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Göttingen Urlaub 2.0: Facebook-Einträge statt Postkarten?
Die Region Göttingen Urlaub 2.0: Facebook-Einträge statt Postkarten?
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18:31 10.08.2011
Facebook gegen Postkarte: Elektronische Nachrichten im Internet sind eine Alternative zum Geschriebenen auf Pappe.
Facebook gegen Postkarte: Elektronische Nachrichten im Internet sind eine Alternative zum Geschriebenen auf Pappe. Quelle: Montage: SPF
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Göttingen/Eichsfeld


Postkartenschreiben ist ganz schön anstrengend. Die Auswahl zwischen tausenden Motiven fällt schwer und jede Karte soll mit einem ganz persönlichen Text versehen werden. Mama, Papa, Oma, Opa und die wichtigsten Freunde dürfen nicht vergessen werden. Schnell treten Frustration und Sehnenscheidenentzündungen auf. Was also tun? Ex-Tennisstar Boris Becker macht es vor. Einfach ein paar Bilder vom Ibiza-Urlaub mit Jacht und Frau auf dem persönlichen Facebook-Profil hochladen, schon ist das Wesentliche gesagt, und alle sind zufrieden. „Hotel gut, Essen gut, Wetter gut. Liebe Grüße“, erübrigt sich. Denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte und ist doch viel persönlicher.


„Ja“, stimmt Vera Wucherpfennig zu. Deswegen haben Urlaubsbilder auch nichts auf der Facebook-Seite der Pressesprecherin des CDU-Kreisverbands Göttingen zu suchen. „Urlaub bleibt bei mir privat.“ Die 30-Jährige gibt aber zu: „Urlaubsfotos von anderen schaue ich mir schon gerne an.“ Auf die Suche danach begebe sie sich aber nicht, schon gar nicht in ihrer freien Zeit: „Wenn man es richtig organisiert, braucht man auch nicht erreichbar zu sein.“


Nicht nur in bildlicher, sondern auch in schriftlicher Form kann jeder dank der blauen Seiten, so die Erkennungsfarbe des Internetdienstes Facebook, wie die großen Entdecker Christoph Columbus oder James Cook ein Reisetagebuch führen. Außergewöhnliche Erlebnisse werden in einer Sekunde an mehr als 100 Menschen verbreitet. Tendenz steigend. Im besten Fall genießt der Urlauber die zahlreichen „Gefällt-mir-Bekundungen“ oder erntet neidische Kommentare der im kalten Deutschland Zurückgebliebenen.


Dass die Diskussion über den Urlaub nicht im Netz geführt werden muss, dieser Ansicht ist Angelika Daamen, Geschäftsführerin von Göttingen Tourismus. Sie ist seit Kurzem zwar Facebook-Nutzerin, aber immer noch eine von der altmodischen Sorte. „Über Urlaubserlebnisse informiere ich Freunde nach meiner Rückkehr einfach im persönlichen Gespräch.“ Auf Postkartenschreiben verzichtet sie aber nicht, denn: „Ich freue mich immer, wenn ich auch welche in meinem Briefkasten finde.“


Ben Thustek bricht ebenfalls eine Lanze für die beinahe schon nostalgische Papp-Variante: „Karten sind doch viel schöner.“ Der Lehrer des Eichsfeld-Gymnasiums Duderstadt (EGD) findet die Nutzung des Internets im Urlaub außerdem viel zu teuer. Das eine oder andere Bild aus dem Feriendomizil findet erst später einen Platz in seiner Facebook-Galerie: „Das ergibt sich halt.“


Um die entscheidenden Vorteile von Diensten wie Facebook aufzuzeigen, hier die berechtigte Frage: Wer war nicht schon einmal vor seiner Postkarte Zuhause? „Langsam“ verliert also gegen „schnell“ oder besser gesagt gegen die elektronische Post, erst in Form von E-Mails, jetzt in Form von Facebook.


Doch nicht für jeden ist Schnelligkeit wichtig, und schon gar nicht im Urlaub. Zwar ist auch der Landtagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) über Facebook direkt an der Costa Brava zu erreichen, er genießt aber dann doch lieber die Sonne, als sich über Urlaub 2.0 Gedanken zu machen.


Und dann gibt es da außerdem noch die selbst ernannten Postkartenmuffel, wie den Bundestagsabgeordneten Lutz Knopek (FDP). Der Kreta-Urlaub des Göttingers samt Familie bleibt im heimischen Fotoalbum. Oder Matthias Schenke, Ortsvereinsvorsitzender der Duderstädter SPD. Er kauft zwar die schönen Ansichtskarten, verteilt sie dann aber per Hand als Mitbringsel. Laptop und Internethandy bleiben bei ihm zu Hause.

Besser als Facebook-Party-Queen Thessa (sie lud aus Versehen über Facebook 1600 Menschen zu ihrem Geburtstag ein) will es Achim Hübner vom Göttinger Kreisbauernverband machen und ruhigen Urlaub verbringen. „Ich halte mich mit allen privaten Dingen eher zurück und nutze eine bestimmte Facebook-Einstellung. Die garantiert mir, dass nur meine Freunde verfolgen können, was ich mitteile.“


Zum Abschluss die ultimative Lösung für alle Facebook-Fans, die lieber mit dem Smartphone spielen, als im Urlaub einen Stift in die Hand zu nehmen: Ein Programm (App) für Smartphones erstellt digital, mit eigenen Fotos und wenigen Klicks eine Postkarte, die in ein bis drei Tagen im Briefkasten des Empfängers landen soll. Wie eine normale Postkarte auch, kostet dieser Dienst aber Porto-Gebühr.


Fazit: Im Urlaub hat sich Facebook wohl noch nicht durchgesetzt, aber die Kommunikation über den Internetdienst funktioniert. Alle Gesprächspartner hat das Tageblatt passend zum Thema über Facebook kontaktiert. Fünf Nutzer haben direkt per elektronischer Nachricht auf die gestellten Fragen geantwortet, einer bat um Rückruf, ein anderer sendete Grüße aus dem Urlaub. Nur zwei wurden in den Sommerferien nicht erreicht.

Von Anna Kleimann und Kristin Kunze