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Göttingen „Und dann sehen sie diesen Sauhaufen“
Die Region Göttingen „Und dann sehen sie diesen Sauhaufen“
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17:19 07.03.2012
Von Andreas Fuhrmann
Alles andere als idyllisch: Dieses Bild bietet sich demjenigen, der die Seite atzenhausen.de aufruft.
Alles andere als idyllisch: Dieses Bild bietet sich demjenigen, der die Seite atzenhausen.de aufruft. Quelle: Screenshot
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Atzenhausen

Im Hintergrund ist eine heruntergekommen Kneipentheke zu sehen.  „Atzenhausen. Die Atzen Community“ verspricht in weißen Lettern, hier bald online zu gehen. Denn mehr als dieses Startbild gibt es auf der Seite bisher nicht zu sehen. Doch allein dieser Auftritt genügt bereits, um die Atzenhäuser Ortsratspolitiker auf die Palme zu bringen. „Das ist ein Problem“, urteilte denn auch Tobias Schäfer (SPD). Viele glaubten schließlich, sich unter besagter Adresse das Dorf anschauen zu können – „und dann sehen sie diesen Sauhaufen. Das wirft ein schlechtes Licht auf das Dorf.“ Schon der ehemalige Ortsbürgermeister Volker Lüdecke (SPD) hatte sich daher vehement dafür eingesetzt, sich die Adresse zu sichern.

Das könnte unter Umständen auch gelingen, sagte Iris Klinge von der Gemeindeverwaltung. Der niedersächsische Städte- und Gemeindeverbund sehe dafür gute Chancen. Allerdings müsse man sich dafür anwaltliche Hilfe holen – was mit Kosten in unbestimmter Höhe verbunden sei. Ortsbürgermeister Michael Bölling (CDU) forderte dennoch, die Gemeinde möge hier tätig werden – und seine Ortsratskollegen folgten ihm. Jetzt soll sich der Verwaltungsausschuss mit dem Thema befassen.

Falls man den Rechtsweg beschreiten sollte, könnte man es mit einem Anhänger der Partyband „Die Atzen“ zu tun bekommen. Schließlich wird auf der Seite eine Art Forum für Atzen-Fans angekündigt. Oder der Inhaber, übrigens ein Mann aus Berlin, wittert einfach ein gutes Geschäft.
Fans der Atzen waren es schließlich auch, die in den vergangenen Jahren immer wieder im Verdacht standen, reihenweise Ortsschilder als Souvenirs gestohlen zu haben. Die Posse gipfelte im vergangenen Jahr in einem Besuch der Berliner Rapper Frauenarzt und Manny Marc in Atzenhausen, zu dem die beiden auch eigens entworfene Ortsschilder, ein goldenes Buch und Autogramme mitbrachten.

Das goldene Buch, das zurzeit bei einer Privatperson in Atzenhausen untergebracht ist, soll bald wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Allerdings sollte man es nicht gerade im Dorfgemeinschaftshaus aufbewahren, „sondern ein bisschen sichern“, riet ein Bürger dem Ortsrat. „Ansonsten kommen wieder welche und klauen es.“

Im Interview: Andreas Wiebe, Medienrechtler an der Uni Göttingen

Tageblatt: Hat das Dorf Atzenhausen ein Recht auf die Domain atzenhausen.de?

Wiebe: Gemeinden genießen für ihre Bezeichnung Namensschutz nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Sie haben daher Anspruch auf Löschung der Domainregistrierung durch eine andere Person, die keine eigenen Namensrechte geltend machen kann. Nur wenn die Person, die die Domain bereits registriert hat, eigene Namens- oder Kennzeichenrechte anführen kann, gilt das Prioritätsprinzip, wonach derjenige Vorrang hat, der zuerst die Domain registriert hat.

Was ist zu tun?
Zunächst müsste eine Aufforderung an den derzeitigen Inhaber ergehen, die Registrierung zu löschen oder auf die Gemeinde zu übertragen. Weigert sich dieser, muss geklagt werden.

Wie groß ist die Chance auf Erfolg?
Die Rechtslage ist in dieser Konstellation eindeutig zugunsten der Gemeinde, wenn es zutrifft, dass der derzeitige Inhaber keinerlei eigene Namens- und Kennzeichenrechte ins Feld führen kann.

Wie hoch wären die Kosten?
Hier gibt es in der Praxis eine große Bandbreite, so dass sich die genauen Kosten vorab schwer abschätzen lassen.