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Göttingen Uniklinik möchte Bauherr bleiben
Die Region Göttingen Uniklinik möchte Bauherr bleiben
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00:17 24.02.2017
Von Jörn Barke
Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) möchte bei dem Neubau der Klinik das Verfahren selbst in der Hand behalten. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Der Landesrechnungshof hatte seinen Vorschlag in einem Positionspapier vor allem mit gravierenden Verfehlungen bei den schon realisierten Bauten an der MHH begründet. Bei der Zusammenarbeit von Wissenschaftsministerium, MHH und dem Staatlichen Baumanagement habe es „erhebliche Reibungsverluste, Fehlinformationen und Missverständnisse“ gegeben. Die Folge sind laut Medienberichten schon jetzt Millionenverluste. Doch auch in Richtung Südniedersachsen äußert der Landesrechnungshof Kritik: „Vielmehr war und ist auch die Kooperation zwischen der UMG, dem Staatlichen Baumanagement und dem Wissenschaftsministerium erheblich erschwert.“

Milliardenprojekte

Beim geplanten Neubau der MHH und der UMG handelt es sich jeweils um Milliardenprojekte. Für das UMG begrüßte Dr. Sebastian Freytag, Vorstand Wirtschaftsführung und Administration grundsätzliche das Interesse des Landesrechnungshofes an einer schnellen Erneuerung der beiden Kliniken. In Göttingen bestünden jedoch ganz andere Voraussetzungen als in Hannover.

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Da es in Göttingen eine Stiftungsuniversität gebe, habe die UMG hier selbst die Bauherreneigenschaft, erklärt Freitag: „Die Erfahrungen aus den letzten Jahren sind dabei durchweg positiv.“ Es seien mehrere Vorhaben umgesetzt worden, unter anderem das Forschungs-MRT-Gebäude und das Herzforschungsinstitut DZHK. Dabei sei man immer im Kosten- und Zeitrahmen geblieben. „Die eigene Bauherreneigenschaft ist außerdem für Maßnahmen zum Gebäudeerhalt der völlig überalterten Strukturen unabdingbar, die UMG setzt hier zirka 15 Millionen Euro im Jahr ein.“ In den vergangenen vier Jahren seien an der UMG etwa 100 Millionen Euro erfolgreich verbaut worden.

Freytag verweist im Blick auf den geplanten Neubau auf „über die Jahre hinweg bewährte Abläufe bei den Bauvorhaben“. Eine Baugesellschaft der öffentlichen Hand, die in zehn Jahren rund zwei Milliarden Euro in die beiden Kliniken investieren solle, sei „ein Unterfangen ungewöhnlicher Dimension“, so Freytag: „Es wäre deshalb zu überlegen, inwieweit lokale Konstrukte möglich wären, bei denen zum Beispiel auf bestehende GmbH-Strukturen der UMG zurückgegriffen wird.“

Bauvorhaben bisher gut umgesetzt

Ministerialdirigent Lutz Bardelle vom Landesrechnungshof räumt ein, dass an der UMG die Bauvorhaben im Gegensatz zu MHH bisher gut umgesetzt worden seien. Aber angesichts des außerordentlichen Kostenvolumens und ähnlicher Fragestellungen an beiden Kliniken halte der Landesrechnungshof die Bündelung der Vorhaben in einer Hand für sinnvoll – zumindest während der Bauphase. Ob die Gesellschaft danach auch den Betrieb der beiden Kliniken übernehme, könne man prüfen.

In Göttingen stößt das auf wenig Gegenliebe: „Einen Betrieb der Kliniken durch Dritte sehen wir kritisch“, erklärt Freytag: „Dafür gibt es in der Bundesrepublik bisher keine überzeugenden Beispiele.“
Grundsätzlich bestätigt der Landesrechnungshof in seinem Positionspapier den „dringenden Handlungsbedarf“ bei der Sanierung und Erneuerung der Kliniken in Göttingen und Hannover. Bei Planung, Ausführung und Finanzierung der beiden Großprojekte sollten nach Ansicht des Landesrechnungshofes auch private Partner beteiligt werden, wenn es sich als wirtschaftlich erweist.