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Göttingen Verein „InteGREATer“ will jungen Migranten in Göttingen bei der Integration helfen
Die Region Göttingen Verein „InteGREATer“ will jungen Migranten in Göttingen bei der Integration helfen
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08:00 31.10.2019
Lisa Kuhn (22) und Büsra Dogan (25) von Verein Integreater (v. l.) Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Sie sind jung, sie sind erfolgreich und sie wollen Vorbild sein, Mut machen und Orientierung geben – in dem gemeinnützigen Verein Integreater wollen junge Menschen mit Migrationshintergrund jugendlichen Migranten bei ihrer Integration in Deutschland und bei Fragen zu Bildungsmöglichkeiten helfen. Im Mai hat sich die Göttinger Regiogruppe des Vereins gegründet.

„Es kommt nicht darauf an, wo jemand her kommt“, sagt Büsra Dogan. „Jeder kann es in Deutschland schaffen.“

Von der Hauptschulempfehlung zum Master

Ihre Eltern seien damals als „Gastarbeiter“ aus der Türkei nach Deutschland gekommen, sagt Dogan. Dass die heute 25-Jährige einmal studieren wird, war anfangs nicht vorherzusehen. Nach der Grundschule habe sie eine Hauptschulempfehlung bekommen, ihre Motivation zur Schule zu gehen war klein. Doch Dogan hat sich durchgekämpft – erst an die Realschule, dann ans Gymnasium und schließlich an die Unis in Frankfurt und Göttingen, wo sie ihren Master-Abschluss in Marketing macht.

Imagefilm von „InteGREATer“ von 2011

In ihrem damaligen Umfeld in Mannheim habe es „nur wenige mit genügend Bildung“ gegeben, erklärt Dogan. Von diesen „negativen Beispielen“ habe sie gelernt, dass gute Bildung der Weg sei, die eigenen Lebensumstände zu verbessern. Wichtigster Schritt dabei sei, für sich selbst herauszufinden, wo die eigenen Interessen liegen.

Büsra Dogan (Foto) Quelle: Peter Heller

Die 22-jährige Lisa Kühn hat für junge Migranten den Rat: „Eigeninitiative, Disziplin und Motivation zeigen.“ So habe sie es geschafft, sich von einer wenig motivierten Schülerin in Bremerhaven zur Klassenbesten zu steigern. Ihre Eltern kamen vor ihrer Geburt aus Kasachstan nach Deutschland – der Vater katholischer Russlanddeutscher, die Mutter muslimische Tartarin. Weil ihre Eltern ihr bei Fragen zu Schule und Bildung oft nicht hätten weiterhelfen können, waren schnell der ältere Bruder, Freunde und ihre Eltern Vorbild.

Heute studiert Kühn in Göttingen Skandinavistik und Ethnologie. Der Bedarf an Aufklärungsarbeit über Bildungschancen in Deutschland steige, weil auch die Zahl der hier lebenden Migranten steige, sagt Kühn. Diese Aufklärungsarbeit könne viel bewirken.

Lisa Kuhn Quelle: Peter Heller

Kühn und Dogan engagieren sich in derGöttinger Regiogruppe des Vereins Integreater, die es seit Mai gibt. Inzwischen haben sich dort 15 Studenten zusammengefunden, um mit ihrer persönlichen Integrationsgeschichte anderen jungen Menschen mit Migrationshintergrund zu helfen und zu motivieren. Sie haben ihre kulturellen Wurzeln in Sri Lanka, Iran, Syrien, Türkei, Griechenland, Pakistan und Kasachstan. Die Gruppe besteht aktuell aus Studierenden der Fachbereiche Informatik, BWL, Medizin, Diversitätsforschung, Lehramt und Skandinavistik.

„Wer anders als diese erfolgreichen Migrant*innen könnte den ,Sorgenkindern unserer Gesellschaft’ besser und authentischer erklären, wieso sie es geschafft haben, dass sie entgegen dem Rat ihres Grundschullehrers dennoch zum Beispiel das Gymnasium besucht oder erfolgreich die Meisterprüfung in einem Handwerk absolviert haben; dass sie trotz größter finanzieller Belastungen mit Hilfe der gesamten Familie studieren konnten und dass sie darüber hinaus während dieser Zeit auch die Kraft aufbrachten, sich um andere zu kümmern?“, heißt es auf der Internetseite des Vereins.

„Die Message berührt jeden“

„Wenn wir es geschafft haben, schaffst Du es auch“, heißt ein Motto des Vereins. Um das zu vermitteln, gehen die Integreater immer zu dritt an Schulen, zu Elterncafés, in Migrantenselbstorganisationen und Jugendzentren. Zur Auflockerung gibt es zu Beginn ein Kennenlernspiel, dann schildern die Vereinsmitglieder ihre persönliche Biografie. Im Anschluss gibt es Zeit, Fragen zu stellen. Dann sind die Schüler aufgefordert, selbst ihre Träume und Ziele zu formulieren.

Das Integreater-Angebot richte sich auch „deutsche Schüler“, sagt Dogan. Sie erzählt von einem Schüler, der zunächst rechtsextreme Ansichten gegenüber Migranten geäußert habe. Nach der Veranstaltung habe sich sein Bild, dass er von Migranten hatte, „komplett geändert“, sagt Dogan. „Die Message berührt jeden.“

Die Regionalgruppe Göttingen des Vereins Integreater ist per E-Mail an goettingen@integreater.de zu erreichen. Weil die Gruppe derzeit ausschließlich aus Studierenden besteht, ist ihr daran gelegen, auch Kontakte zu Migranten zu bekommen, die in ihrem Beruf erfolgreich arbeiten.

Das ist der Verein Integreater

Den Verein Integreater gibt es inzwischen seit fast zehn Jahren. Gegründet wurde er im März 2010 von Ümmühan Ciftci, dem Frankfurter Unternehmer Jochen Sauerborn und fünf weiteren Privatpersonen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Seit Beginn sei Integreater nach eigenen Angaben durch das hessische Ministerium für Soziales und Integration gefördert worden.

Inzwischen gibt es bundesweit 50 Fördermitglieder und mehr als 200 sogenannte Integreater, Menschen mit Migrationshintergrund, zwischen 18 und 32 Jahren, die ihre Wurzeln in rund 60 verschiedenen Ländern haben. Sie stünden „für eine neue Gruppe der nächsten Arbeitnehmergeneration in Deutschland: interkulturell sensibilisiert, multilingual und äußerst ambitioniert“, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Sie gehen in Schulen, Kulturzentren und Moscheen und berichten dort vor Eltern, Schülern und anderen Interessierten von ihrem individuellen, aber stets erfolgreichen Bildungsverlauf und ihren Lebensgeschichten. Der Verein will „das Augenmerk auf die Erfolgsstories der Integration“ richten.

Derzeit gibt es bundesweit 12 regionale Integreater-Gruppen – eine davon seit Mai in Göttingen. Der Verein ist mehrmals ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem hessischen Integrationspreis und als „Idee für die Bildungsrepublik“.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier

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