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Göttingen Weniger Tote, mehr Handys am Steuer: Die Unfallstatistik in Göttingen
Die Region Göttingen Weniger Tote, mehr Handys am Steuer: Die Unfallstatistik in Göttingen
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00:21 31.03.2019
Quelle: Archiv
Göttingen

„Trotz des Rückgangs“, erklärt Polizeipräsident Uwe Lührig, „gibt es keinen Grund zur Entwarnung - 53 Verkehrstote, das bedeutet im Durchschnitt mindestens ein tödlich Verletzter pro Woche auf den Straßen innerhalb der Polizeidirektion Göttingen. Jeder Verkehrsunfall mit diesen schweren Auswirkungen ist einer zu viel.“

Verkehrssicherheitsarbeit bleibe daher weiterhin ein elementarer Baustein der Aufgaben der Polizei, sagt Lührig: „Wir wollen auch zukünftig mit unseren präventiven und repressiven Maßnahmen Leben retten.“

Die Anzahl der Schwerverletzten im Vorjahresvergleich ist hingegen leicht um 1,64 Prozent (15 Personen) auf nunmehr 913 gestiegen. Lührig: „Nach dem Jahr 2017 handelt es sich dabei allerdings noch immer um die zweitniedrigste Anzahl Schwerverletzter innerhalb der vergangenen fünf Jahre.“

Unfallzahlen wieder rückläufig

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2018 ging im Vergleich zum Vorjahr um 674 (1,98 Prozent) auf 33309 zurück. Dabei machen sogenannte Sachschadenunfälle mit 86,5 Prozent den Großteil aus.

Mit 77,4 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle und 60,6 Prozent der Verkehrsunfälle mit Schwerverletzen ereignete sich die meisten dieser Unfälle außerhalb geschlossener Ortschaften. Hauptursachen waren überhöhte und nicht angepasste Geschwindigkeit, Nichtbeachten der Vorfahrt, fehlerhaftes Abbiegen, Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot und Alkoholeinfluss. Lührig: „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines schweren Verkehrsunfalles zu werden, ist auf den Außerortsstrecken ungleich höher als innerhalb geschlossener Ortschaften. Hohe Geschwindigkeiten sind hier oftmals der Auslöser von Unfällen und wirken sich äußerst verschärfend auf den Verletzungsgrad der Unfallbeteiligten aus. Wir werden gerade auf diesen Strecken unsere Verkehrsüberwachungsmaßnahmen intensivieren.“ Positiv sei hingegen, dass die Zahl der Baumunfälle erneut rückläufig ist und nun mit 467 (2017: 476) den niedrigsten Stand der vergangenen acht Jahre aufweist.

Autobahn sicherste Straßenklasse

Die Anzahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle auf der Autobahn stieg zwar leicht um 1,3 Prozent und betrug im vergangenen Jahr 1986 Fälle. Doch dies macht nur etwa sechs Prozent aller Unfälle im Bereich der Polizeidirektion Göttingen aus. Zudem handelte es sich dabei zumeist um Bagatellunfälle. „Vor allem die geringen Fahrbahnbreiten innerhalb von Baustellenbereichen können schnell zu kleineren Verkehrsunfällen führen, zum Beispiel in Form seitlicher Berührungen mit Lkw“, erklärt Lührig. „Hier sehe ich die hauptsächliche Begründung für die Erhöhung der Zahl von Bagatellunfällen. Allein der Baustellenabschnitt auf der A 7 ab Seesen in Richtung Süden umfasst eine Länge von 35 Kilometern.“

An den 1986 Verkehrsunfällen auf den Autobahnabschnitten der Polizeidirektion Göttingen war in 931 Fällen (etwa 47 Prozent) mindestens ein Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht beteiligt. In fünf Fällen stand der Fahrer des Lkw als Unfallverursacher unter dem Einfluss alkoholischer Getränke. Lührig: „Es ist bereits unverantwortlich, sich alkoholisiert hinter das Steuer eines Pkw zu setzen. Von Lkw geht jedoch nochmals eine größere Gefahr aus, wenn der Fahrer sein Fahrzeug alkoholbedingt nicht mehr kontrollieren kann.“

Im Jahr 2019 werde die Polizeidirektion diesem Problem daher gezielt durch präventive Abfahrtskontrollen des gewerblichen Güterverkehrs begegnen. Bereits im Rahmen der ersten präventiven Kontrollen seien alarmierende Ergebnisse festgestellt worden, erklärt die Polizeidirektion. Die Spitzenwerte bei den Alkoholüberprüfungen der Lkw-Fahrer lag bei bis zu 3,02 Promille. Vor diesem Hintergrund fordert Lührig eine Senkung der Grenze bei Lkw-Fahrern auf Null Promille.

Problem Telefon-Ablenkung

Ein weiteres großes Problem für die Verkehrssicherheit: die Benutzung von Mobiltelefonen am Steuer. Im Jahr 2018 ahndete die Polizeidirektion Göttingen 7056 Handyverstöße - „und damit ebenso viele Fälle, in denen Verkehrsteilnehmer nicht mit der gebotenen Aufmerksamkeit am Straßenverkehr teilnahmen“, sagt Lührig. Im Vergleich zum Jahr 2017 bedeutet dies eine Zunahme um 1338 Fälle (24 Prozent).

Zudem wurden 1364 (24 Prozent) dieser Verstöße von Radfahrern begangen. „Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass sich noch viel zu viele Fahrzeugführer der Gefahr durch Ablenkung im Straßenverkehr nicht bewusst sind“, erklärt Lührig. „Das können und dürfen wir so nicht akzeptieren.“ Der Polizeichef kündigt weiterhin ein entschlossenes Vorgehen gegen solche „Ablenkungsverstöße“ an.

Zur Polizeidirektion Göttingen gehören die Inspektionen gehören die Inspektionen Göttingen, Hameln-Pyrmont/Holzminden, Hildesheim, Nienburg/Schaumburg und Northeim/Osterode

Von Matthias Heinzel

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