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Göttingen Poller gegen Verkehr in der Fußgängerzone
Die Region Göttingen Poller gegen Verkehr in der Fußgängerzone
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13:31 26.06.2019
Viel los in der Jüdenstraße: Autoverkehr in der Fußgängerzone.
Viel los in der Jüdenstraße: Autoverkehr in der Fußgängerzone. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation in der Innenstadt“ hat Verkehrsplaner Sören Koss von der Stadtverwaltung am Dienstag dem Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität vorgestellt. Kurz: ein „Sperrungskonzept Fußgängerzone“. Vor allem um zwei Varianten ging es dabei: versenkbare Poller zum Sperren der Fußgängerzone I oder gleich für den größeren Bereich inklusive der Fußgängerzone II, dem Busring also.

3300 Fahrten täglich

Mehr als 1000 Ausnahmegenehmigungen zum Befahren der Fußgängerzone habe die Stadt ausgestellt. Rund 3300 Fahrten kämen so täglich zusammen. Ob die Fahrzeuge, die durch den gesperrten Bereich fahren, allerdings im Besitz einer Genehmigung seien, könne kaum überprüft werden, so Koss. Auch wenn dieses Verkehrsaufkommen künftig gedrosselt werden solle, so müssten doch bestimmte Fahrten weiterhin gewährleistet sein.

Lieferverkehr müsse laut Koss auch künftig möglich sein, allerdings zu festen Zeiten. Für Einsatzfahrzeuge muss die Zufahrt uneingeschränkt möglich sein. Der öffentliche Personennahverkehr dürfe nicht eingeschränkt werden. Auch Fußgänger und Radfahrer dürften nicht beeinträchtigt werden. Zudem müssten die Maßnahmen sicher gegen Vandalismus und Terroranschläge sein, erklärte Koss. All dies gewährleisteten versenkbare Poller. Eine grobe Kostenschätzung der Verwaltung: 130000 Euro pro Poller.

Zufahrten zum Kernbereich

Zwei Konzepte haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung dafür ausgearbeitet. Der erste Vorschlag sieht vor, dass solche Poller ausschließlich an den Zufahrten zum Kernbereich der Fußgängerzone eingerichtet werden. Neun Sperrvorrichtungen seien dafür notwendig. Dies könnte bereits 2020 umgesetzt und mit einer Evaluation begleitet werden. Als Nachteile dieser variante nannte Koss, dass damit eher wenig Verkehr aus der Innenstadt verdrängt würde.

Das zweite Konzept sieht den Pollereinsatz an dem erweiterten Fußgängerzonenbereich, dem Busring vor. Hier kämen voraussichtlich bis zu 18 Poller zum Einsatz. Damit könne nahezu der gesamte unberechtigte Verkehr aus der Innenstadt verbannt werden, meint die Verwaltung. „Dieses würde zu einer wesentlichen Entlastung der Konfliktbereiche und der deutlichen Verbesserung der Aufenthaltsqualität führen.“

Regeln ignoriert

Auch eine ganze Reihe andere deutscher Städte wie beispielsweise Heidelberg befassten sich derzeit mit der Verkehrsbegrenzung in der Innenstadt. Doch deren Konzepte ließen sich nicht auf die Göttinger Situation übertragen, die sich vor allem durch den Busverkehr im Zentrum deutlich unterscheide, erläuterte der Verkehrsplaner.

Kritisch äußerte sich Ratsherr Hans-Georg Scherer (CDU). Die Sicherheit vor Anschlägen bringe es mit sich, dass die Poller in einer Notlage nicht mal umgefahren werden könnten. Das sehe er als sehr gefährlich an. Tom Wedrins, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, meinte, es sei „erschreckend, wenn man diese Zahlen sieht“. Regeln würden offenbar von Teilen der Bevölkerung ignoriert. Er empfahl, mit Ausnahmegenehmigungen „geizig umzugehen“. Harald Wiedemann (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, es sei „wichtig, den Verkehr auf das notwendige Maß zurückzudrängen“.

Lob für Göttingen

Auf die Studie „Konzepte für den Stadtverkehr der Zukunft“ verwies Koss schließlich noch. Göttingen sei darin positiv herausgestellt worden – unter anderem für seine Bürgerbeteiligung und Straßenraumgestaltung. So soll es nach der Vorstellung der Verwaltung zu den Konzepten zur Verkehrsberuhigung der Innenstadt eine Informationsveranstaltung für Bürger geben, vorab eine Beteiligung de Träger öffentlicher Belange. Diesem weiteren Vorgehen stimmte der Ausschuss einstimmig zu.

Von Peter Krüger-Lenz