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Göttingen Unterkunft Siekhöhe in Göttingen schließt zum 30. Juni
Die Region Göttingen Unterkunft Siekhöhe in Göttingen schließt zum 30. Juni
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15:04 07.06.2019
Wohnen und Leben in der Flüchtlingsunterkunft Siekhöhe Göttingen. Quelle: Wenzel
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Göttingen

Die Flüchtlingsunterkunft am Anna-Vandenhoek-Ring schließt am 30. Juni. Geflüchtete Menschen leben schon jetzt nicht mehr in der ehemaligen Lagerhalle auf der Groner Siekhöhe. Damit setzt die Verwaltung einen Ratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr um.

„Das Ziel war ehrgeizig und trotzdem ist uns eine regelrechte Punktladung gelungen“, sagte Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt. Seit Sommer 2018 habe eine von Broistedt gegründete und geleitete Projektgruppe Alternativen zu der Unterkunft gesucht, heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung vom Freitag. Der Mietvertrag für die Halle auf der Siekhöhe endet erst im Oktober 2021. 37.300 Euro Miete zahlt die Stadt Monat für Monat.

Protest gegen die Unterkunft auf der Siekhöhe. Quelle: hinzmann_c

Die Suche nach Siekhöhen-Alternativen hatte indes Erfolg: Durch die Vermittlung in den allgemeinen Wohnungsmarkt oder durch den Ankauf von Belegungsrechten bei Wohnungsgesellschaften sei es gelungen, die Siekhöhe nach und nach zu leeren und die Bewohner in anderen Unterkünften im Stadtgebiet unterzubringen. Mehrfach habe Broistedt beim Land Niedersachsen einen Zuweisungsstopp erreicht. Außerdem habe sie Vereinbarungen mit den Landkreisen Göttingen und Hameln-Pyrmont getroffen, die jeweils Geflüchtete aufgenommen hätten.

„Die Siekhöhe ist nie als Dauerlösung geplant gewesen, bei ihrer Errichtung aufgrund des hohen Bedarfs an Unterbringungsmöglichkeiten aber schlicht alternativlos gewesen“, sagte Broistedt. Dennoch sei die Unterkunft aufgrund ihres „engmaschigen Betreuungs- und Integrationsangebots“ sowie der Möglichkeit einer medizinischen Erstversorgung „vorbildlich“ gewesen.

Broistedt diskutiert mit Gegner der Unterkunft auf der Siekhöhe. Quelle: Christina Hinzmann

Vonseiten der Flüchtlinge und Flüchtlingsorganisationen und -initiativen gab es in der Vergangenheit aber immer wieder Kritik an der Unterbringungssituation auf der Siekhöhe. In einem nicht namentlich unterzeichneten Schreiben an die Stadtverwaltung hatten „Bewohner*innen der Flüchtlingsunterkünfte” in dieser Woche die Unterbringung von Flüchtlingen kritisiert. Die Verwaltung hatte hier widersprochen.

Verwaltung sieht entspannte Lage

Die Unterbringungssituation von Geflüchteten in Göttingen nennt die Verwaltung wegen Vermittlungen in den freien Wohnungsmarkt „deutlich entspannt“. Derzeit würden in Göttingen 1061 Geflüchtete betreut. In den Notunterkünften stünde „ausreichend“ freier Wohnraum zur Verfügung, um die noch nach der Verteilungsquote für Göttingen vorgesehenen Menschen aufzunehmen.

„Wir haben dem Land signalisiert, dass der Zuweisungsstopp aufgehoben werden kann“, sagt Petra Broistedt. Seit April nimmt die Stadt bereits wieder Geflüchtete auf. Im Mai hatte die Verwaltung wegen der „entspannten Situation“ den Bau einer neuen, mindestens sechs Millionen Euro teuren Flüchtlingsunterkunft auf dem Schützenanger auf Eis gelegt.

Abriss des alten Flüchtlingswohnheims am Schützenplatz, Ersatz wird es nihct geben. Quelle: Niklas Richter

Diese Entscheidung hatte für Empörung bei einer internationalen Frauengruppe geführt. „Viele von uns sind in Göttingen noch immer in Lagern untergebracht, in denen es keine Privatsphäre gibt und Frauen und Kinder hier in besonderem Masse Gewalt und sexuellen Angriffen ausgesetzt sind“, heißt es in einer Pressemitteilung der Frauen. Einzelne Personen müssten sich ein kleines Zimmer zu zweit teilen, ohne dass sie sich kennen oder ähnliche Gebräuche und Bedürfnisse haben. Vielfach müssten sechs Personen, die sich unbekannt sind, in einer Drei-Zimmer-Wohnung leben. Oder sich fremde Paare würden in eine Zwei-Zimmer-Wohnung gezwungen. Kinder hätten keinen Platz zum Spielen. „All dieser Zwang, führt zu Stress und Streit. Wir sind vor Armut, Hunger, Verfolgung und Krieg geflohen und benötigen dringend Sicherheit und Akzeptanz“, heißt es in dem Schreiben.

„Stets bestmöglich“

Broistedt erläutert, dass die Belegung von Wohnungen „stets bestmöglich“ erfolge. Das bedeute, dass etwa eine Drei-Zimmer-Wohnung mit sechs Erwachsenen oder mit drei Erwachsenen mit jeweils einem Kind – in aller Regel aus dem gleichen Herkunftsland und gleichem Kulturkreis – oder aber auch mit einer fünf- bis sechs-köpfigen Familie belegt werde. Der sechste Platz bleibe bei einer fünf-köpfigen Familie unbesetzt, denn „es macht keinen Sinn, eine sechste fremde Person einer Familie zuzuordnen“, betonte Broistedt. Wohnungen würden nicht mit Personen unterschiedlichen Geschlechts belegt, die nicht verwandtschaftlich miteinander verbunden sind.

Ruinen des Flüchtlingswohnheims am Schützenplatz. Quelle: Niklas Richter

Broistedt betonte am Freitag, dass Gemeinschafts- und Notunterkünfte nur als Übergang gedacht seien, bis eine Unterkunft auf dem Wohnungsmarkt gefunden sei. „Der Schritt in eine eigene Wohnung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Integration“, meint Broistedt, „dabei unterstützen wir die Menschen mit allen Kräften.“

Das oberste Ziel bleibe, die Menschen dezentral unterzubringen, so Broistedt: „Nur bei einer guten Durchmischung der Quartiere, bei einer diversen Gesellschaft kann Integration gelingen. Diesen Prozess unterstützen wir über unsere Flüchtlingssozialarbeit und die sechs Göttinger Nachbarschaftszentren.“ Dankbar sei die Verwaltung für das ehrenamtliche Engagement und die Nachbarschaftshilfe. Diese seien von unschätzbarem Wert.

„Offene Ablehnung aufgrund des Kopftuches oder der Hautfarbe“

In ihrem Schreiben berichtet die Frauengruppe von den Problemen eine Wohnung zu finden: „Wenn wir Wohnungen in der Zeitung oder im Internet suchen, dann sind sie meistens viel zu teuer oder wir können die geforderte Kaution nicht bezahlen, und das Sozialamt lehnt die Zahlung auch in den meisten Fällen ab.“ Auf Bewerbungen gebe es oft keine Antwort. Viele der Frauen erlebten „offene Ablehnung aufgrund des Kopftuches oder der Hautfarbe“, schildern sie.

„Wir wollen uns zurechtfinden in diesem Land, wir wollen teilnehmen an dem Leben hier mit unserem Wissen, mit unseren Erfahrungen und auch mit unseren Bedürfnissen! Wir wollen die deutsche Sprache lernen und unseren Familien ein Zuhause geben, aber wir finden kaum Raum und Ruhe dafür! Wir empfinden die derzeitige Wohnsituationen als missachtend und erniedrigend“, schreiben die Frauen.

Von Michael Brakemeier

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