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Göttingen Verbraucherzentrale Göttingen: Vorsicht vor „Pflege-Bahr“
Die Region Göttingen Verbraucherzentrale Göttingen: Vorsicht vor „Pflege-Bahr“
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19:40 08.08.2013
Von Matthias Heinzel
Pflege kostet Geld: Wie Vorsorge finanziert wird, muss gut bedacht werden. Quelle: DPA/Gentsch
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Göttingen

Wer eine private Pflegetagegeldversicherung nach den gesetzlichen Vorgaben (Mindestleistung von 600 Euro in Pflegestufe III) abschließt und mindestens zehn Euro monatlich selbst zahlt, erhält eine Zulage von fünf Euro im Monat, sieht das Modell von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) vor.

Die Verbraucherzentrale rät zu einem anderen Weg: Wer es sich leisten kann und noch keine Erkrankung hatte, sollte besser eine ungeförderte Pflegetagegeldpolice abschließen. Sie könne die mögliche finanzielle Lücke im Pflegefall tatsächlich decken.

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Staatlich geförderte Pflegezusatzversicherungen (der sogenannte „Pflege-Bahr“) bieten auf den ersten Blick einen großen Vorteil: Jeder ab 18 Jahren kann einen Vertrag abschließen, soweit er noch nicht pflegebedürftig ist.

Leistung für den Pflegefall

„Die Höhe des Beitrags“, weiß Elke Tiebel, Krankenversicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Göttingen, „ist nur abhängig vom Eintrittsalter und den vereinbarten Leistungen. Eine vorherige Risikoüberprüfung findet nicht statt, und die Versicherer dürfen keinen Antrag ablehnen oder mit ihren Kunden etwaige Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse vereinbaren.“

Nachteil: In der Regel kann damit keine ausreichende Leistung für den Pflegefall versichert werden. Außerdem sind die Versicherungsbedingungen schlechter als die bei guten ungeförderten Verträgen. Tiebel: „So gibt es beim „Pflege-Bahr“ beispielsweise bis zum erstmaligen Bezug von Leistungen meist eine Wartezeit von fünf Jahren und auch im Leistungsfall müssen die Beträge weiter gezahlt werden.

Bei Pflegetagegeldtarifen ohne Zulagenförderung gibt es dagegen in der Regel keine Wartezeit, und im Leistungsfalle entfällt bei günstigen Tarifen die weitere Beitragszahlungspflicht schon ab Pflegestufe 0 oder I.“

Mindestleistung reicht oft nicht aus

Während bei einem Normaltarif mit sehr guten Bedingungen beispielsweise der Anspruch auf das volle versicherte Tagegeld schon bei einer stationären Pflege mit Pflegestufe I gewährt wird, gebe es beim „Pflege-Bahr“ den vollen Tagessatz erst bei Pflegestufe III.

„In vielen Fällen reicht diese Mindestleistung von 600 Euro nicht aus, um den Eigenanteil für den tatsächlichen Pflegeaufwand bezahlen zu können.“

Wer sich individuell und anbieterunabhängig beraten lassen möchte, kann das kostenpflichtige Beratungsangebot der Verbraucherzentrale Niedersachsen nutzen.

Termine können online unter verbraucherzentrale-niedersachsen.de, direkt in der Beratungsstelle Göttingen, Papendiek 24-26, unter der Telefonnummer 05 11 / 91 19 60 oder über das Termintelefon, dienstags und donnerstags in der Zeit von 9 bis 10 Uhr, erreichbar unter der Nummer 05 51 / 5 70 94, vereinbart werden.

Öffnungszeiten der Göttinger Beratungsstelle: Montag und Donnerstag 10 bis 18 Uhr, Dienstag 10 bis 14 Uhr.

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