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Göttingen Untreue-Verdacht in der Göttinger Stadtverwaltung
Die Region Göttingen Untreue-Verdacht in der Göttinger Stadtverwaltung
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17:58 21.07.2014
Neuer Untreue-Verdacht in der Göttinger Stadtverwaltung: Eine Mitarbeiterin von Sozialamt soll unberechtigten Personen zu Geldzahlungen verholfen haben. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Verwaltungssprecher Detlef Johannson bestätigte am Montag auf Anfrage, dass sich die Verwaltung inzwischen von der Mitarbeiterin getrennt habe.

Der Auflösungsvertrag sei Ende vergangener Woche geschlossen worden. Nähere Angaben zu dem Fall könne er derzeit aufgrund der noch laufenden Ermittlungen  nicht machen. Die Polizei hat gegen die entlassene Mitarbeiterin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue beziehungsweise des Betruges eingeleitet. Die Schadenshöhe stehe noch nicht fest, sagte Polizeisprecherin Jasmin Kaatz.

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Die Tatverdächtige habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert, sie lasse sich anwaltlich vertreten. Die Unregelmäßigkeiten seien durch die Nachfrage einer Sozialhilfeberechtigten ans Licht gekommen. Diese hatte sich gewundert, dass noch kein Geld auf ihrem Konto eingegangen war. Bei einer Überprüfung habe sich dann herausgestellt, dass der ihr zustehende Betrag an jemand anders ausgezahlt worden war.

Mangelnden Kontrollmechanismen

Anders als bei früheren Unterschlagungsfällen in der Göttinger Stadtverwaltung soll die Mitarbeiterin das Geld nicht auf eigene Konten, sondern in andere Kanäle umgeleitet haben. Unbestätigten Informationen zufolge soll sie unberechtigten Personen Chipkarten überlassen haben, mit denen sich Sozialhilfeempfänger am Geldautomaten im Foyer des Neuen Rathauses ihre Unterstützung in bar auszahlen lassen können.

Das Verfahren ist bereits der vierte Unterschlagungsfall innerhalb weniger Jahre im Göttinger Rathaus. 2012 hatte das Amtsgericht Göttingen einen früheren Sachbearbeiter des Göttinger Sozialamtes verurteilt, der knapp 54.000 Euro auf private Konten umgeleitet hatte.

Ein Jahr zuvor verurteilte das Landgericht Göttingen einen früheren Mitarbeiter des Jugendamtes, der jahrelang Gelder von Konten der von ihm betreuten Kinder und Jugendlichen veruntreut hatte. Insgesamt summierte sich der Schaden auf 140.000 Euro.

In ihrer Urteilsbegründung rügten die Richter die mangelnden Kontrollmechanismen innerhalb der Stadtverwaltung. Im Jahr 2000 musste sich ein Mitarbeiter des Göttinger Einwohnermeldeamtes vor Gericht verantworten, weil er jahrelang Gebühren für Pässe und Ausweise in Höhe von umgerechnet rund 125.000 Euro für sich einbehalten hatte. Auch damals kritisierten die Richter die mangelnde Kontrolle innerhalb der Verwaltung.

Von Heidi Niemann