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Göttingen Verfallenlassen von Fachwerk wird verhindert
Die Region Göttingen Verfallenlassen von Fachwerk wird verhindert
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20:23 14.08.2011
Von Jürgen Gückel
Marode Denkmäler sind zu sanieren: Um eines der Fachwerkhäuser in der Langen Straße wurde jetzt im Gericht gestritten.
Marode Denkmäler sind zu sanieren: Um eines der Fachwerkhäuser in der Langen Straße wurde jetzt im Gericht gestritten.
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Hann. Münden

Mit diesen Feststellungn hat das Verwaltungsgericht Göttingen jetzt Denkmalschützern den Rücken gestärkt. Es wies die Klage einer Verwaltungs-GmbH gegen eine denkmalschutzrechtliche Anordnung der Stadt Hann. Münden ab. Danach ist der Eigentümer eines Gebäudes aus dem Frühbarock in der Langen Straße verpflichtet, die Schäden eines leerstehenden Fachwerkhauses genau feststellen zu lassen.

Das Haus ist zwischen 1650 und 1660 gebaut und im 18. und 19. Jahrhundert erweitert worden. Bewohnt wird es seit 2002 nicht mehr; auch der Laden im Erdgeschoss schloss 2004. Sachverständige taxierten damals den Verkehrswert auf einen Euro. Berücksichtige man den Sanierungsbedarf, liege der theoretische Verkehrswert bei minus 600 000 Euro.

Im März 1992 hatte ein Sanierungsgutachten die Bausubstanz noch als „im Kern solide und gut“ bezeichnet, allerdings einige Mängel aufgezeigt. 2004 waren die Mängel schon erheblich, ungehindert drang wegen fehlender Firstziegel Wasser ein. 2008 erzwang die Denkmalbehörde eine Besichtigung, 2009 verlangte sie in der Folge ein Sanierungskonzept vom Eigentümer, gegen dessen kostspielige Erstellung sich dieser jetzt gerichtlich wehrte.

Ohne Erfolg: Klar sei, so das Gericht nach einem Ortstermin, dass das Haus einen heruntergekommenen Eindruck mache. Es sei aber „eines der bemerkenswertesten Bürgerhausindividuen Hann. Mündens“. Mit seiner „Jahrhunderte alten Handelstradition, seiner wertvollen Detailgestaltung und der an Kuriosität grenzenden klassizistischen baulichen Ausreifung“ sei es selbstverständlich ein Baudenkmal, wie das die Denkmalbehörde auch festgestellt habe. Mit seiner „bloß laienhaften Bewertung“ könne der Kläger diese Einschätzung nicht ernsthaft infrage stellen. Dazu gehöre „nämlich Fachwissen“. Dass es überdies substanzgefährdende Mängel gebe, habe sich aus den Gutachten 1992 und 2004 sowie durch die Besichtigung 2008 ergeben.

Zwar habe ein Denkmaleigentümer normalerweise Gefahrenerforschung an seinem Bau zwar zu dulden, nicht aber zu bezahlen. Hier aber verhalte es sich anders: Gefahren seien bereits festgestellt, ihr Ausmaß zu erforschen, sei der erste Schritt zur Gefahrenabwehr. Deshalb wird der Eigentümer es auch bezahlen müssen, ein Sanierungskonzept aufzustellen und das Denkmal vor Verfall zu retten.