Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Doktorandinnen geschlagen und begrapscht? Uni-Professor aus Göttingen vor Gericht
Die Region Göttingen Doktorandinnen geschlagen und begrapscht? Uni-Professor aus Göttingen vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 06.06.2019
Sexuelle Nötigung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung – die Vorwürfe wiegen schwer. Ein Göttinger Uni-Professor muss sich wegen 21 Straftaten vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Quelle: Christina Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Ein 55-jähriger Professor der Universität Göttingen muss sich demnächst wegen zahlreicher körperlicher und sexueller Übergriffe vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat den Wissenschaftler, der zeitweilig als Institutsleiter tätig war und auch leitende Positionen in universitären Gremien innehatte, wegen insgesamt 21 Straftaten angeklagt.

Die Strafverfolgungsbehörde wirft ihm unter anderem mehrere besonders schwere Fälle der Nötigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung sowie mehrfache sexuelle Nötigungen und sexuelle Belästigungen vor. In mehreren dieser Fälle habe der Angeklagte zudem seine Stellung als Amtsträger missbraucht beziehungsweise die Schutzlosigkeit der betroffenen Person ausgenutzt, teilte ein Sprecher mit.

Drei Frauen betroffen

Opfer der Übergriffe, die laut Anklage im Zeitraum zwischen Juli 2014 und April 2017 stattfanden, sollen zwei Doktorandinnen und eine Institutsmitarbeiterin gewesen sein. Besonders betroffen war eine ausländische Wissenschaftlerin, die in Göttingen promovieren wollte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der 55-Jährige sie mehrfach in sein Zimmer einbestellt und dann die Tür von innen verschlossen haben. Den Schlüssel habe er in die Hosentasche gesteckt. Er habe ihr dann vorgeworfen, etwas falsch gemacht zu haben, weshalb er sie bestrafen müsse. Er habe sie aufgefordert, die Hose runterziehen, damit er sie mit einem Stock schlagen könne. Als die Doktorandin dieser Aufforderung nicht folgte, habe er ihr auf das bekleidete Gesäß geschlagen.

Stockschläge auf das Gesäß

Danach soll es noch eine Reihe ähnlicher Übergriffe gegeben haben. Der Wissenschaftler soll dabei der Doktorandin gegenüber geäußert haben, dass er nicht mit ihr zusammenarbeiten könne, wenn er nicht Wut und Stress an ihr abbauen könne. Er habe damit gedroht, die Zusammenarbeit zu beenden, und dann Stockschläge auf das Gesäß verpasst. Außer soll er sie mehrfach genötigt haben, die Hose herunterzuziehen, weil sonst ihre Promotion gefährdet wäre, und ihr dann mit der flachen Hand auf das unbekleidete Gesäß geschlagen haben.

In einem anderen Fall soll er einer Mitarbeiterin als „Bestrafung“ für angebliche Fehler auf das Gesäß geschlagen haben. Der Angeklagte habe sie dann darauf hingewiesen, dass dies geheim bleiben müsse. Er habe sie dann erst gehen lassen, nachdem sie versprochen hatte, niemandem etwas davon zu erzählen.

An Brüsten und Po berührt

Außerdem soll der 55-Jährige einer anderen Doktorandin mehrfach auf die bekleidete Brust geschlagen, ihren Körper betastet und sie oberhalb der Bekleidung an Brüsten und Po berührt haben.

Außer dem Strafverfahren ist gegen den 55-Jährigen auch eine Disziplinarklage vor dem Verwaltungsgericht Göttingen anhängig. Die Universität Göttingen hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe dem Wissenschaftler die Führung der Dienstgeschäfte verboten und ihm Mitte September 2017 ein Hausverbot erteilt.

Disziplinarverfahren gegen Professor

Der Professor soll nach der Einleitung des Disziplinarverfahrens eingeräumt haben, dass es ihm an professioneller Distanz zu Mitarbeiterinnen gefehlt habe. Vom Vorwurf der sexuellen Belästigung habe er sich indes distanziert. Die Hochschule hatte ihre Disziplinarklage unter anderem damit begründet, dass der Professor gegen seine Pflichten verstoßen habe und das Vertrauen „irreparabel beschädigt“ sei. Mit ihrer Disziplinarklage verfolgt sie das Ziel, den suspendierten Wissenschaftler aus dem Beamtenverhältnis zu entfernen.

Von Heidi Niemann

Moderne Technik und behindertengerechte Ausstattung: Die Stadtverwaltung Göttingen investiert in neue öffentliche Toilettenanlagen. Im Laufe des Septembers sollen sie im Stadtgebiet installiert werden.

06.06.2019

Direkt vom Feld: Frischer und lokaler geht es nicht. Am Werderhof und auf den Feldern der Familie Mecke gibt es ab sofort wieder Erdbeeren zum Selberpflücken.

09.06.2019

Die Polizei in Göttingen hat Geld gesammelt. 3000 Euro hat sie am Mittwoch dem Hospiz an der Lutter gespendet.

06.06.2019