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Göttingen US-Lehrkräfte erkunden die Universitätsstadt
Die Region Göttingen US-Lehrkräfte erkunden die Universitätsstadt
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18:00 18.06.2019
Deutsch-amerikanische Freundschaft am Gänseliesel. 15 Lehrer aus den USA informieren sich in Göttingen über das deutsche Bildungssystem. Quelle: Kuno Mahnkopf
Göttingen

„My dear Krauts: Wie ich die Deutschen entdeckte“ heißt ein Buch von Times-Korrespondent Roger Boyes. Das haben sich auch 15 Lehrerinnen und Lehrer aus allen Teilen der USA, die drei Tage zu Gast in Göttingen sind, auf die Fahne geschrieben. Damit ist die Unistadt erstmals in den Fokus des Goethe-Instituts Washington geraten, das federführend für das sogenannte Transatlantic Outreach Program (TOP) ist. Die Public-Private-Partnership-Initiative des Auswärtigen Amtes, des Goethe-Instituts, der Deutschen Bank, der Robert-Bosch-Stiftung und der Siemens AG verfolgt als zentrales Ziel, Lehrkräften ein zeitgemäßes und differenziertes Deutschlandbild zu vermitteln, sich über Bildungssystem und Arbeitsmarkt auszutauschen.

Letzte Etappe Berlin

In diesem Jahr war der Run auf das Programm besonders groß. 115 Sozialkunde- und MINT-Lehrkräfte aus allen US-Staaten und vier kanadischen Provinzen, von Highschools, Public und Private Schools, Community Colleges und Technischen Hochschulen wurden unter Hunderten von Bewerbern ausgewählt und erkunden in acht Gruppen Deutschland. Pflichtziel für alle Gruppen ist die Gedenkstätte Point Alpha bei Fulda, die den Kalten Krieg inklusive eines US-Camps dokumentiert, letzte Etappe Berlin.

Um Erinnerungskultur ging es auch in Göttingen. Ein Stadtrundgang mit Schwerpunkt auf den an NS-Opfer erinnernden Stolpersteinen und amerikanischen Spuren in Göttingen gehörte ebenso zum Programm wie ein Besuch des Museums und Lagers in Friedland, der Stadtbücherei und der alten Unibibliothek. An der Bonifatiusschule II und der BBS II hospitierten die transatlantischen Gäste im Unterricht. Durch Göttingen wurden sie von Klaus Magnus geführt, der Lehrer an der BBS II gewesen ist und beim Goethe-Institut darauf gedrängt hatte, die Unistadt zu berücksichtigen. Die Liste der US-Amerikaner, die in Göttingen Spuren hinterlassen haben, ist lang, reicht von Benjamin Franklin über Bankier J.P. Morgan bis zum Holocaust-Überlebenden Thomas Buergenthal, der US-Jurist geworden ist. Auch die Söhne von Johann Jakob Astor, der die New Yorker Bücherei gegründet hat, haben in Göttingen studiert.

Teilnahme am Unterricht

Die Teilnehmer der Studienreisen, die sich auch über das duale Ausbildungssystem in Deutschland informierten, sollen das erworbene Wissen in ihre Klassenzimmer und Heimatorte bringen, neue Perspektiven und Best-Practice-Beispiele teilen, sagt Irene Wagner. Beim Goethe-Institut ist die Hamburgerin für das Besucherprogramm zuständig und hat die US-Lehrer in Göttingen gemeinsam mit Jörg Silbermann aus Berlin begleitet . Seit 2002 sind mehr als 1600 Lehrkräfte mit dem TOP nach Deutschland gereist.

Das Projektmotto „Wunderbar together“ hat allerdings in jüngerer Vergangenheit mehr als nur einen Dämpfer erfahren. Auf die Frage nach der Wahrnehmung der deutsch-amerikanischen Beziehungen antwortet Alana Speth aus Virginia, die in Charlottesville an einer christlichen Privatschule unterrichtet: „Alles ist schlechter geworden mit Trump.“ Diese Meinung würden allerdings nicht alle aus der Besuchergruppe teilen, die ebenso heterogen und gespalten ist wie die amerikanische Gesellschaft.

Von Kuno Mahnkopf

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