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Göttingen Elfie Heitmüller aus Lenglern hilft Igeln über den Winter
Die Region Göttingen Elfie Heitmüller aus Lenglern hilft Igeln über den Winter
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18:08 15.10.2013
Von Katharina Klocke
Generaluntersuchung: Bevor Elfie Heitmüller den Jungigel aufpäppelt, wird er Tierärztin Sylvia Kasper vorgestellt. Quelle: Pförtner
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Göttingen / Lenglern / Northeim

Der Jungigel, den die Lenglernerin Elfie Heitmüller auf der Straße auflas, kam aber gerade einmal auf 120 Gramm, „solche Tiere sind ohne Hilfe kaum überlebensfähig“, weiß die Göttinger Tierärztin Sylvia Kasper.

Heitmüller sah den tennisballgroßen Igel morgens am Rand einer innerörtlichen Durchgangsstraße. Als er dort am späten Nachmittag immer noch unterwegs war, zog sie sich Handschuhe an und sammelte das Tierchen ein. „Igel laufen eigentlich tagsüber nicht umher, außer, sie haben sehr großen Hunger“, sagte sich Heitmüller. Selbst im Herbst nicht, wenn sich die nachtaktiven Stacheltiere ihre Fettreserven für den Winterschlaf anfressen.

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Heitmüller informierte sich über geeignetes Igel-Futter  und vereinbarte einen Termin mit Tierärztin Kasper, um den Igel auf Flohbefall und Krankheiten untersuchen zu lassen. Die hat in ihrer Praxis zum Jahresende oft mit den stacheligen Wildtieren zu tun, „der bisher leichteste wog nur 80 Gramm“, erzählt die Veterinärin.

Um normalgewichtigen Igeln das Überwintern zu erleichtern, rät Kasper, „ im eigenen Garten vor dem Winter nicht zu gründlich aufzuräumen“. Strauchschnitt, Reisig und trockenes Laub eigneten sich gut für die Einquartierung eines überwinternden Igels.

Elfie Heitmüller aus Lenglern hilft Igeln über den Winter. ©Pförtner

Ähnliches empfiehlt auch der Fachdienst Naturschutz des Landkreises Northeim. Die Gärten  sollten zudem durchlässig gehalten werden: „Auf der Suche nach Nahrung durchstreifen Igel große Gebiete, deshalb sollten Gartenzäune Durchschlüpfe bieten.“

Grundsätzlich, so der Landkreis, gehörten Igel zu den geschützten Arten und dürften nicht eingefangen werden, „lediglich verletzte oder kranke Tiere“ – um wieder in die Freiheit entlassen zu werden, sobald sie sich wieder selbstständig ernähren könnten.

Zu den hilflosen Igeln, die menschlicher Hilfe bedürfen, gehören laut Kasper auch die von ihren Müttern bereits verlassenen Jungtiere unter 400 bis 500 Gramm.

Igeln, die sich diesem Gewicht wenigstens annähern, können im Garten oder in einem kühlen Raum Quartier und Futterstelle eingerichtet werden – mit gehacktem Ei, Katzen-Dosenfutter oder Igel-Trockenfutter aus dem Fachgeschäft und Wasser, „keinesfalls Milch, die vertragen sie nicht“.

Kleine Tiere wie der von Heitmüller seien während der kalten Jahreszeit am besten „in einem trockenen nicht zu kaltem Raum“ aufgehoben, meint Kasper. In jedem Fall sei ratsam, die Tiere nur mit Handschuhen anzufassen und vor der Aufnahme eines hilflosen Igels den Rat eines Tierarztes oder Igelexperten einzuholen.

Tipps von der Igel-Expertin

Igel sind krank oder hilfebedürftig, wenn sie vor dem Winter tagsüber umherlaufen, um Futter zu suchen oder leichter sind als 500 Gramm, meint die Göttinger Igel-Expertin Bettina Bauckholt. Solchen Tieren müsse der Mensch helfen.

Für die Einrichtung einer Igel-Futterstelle im Garten empfiehlt Bauckholt, einen flachen Behälter mit Katzen- oder Hundefutter unter eine umgedrehte, mit einem Stein beschwerten Obstkiste zu stellen, in die man einen ungefähr 15 Zentimeter hohen und breiten Eingang geschnitten hat.

„Zum Schutz vor Nachbars Katze“, sagt die Göttingerin. Auch Wasser sollte hingestellt werden. Bauckholt gibt telefonisch Tipps zur Igel-Überwinterung: unter der Rufnummer 05 51 / 7 90 69 46. Für Infos empfiehlt sie im Internet die Seite pro-igel.de.