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Göttingen Im toten Winkel verschwindet eine komplette Schulklasse
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Unfallprävention: Verkehrssicherheitstraining am OHG in Göttingen

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17:25 16.09.2021
Die fünften Klassen des Otto-Hahn-Gymnasiums bekommen ein Training für den sicheren Schulweg. Die Kinder dürfen im LKW sitzen, und aus der Sicht des LKW Fahrers schauen. Im Spiegel der Beifahrerseite sind die Kinder, die rechts neben dem LKW stehen , nicht zu sehen.
Die fünften Klassen des Otto-Hahn-Gymnasiums bekommen ein Training für den sicheren Schulweg. Die Kinder dürfen im LKW sitzen, und aus der Sicht des LKW Fahrers schauen. Im Spiegel der Beifahrerseite sind die Kinder, die rechts neben dem LKW stehen , nicht zu sehen. Quelle: Christina Hinzmann/GT
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Göttingen

Wie verhalte ich mich richtig im Straßenverkehr? Dieser Frage haben sich die Schülerinnen und Schüler aus den unteren Klassenstufen des Göttinger Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) an ihrem Mobilitätstag angenommen. 145 Kinder aus dem fünften Jahrgang waren am Mittwoch zum Präventionstraining angetreten, am Donnerstag folgten die Sechstklässler und Freitag steht Mobilität für die siebten Klassen auf dem Programm.

Prävention zum Anfassen

Die Zielsetzung ist für alle Jahrgänge identisch, auch wenn das Programm variiert. „Prävention zum erleben und anfassen“, so erklärt es Jörg Arnecke, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion (PI) Göttingen, sei der Fokus. Dazu wurden in Kooperation mit dem OHG mehrere Stationen errichtet, an denen die Kinder erleben sollen, was Verkehrssicherheit ausmacht. Neben dem Polizisten und der Schulleitung waren auch Vertreter der Verkehrswacht, die Firma MAN, der Physik-Leistungskurs des 12. Jahrgangs des OHG, die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) und die Johanniter involviert.

Die fünften Klassen des Göttinger Otto-Hahn-Gymnasiums haben sich mit dem Thema Verkehrssicherheit befasst und im Stationsbetrieb Risiken kennengelernt.

„Die Kinder haben uns mit groß aufgerissenen Augen angestarrt“, berichtet Arnecke, der sich vor allem davon begeistert zeigte, dass das Konzept des Mobilitätstags aufging. Eindrücklich zeigte etwa an einer Station Betriebsleiter Nils Jacobi von MAN zusammen mit einem Kollegen, was es mit dem abstrakten Begriff „toter Winkel“ denn konkret so auf sich hat. Dazu durften die Kinder immer zu zweit in die Fahrerkabine der mitgebrachten Zugmaschine steigen, um zu erfahren, wie sich die Perspektive auf das Geschehen am Boden veränderte. Und tatsächlich: Eine ganze Schulklasse, die sich im toten Winkel des Fahrzeugs platzierte, war von der Fahrerkabine aus nicht mehr zu sehen.

„Krass“, sagt Maike Wiehl, Lehrerin für Deutsch, Sport und darstellendes Spiel., sei das Wort, mit dem die Schülerinnen und Schüler das Erlebte quittiert hätten. Und genau diese Reaktion habe man auch aus den Kindern herauskitzeln wollen, betont Polizist Arnecke: „Es geht ja darum, ihnen etwas Handfestes an die Hand zu geben.“ Hilfreich, so Wiehl, sei auch die Beteiligung der GöVB gewesen. Wenn die Frage „Wie verhalte ich mich eigentlich richtig im Bus“ auch einmal von einem Busfahrer beleuchtet werde, habe das einen positiven Effekt auf die Schüler.

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Ältere Schüler übernehmen Verantwortung

Besonders eindrücklich sei für die jungen Schüler auch gewesen, dass sich der Leistungskurs Physik unter Leitung von Sven Groß ebenfalls einem Themenblock angenommen habe. Die älteren Schüler hätten gezeigt, wie wichtig es sei im Straßenverkehr gut gesehen zu werden und welche Probleme dunkle Kleidung verursache. Abhilfe schaffen Reflektoren: Dazu haben die Älteren den Jüngeren unter anderem den Effekt reflektierender Speichenhülsen aufgezeigt.

„Es war ein umfangreiches Paket“, so Wiehl. Die Kinder hätten zwar viele Informationen erhalten, aber dadurch, dass sie alles selbst erfahren hätten, habe das gut gepasst. Auch den Fahrradparcours der Verkehrswacht hätten alle Schüler gut gemeistert. „Die Verbindung von Theorie und Praxis, das war ganz toll“, sagt die Lehrerin.

Appell an die Eltern

Und wenn doch einmal etwas passiert? Auch dafür sind die Kinder künftig gut gerüstet. Mithilfe der Johanniter wurde das richtige Absetzen eines Notrufs geübt, erzählt Arnecke. Außerdem hätten die Schülerinnen und Schüler gelernt, wie die stabile Seitenlage funktioniere. „In Sachen Verkehrsprävention hat das alles auf den Punkt gebracht“, so der Verkehrsexperte. Sein letzter Appell gilt folgerichtig auch nicht mehr den Kindern, sondern den dazugehörigen Eltern, die in den Morgenstunden an den Schulen oft ohne System agieren. Arnecke: „Elterntaxis sind wirklich ein Problem. Wenn Eltern die Kinder unbedingt zur Schule fahren müssen, dann sollten sie zumindest keinen neuen Unfallschwerpunkt schaffen, sondern sicher parken – am OHG etwa auf dem Schützenplatz.“

Von Claudia Bartels