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Göttingen 600 Euro für einmal Fernsehsender einstellen
Die Region Göttingen 600 Euro für einmal Fernsehsender einstellen
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06:00 30.04.2019
Der Einstellen von Fernsehsendern kann auch mal richtig teuer werden. Quelle: R
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Göttingen

Franziska R. lebt mit ihrem Mann Robert (Namen geändert) seit dessen Schlaganfall vor zwei Jahren in einer Seniorenunterkunft. Er in der Pflege, sie im betreuten Wohnen. Da er seine Hand nur noch eingeschränkt nutzen kann, fällt ihm unter anderem die Nutzung der Fernbedienung seines Fernsehgeräts schwer. Um bei der Sendersuche nicht auf die Hilfe seiner Frau angewiesen zu sein, sollen die Programme neu gespeichert werden.

Da beide in technischen Dingen nicht sonderlich interessiert sind, holen sie sich Hilfe. Ein Fachmann muss her, ein Online-Inserat weckt ihre Aufmerksamkeit: „Handwerkerservice Göttingen, günstig reparieren und sparen.“ Franziska R. wählt die angegebene 0800er-Nummer in der Annahme, es handele sich doch wohl um eine Gemeinschaftsanzeige von ortsansässigen Handwerker.

Sie verabredet einen Termin für den nächsten Tag und erteilt einem Herrn Wagner, wie er sich am Telefon vorstellt, den Auftrag, die zwölf Kanäle von ARD bis Kita in die richtige Reihenfolge zu bringen. Natürlich hätte sie skeptisch werden können, als der angebliche Handwerker schon am Telefon auf Barzahlung drängt, oder als man bei einem weiteren Telefonat mit dem Namen Wagner nichts anfangen kann. Tatsächlich schöpft sie keinen Verdacht. Auch nicht, als zwei Männer vor der Tür stehen – ohne Firmenwagen oder Werkzeugtasche. Wagner heißt keiner von beiden.

Inklusive Notdienstzuschlag

„Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass für diese Aufgabe zwei Leute angereist sind“, so R. Aber sie ist froh, dass sich so schnell jemand um ihr Problem kümmert. Und schnell ist der Service tatsächlich. Nach weniger als einer Stunde sind die Männer fertig und legen der verblüfften Seniorin die Rechnung vor. Lohnkosten plus Arbeits- und Einsatzpauschale addieren sich inklusive Notdienstzuschlag auf 596,78 Euro.

Anfangs scherzt Franziska R. noch, fragt, ob da nicht ein Komma verrutscht ist. Die Männer drücken ihr ein EC-Kartenlesegerät in die Hand und fordern sie auf, den PIN einzugeben. Die verdutzte Kundin folgt der Aufforderung. „Ich verstehe bis heute nicht, warum ich in dem Moment nicht anders reagiert habe“, hadert sie mit sich. Auf der Rechnung lässt sie allerdings noch die Worte „Unter Vorbehalt“ einsetzen, bevor sie unterschreibt.

Erst als die Männer wieder weg sind, wird dem Ehepaar klar, dass sie vermutlich Betrügern aufgesessen sind. Noch am selben Abend legt Franziska R. schriftlich Einspruch ein, ihr Sohn erstattet Anzeige bei der Polizei. In den kommenden Tagen folgen verschiedene Korrespondenzen mit einem Abrechnungsservice in Regensburg und der ausführenden Firma. Die firmiert aber plötzlich nicht mehr unter Handwerkerservice Göttingen. Stattdessen tauchen in Mails und auf Rechnungen die Namen eines Hausmeisterservices in Waldeck und einer Privatperson mit Wohnsitzen in Bochum und Essen auf.

Die Spur weist nach Essen

Im Impressum der Internetseite des Handwerkerservice Göttingen hingegen ist eine Essener Haus- und Gebäudetechnikfirma zu finden. Dieses Unternehmen scheint wiederum für zahlreiche Portale verantwortlich zu sein: Heizungsservice, Klempner, Bauhilfsdienst, Schlüsselengel. Auf den meisten der Seiten ist der Passus zu lesen, dass die Firma lediglich als Vermittlerin der Aufträge auftrete und keinerlei Haftung für deren Durchführung übernehme. Auch sei man nicht für die Preisgestaltung verantwortlich. Gleiches schreibt auch der Rechnungsdienstleister. Eine Tageblatt-Anfrage unter der 0800er-Nummer bleibt unbeantwortet.

Die Polizei geht bei den unseriösen Handwerkern davon aus, dass die Täter gut vernetzt sind. „Oft sind mehrere Personen beteiligt, die arbeitsteilig vorgehen“, erklärt Jasmin Kaatz, Sprecherin der Polizeiinspektion Göttingen. Die Ermittler des dritten Fachkommissariats, die auch diesen Fall bearbeiten, kennen die Szene. So ist die Adresse der mutmaßlichen Täter für sie keine Überraschung – Essen und Bochum gelten als Schwerpunkte. Bei den Ermittlungen stellen die Landesgrenzen kein Hindernis da.

Auch bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen ist das Thema nicht neu. Mona Semmler, Fachreferentin für Verbraucherrecht, rät, bei der Suche nach Handwerkern zur Sorgfalt: Lieber auf private Empfehlungen hören, als im Internet auf auffällige Inserate zu reagieren. Gleichzeitig macht sie Betrugsopfern wenig Hoffnung, ihr Geld wiederzusehen. Erst im Falle einer Verurteilung gebe es eine Chance auf Schadensausgleich. Idealerweise nimmt man sich einen Anwalt. Das ist für Franziska R. und ihren Mann jetzt aber finanziell nicht mehr drin.

Von Markus Scharf

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