer mündlichen Anhörung mit dem Gesetzentwurf beschäftigen. „Es war mir sehr wichtig, dass dabei das Präsidium und der Senat der Universität Göttingen sowie der Vorstand des kooperierenden Klinikums Braunschweig zu Wort kommen können“, sagt er. Nach der Sommerpause werden wir die Anhörung zügig auswerten und Änderungsbedarf erörtern. Ehbrecht: „Die Novelle ist gut für die UMG und gut für den Wissenschafts- und Medizinstandort Göttingen.“

UMG-Vorstand hofft auf „beschleunigte Entscheidungen“.

Für den Vorstand der UMG nennt Pressesprecher Stefan Weller die Zusammenführung der Bauabschnitte 1a (Bettenhaus) und 1b (OP-Neubau) zu einer gemeinsamen Baustufe eine „wegweisende Entscheidung“. Dadurch habe die UMG „unverzüglich“ das Ausschreibungsverfahren für einen Generalunternehmer in die Wege geleitet. „Es befindet sich derzeit in seiner finalen Entscheidungsphase“, so Weller. Auch die eigene Bau-GmbH werde derzeit vorbereitet. Es sei davon auszugehen, dass die gemeinsame Baumaßnahme im Jahr 2020 beginnt und im Jahr 2024 abgeschlossen werden kann. Mit der Gründung der Dach-GmbH, die für die Überwachung der Bauaufgaben der lokalen Bau GmbH der UMG verantwortlich ist, solle eine schnellere Umsetzung der staatlichen Baumaßnahmen erreicht werden soll. Weller: „Der Vorstand der UMG geht davon aus, dass sich diese Reorganisationsmaßnahme des Landes wie beabsichtigt in beschleunigte Entscheidungen und eine schnelle Baumaßnahme übersetzt“.

Hujahn: UMG „in den Startlöchern“

Auch der Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gerd Hujahn hält die Gründung der Dachgesellschaft „grundsätzlich” für den richtigen Schritt. Er befürwortet „die Schaffung geeigneter Projektstrukturen zur Durchführung dieses Mega-Projektes mit einem Volumen von ca 2,1 Milliarden Euro”. Damit könne man Abläufe koordinieren, Finanzen kontrollieren und die Klinik-Neubauten erfolgreich bewältigen. „Die UMG Göttingen ist bereits weit in den Planungen vorangeschritten und steht in den Startlöchern. Verzögerungen wie sie bei der MHH eingetreten sind, sind sicherlich auch dem riesigen Logistikaufwand geschuldet”, so Hujahn. Auch er hofft auf „zeitnahe UMG-Baumaßnahmen ohne weitere Verzögerungen”. Die MHH Hannover hat sich kürzlich erst für einen Neubau-Standort entschieden.

Wenzel bestätigt, dass Göttingen in der Planung des Klinikneubaus bereits einige Jahre weiter ist als die MHH. „Es muss jetzt endlich mit den Bauabschnitten 1a und 1b losgehen. Das Geld für die ersten Bauabschnitte steht seit gut zwei Jahren bereit und die Bausubstanz ist in Teilen sehr dringend sanierungsbedürftig,“ so Wenzel.

UMG begrüßt vierten Vorstandsposten

Der UMG-Vorstand besteht derzeit aus drei Führungskräften. Vorstandsressort eins, mit Vorstandssprecher Heyo Kroemer, ist zuständig für Forschung und Lehre. Zudem gibt es Ressort zwei, Krankenversorgung, mit Leiter Martin Siess und Ressort drei, Wirtschaftsführung und Administration, Leiter ist Sebastian Freytag. Künftig soll das neue Ressort Infrastruktur, dass auch den Baubereich beinhaltet, hinzukommen. Voraussetzung für die Einrichtung eines weiteren Vorstandsressorts für Infrastruktur für die beiden hochschulmedizinischen Standorte in Niedersachsen, UMG und MHH, ist die Gesetzesänderung durch den Niedersächsischen Landtag. Der Vorstand der UMG begrüßt diesen Schritt. Er hält die Einrichtung einer weiteren verantwortlichen Vorstandsposition für die umfassenden und herausfordernden Aufgaben bei den Neubauten, der Umsetzung des baulichen Masterplans sowie des Umbaus der digitalen Infrastruktur an der UMG für die nächsten Jahrzehnte für erforderlich, so Weller. Kroemer wechselt zum 1. September als Chef an die Berliner Charité. Er hatte den Generalentwicklungsplan, der den Neubau des Klinikums bis ins Jahr 2025 beinhaltet, gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen auf den Weg gebracht.

Bauabschnitte 1 a und 1b

Im Mai 2018 gab CDU-Minister Björn Thümler bekannt, dass das Uni-Klinikum als Bauherr die Planungsleistungen für 1B (Neubau Operations-Trakt) gemeinsam mit der Vergabe des Bauvorhabens 1A, dem neuen Bettenhaus, ausschreiben. Hintergrund ist die große räumliche und funktionale Nähe der beiden Bauabschnitte. So sollen nach den Plänen des Klinikums beispielsweise die OP-Kapazitäten im Bauabschnitt 1B auf die Anforderungen der im Bauabschnitt 1A untergebrachten Kliniken und Einrichtungen abgestimmt werden. Die beiden Bauabschnitte sollen deshalb direkt nebeneinander errichtet werden. Die Baufeldvorbereitungen im Süden des Klinikums laufen derzeit nach Angaben der UMG wie geplant.

Weitere Planungen im Masterplan

Nach dem Bettenhaus und dem OP-Neubau sollten ursprünglich dem Masterplan – dem „Generalentwicklungsplan 2.0 – zufolge unter anderem folgende Bauabschnitte folgen: 2019: Abriss Vorstandsgebäude, Bau Parkhaus-Ost. 2020: Bau Verwaltungsgebäude auf jetzigem Mitarbeiter-Parkplatz, Bau Parkhaus West. 2023: Fertigstellung Bettenhaus, Rückbau/Abriss altes Bettenhaus 1. 2014/25: Baubeginn Gebäude Diagnostik und Neurozentrum, Baubeginn Laborgebäude. Inbetriebnahme OP-Zentrum, Eltern-Kind-Zentrum und Hubschrauberlandeplatz. 2026: Baubeginn Lehrgebäude/Zahnzentrum, Abriss altes MRT-Gebäude nach Fertigstellung Diagnostik-Bau. 2027/28: Bau Onkologisches Zentrum, Baubeginn Forschungsgebäude, Inbetriebnahme Diagnostikzentrum. 2034: Beginn Rückbau des zentralen UBFT und Versorgungsgebäude. Baubeginn Tiefgarage unter UBFT.

Von Britta Bielefeld

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