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Göttingen Randale im Freibad: Gäste immer aggressiver – aber nicht überall
Die Region Göttingen Randale im Freibad: Gäste immer aggressiver – aber nicht überall
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19:04 01.07.2019
Der Ton wird rauer, aber in den meisten Bädern in der Region geht es friedlich zu - auch hier im Naturerlebnisbad Grone. Quelle: Peter Heller
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Göttingen/Reyershausen

Eine Massenschlägerei gab es noch nicht, aber auch in einigen Schwimmbädern im Raum Göttingen wird der Ton rauer und aggressiver: zwischen Badegästen, vor allem aber gegenüber Schwimmmeistern. Nach einem spektakulären Vorfall am Wochenende in Düsseldorf hat das Tageblatt in einigen Bädern nachgefragt – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

„Der schroffe Umgang miteinander ist hier Gang und Gebe“, sagt Heike Reinemann, langjährige Schwimmmeisterin im Parkbad Weende. Tagtäglich werde sie mit dem ungehaltenen Ton der Gäste konfrontiert, „wenn mich dann jemand beleidigt, nehme ich mir das schon nicht mehr zu Herzen“. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren beobachte sie ein aggressiveres Verhalten. Heutzutage fehle die nötige Einsicht der Badegäste, „sie geben ihre Fehler nicht zu, sondern beginnen langwierige Diskussionen“. „Die meisten denken, sie können machen, was sie wollen“, so Reinemann. Es seien insbesondere Kleinkinder, die für Beschwerden sorgen. „Meistens achten die Eltern nicht mehr auf ihre Kinder, sondern sind nur am Handy.“ Dass Badegäste gewalttätig gegenüber Schwimmmeister werden, habe sie aber noch nicht miterlebt. Bei Fehlverhalten gebe es Hausverbot. Allerdings habe es schon Schlägereien zwischen Badegästen gegeben, woraufhin die Polizei alarmiert wurde.

Security sorgt am Brauweg für Ordnung

„Der Ton ist rauer geworden“, sagt auch der Prokurist bei der Sport und Freizeit GmbH (GöSF) und Leiter aller Bäder in Göttingen, Alexander Hirt. Die früher selbstverständliche gegenseitige Rücksichtnahme schwinde. Da werde zum Beispiel auf dem Sprungturm vorgedrängelt und geschubst. „Seit fünf bis sechs Jahren hat sich das so entwickelt“, fügt er an. Die GöSF setze seit vergangenem Jahr einen Sicherheitsdienst im Brauweg ein. Der kontrolliere vor allem auf den Liegewiesen. Einhergehend mit immer mehr Gästen und mehr Aufgaben Beckenrand könnten die Schwimmmeister das nicht mehr leisten.

Das bestätigt auch Rolf Nietzold, langjähriger Schwimmmeister am Brauweg. Vor allem wenn das Bad mit bis zu 5000 Gästen rappel voll, der Tag sehr heiß und bei manchem das Bier schon gut geflossen sei, könne es stressig werden. Oft seien es Jugendliche – auch mit Migrationshintergrund - , die sich respektlos im Ton vergreifen würden, wenn sie ermahnt werden. Erst am vergangenen Sonntag sei eine Gruppe recht aggressiv geworden. Zuvor habe er die zehn bis 15 Mitglieder nur aufgefordert, ihre leeren Flaschen zu beseitigen. Er selbst sei vor einigen Jahren beinahe von einem Gast geschlagen worden, erinnert sich Nietzold. Dessen Begleiter hätten ihn zurückgehalten. Massenschlägereien habe er allerdings noch nicht erlebt.

Mehr über die Schwimmmeister und ihren Job lesen Sie hier.

Aus Sicht der Polizei ist das Geschehen in den hiesigen Bädern überwiegend „unauffällig“, sagt die Sprecherin der Göttinger Polizei, Jasmin Kaatz. Es habe in der jüngeren Vergangenheit zwar Einsätze gegeben, tatsächlich aber eher, um Hausverbote durchzusetzen oder weil Eindringlinge in einem Bad ohne Eintrittskarte über den Zaun geklettert waren.

Frieden vor allem in Familienbädern

Besonders friedlicher geht es in Freibädern auf dem Land zu – und in Anlagen, die vor allem von Familien besucht werden. Seit dem Umbau 2006 sei es im Naturerlebnisbad Grone geradezu harmonisch, sagt Schwimmmeister Andreas Schepter. „Wir haben hier ein angenehmes Publikum und benötigen deswegen auch keine Security.“ Bei Beschwerden handele es sich vornehmlich um Bagatellfälle wie etwa zu laute Musik. „Für uns gibt es nur eine Regel“, fügt er an: „Nicht negativ auffallen.“ Wenn es zu Diskussionen kommt, versuche man, diese freundlich zu führen, andernfalls würden die Gäste nach Hause geschickt.

In Duderstadt hat sich der Trend sogar umgekehrt: Früher hätten sich die Badegäste aggressiver und respektloser verhalten haben. Mittlerweile habe sich die Lage beruhigt, sagt Schwimmmeister Uwe Tuma. „Wir haben hier Ordnung geschaffen.“ Insbesondere die Erhöhung der Eintrittspreise habe dazu beigetragen.

„Wir sind ein Familienbad, hier gibt es keine Ausschreitungen“, versichert Martin Roddewig, Herr über die Schwimmer im Ratsburgbad Reyershausen. Natürlich gebe es mal Ausreißer gegenüber dem Aufsichtspersonal, aber die seien schnell in den Griff zu bekommen. Unter Gästen habe er noch keine aggressive Auseinandersetzung erlebt. Ganz ähnlich beschreibt Schwimmmeister Matthias Corde die Situation im Freibad Dransfeld: „Hier ist alles friedlich.“ Einmal sei die Polizei gekommen, um zwei Streithähne zu bändigen – „das war vor 18 Jahren“.

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Von Ulrich Schubert und Laura Giebner

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