Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Ehemaliger Sportverbandschef wegen Untreue verurteilt
Die Region Göttingen Ehemaliger Sportverbandschef wegen Untreue verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:31 11.04.2019
Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Über Jahrzehnte stand ein 67-jähriger Göttinger beruflich wie ehrenamtlich mitten im Leben. Mit dem Ruhestand kam der Absturz. Spielsucht, Schulden, soziale Isolation und jetzt eine Verurteilung wegen 13-facher Untreue.

Der weißhaarige Angeklagte sitzt am Donnerstagmorgen im Gerichtssaal des Göttinger Amtsgerichts, sein Kopf ist geneigt, der Gesichtsausdruck verrät große Niedergeschlagenheit. Seine Stimme ist fest aber leise, wenn er auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Julian Oelschlägel reagiert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen langjährigen Vereinsvorsitzenden vor, in 17 Fällen Geld von einem Vereinskonto abgehoben oder auf das eigene Konto überwiesen zu haben. 14 000 Euro habe er so an sich gebracht, so die Anklageschrift – Geld, das eigentlich für Jugendfreizeiten vorgesehen war.

Dass sich im Laufe der Verhandlung die Anzahl der angeklagten Taten auf 13 und die veruntreute Summe damit auf 10 000 verringern, ändert die Stimmung des Angeklagten nicht wesentlich. Obwohl die letzte Tat bereits vier Jahre zurückliegt und der Schaden in der Vereinskasse ausgeglichen wurde, scheint er sich selbst noch längst nicht verziehen zu haben. Nach eigener Schilderung lebt er mit Ausnahme der eigenen Familie sozial isoliert. Versuchte Kontaktaufnahmen aus seinem früheren Umfeld blockt er ab. „Ich zucke immer noch zusammen, wenn es an der Tür klingelt.“

Der Grund, dass aus dem mehrfach ausgezeichneten Sportfunktionär und beliebten Vereinsboss ein Straftäter wurde, liege in seiner Spielsucht begründet, erklärt sein Anwalt während der Verhandlung. Mit Ende seiner beruflichen Tätigkeit, die ihn zeitlich gefordert habe, sei er in ein Loch gefallen, sagt der dreifache Vater. Mit Freunden geht er zum Zeitvertreib gelegentlich in eine Spielhalle. Später geht er auch alleine – erst wöchentlich, dann täglich. Nach kürzester Zeit wird das Geld knapp.

Eine Lücke in der Vereinssatzung erlaubt es ihm, ohne Gegenkontrolle in kurzen Abständen Beträge von 200 bis 4000 Euro vom Vereinskonto in die eigene Tasche umzuleiten. „Dieser Fehler in der Satzung wurde noch in meiner Amtszeit behoben“, sagt der Angeklagte vor Gericht. Neben den unrechtmäßigen Finanzspritzen vom Vereinskonto besorgt er sich auch Geld bei der Bank – zwei Kredite mit einer Gesamthöhe von 20 000 Euro. Alles landet in den Automaten. Als er seine Spielsucht öffentlich macht, haben sich die Schulden auf 40 000 Euro angehäuft.

Er offenbart sich der Familie und anschließend dem Verbandsvorstand. Beide Seiten hätten zu ihm gestanden. „Die haben mich lange getragen, obwohl es sicherlich an der Schmerzgrenze war.“ Mit Beginn des Ermittlungsverfahrens gegen ihn zieht sich der heute 67-Jährige aus allen Ämtern zurück. Aus Scham will er keinen Kontakt mehr zu seinem ehemaligen Umfeld. „Ich bin emotional nicht in der Lage dazu“, sagt er. Der Pensionär beginnt eine Therapie, von der er im Nachhinein nicht glaubt, dass sie ihm geholfen habe. Und er fängt an, seine Schulden abzutragen. Erst unregelmäßig, später in größeren Tranchen.

Da das mit seiner Rente allein nicht funktioniert, sucht er sich eine günstigere Wohnung und einen 450-Euro-Job. Richter Oelschlägel bescheinigt ihm in der Urteilsbegründung, ein so starkes Bemühen um Ausgleich bisher selten erlebt zu haben. Es ist nicht das einzige Argument, das schließlich für ein mildes Urteil spricht. Neben dem Geständnis und der positiven Sozialprognose ist es vor allem die spürbare Reue, die sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch das dreiköpfige Gericht von einer harten Strafe absehen lässt.

Neben der Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung und 200 Sozialstunden muss der ehemalige Verbandschef noch etwa 7000 Euro aufbringen, um alle Schulden abzutragen. Und er müsse lernen, sich selber zu verzeihen, gibt ihm das Gericht mit auf den Weg: „Sie sind ein anständiger Kerl, der einen Fehler gemacht hat.“

Von Markus Scharf

Mit dem bundesweiten Projekt „Theater der 10000" wird die Unicef-Kampagne #kindheitbrauchtfrieden am Sonnabend, 11. Mai, auf dem Göttinger Marktplatz abgeschlossen. Die Aktion beginnt um 11 Uhr.

11.04.2019

Wegen angeblicher Terrorverbindungen ist Anfang des Jahres ein Student aus Göttingen in Ägypten festgenommen worden. Deutsche Ermittlungen konnten dem 23-jährigen Deutsch-Ägypter aber bisher nichts nachweisen.

11.04.2019

Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. Rosemarie Dalchow hat ihren Mann durch die Krankheit begleitet und erzählt, welche Rolle Parkinson heute in ihrem Leben spielt.

11.04.2019