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Göttingen Vernissage im Künstlerhaus Göttingen: Melike Kara offenbart ihre kurdisch-alevitischen Wurzeln
Die Region Göttingen Vernissage im Künstlerhaus Göttingen: Melike Kara offenbart ihre kurdisch-alevitischen Wurzeln
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00:16 19.01.2020
Die Werke der Künstlerin Melike Kara sind derzeit im Künstlerhaus Göttingen zu sehen. Quelle: Marius Land
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Göttingen

Das neue Jahr ist im Künstlerhaus an der Gotmarstraße angebrochen: Die Kölner Künstlerin Melike Kara hat die Ausstellung „No friends but the Mountains“ eröffnet. Kara verarbeitet ihre kurdischen Wurzeln in den Inszenierungen. Dabei thematisiert sie den Umstand, dass Kurden seit Jahrhunderten verdrängt werden – und stets in den Bergen Rückzugsmöglichkeiten fanden. Gleichzeitig greift sie die religöse Bedeutung auf, die Berge für Alemiten besitzen.

Bei der Vernissage am Freitag hatten Interessierte die Möglichkeit, die Künstlerin kennenzulernen. Außerdem hielten die Kuratorin Tomke Braun und Helmut Wenzel, Geschäftsführer des Kunstvereins Göttingen, Ansprachen. In diesen informierten sie über Hintergründe zu Karas Werken und dem Treiben im Künstlerhaus allgemein.

Überregionale Kunst

Eines fällt an diesem Abend in der Galerie auf: Wenige Göttinger Gesichter sind zu sehen. Unterstützer der Ausstellung sind aus Berlin und Köln angereist. Kuratorin Braun erzählt, sie selbst lebe in Berlin. „Dort bin ich bei einer Veranstaltung auf Melike aufmerksam geworden“, sagt sie. Als sie dabei war, das Jahresprogramm für das Göttinger Künstlerhaus zusammenzustellen, habe sie Kara schließlich kontaktiert. „Im Künstlerhaus wird überregionale zeitgenössische Kunst gezeigt – von Künstlern, die auch in London und Berlin ausstellen“, informiert sie.

Melike Kara thematisiert in der Ausstellung „No friends but the Mountains“ ihre kurdisch-alevitischen Wurzeln. Quelle: r

Bei einem Rundgang durch die Galerie sticht ein großflächiges Foto ins Auge. Es zeigt einen gewaltigen Felsen. Um die Fotografie herum sind zahlreiche Stofffetzen geknotet, die dem Bild einen Rahmen schaffen. Die Künstlerin Kara erzählt, das Bild sei auf einer Pilgerreise entstanden: „Mit meiner Großmutter habe ich die türkischen Berge bereist, in der Nähe von dem Ort, in dem meine Oma aufwuchs.“ Die Installation „düzgün baba“ zeige einen Pilgerort, in dem Natur und Religion miteinander verbunden sind. Einer alten Tradition nach lassen Gläubige eine Opfergabe bei dem Felsen zurück, wie ein Stück Stoff. „Diese stehen stellvertretend für Wünsche und Gebete“, erklärt sie.

Eine Sprache verschwindet

In einer anderen Installation formt Erde einen Hügel. Darüber prangt ein Schriftzug in einer Sprache, die vom Verschwinden bedroht ist: Sasaki, ein kurdischer Dialekt, der in der Türkei gesprochen wurde. Kara schrieb hier ein Wiegelied auf, das ihre Großmutter ihr vorsang, namens „Dayê dayê“. Im hintersten Raum der Galerie hängen die Malereien Karas – „die Aushängeschilder der Künstlerin“, sagt Braun. Mit diesen Bildern sei Kara berühmt geworden. „So sehr es in den anderen Werken um Herkunft geht, so sehr wehren sich die Figuren in den Malereien gegen eine eindeutige Einordnung“, erzählt sie. Hier stehe eine konträre Botschaft im Vordergrund: Nämlich, dass Menschen komplex und vielseitig sind.

Die Künstlerin erzählt, sie habe darauf Wert gelegt, dass sich die Kunstwerke in die Architektur der Räume einfügten. Bei ihrer Arbeit habe sie sich mit der Frage des Verschwindens beschäftigt. „Letztes Jahr habe ich meine Oma in den Tod begleitet, nachdem sie schon seit längerem an Demenz litt“, erzählt sie. „Da ist mir klar geworden, dass die Traditionen, der Glaube und die Sprache mit ihr verschwinden.“

Froh sei sie darüber, die Pilgerreise mit ihr gemacht zu haben, in der sie viel über jene Traditionen lernte. Ein wunderliches Detail schildert sie von der Reise: „Einige Menschen, die unsere Wege kreuzten, wollten meine Großmutter anfassen – als sei sie eine Heilige“, sagt Kara. Die Menschen hätten sie als Tochter ihres Vaters erkannt, der ein bekannter Schamane gewesen sei.

Das Künstlerhaus Göttingen

Der Kunstverein Göttingen organisiert die Veranstaltungen im Künstlerhaus an der Gotmarstraße gemeinsam mit überregionalen Kunstschaffenden und Kuratoren. Finanzielle Unterstützung erhält der Verein vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Stadt Göttingen, der Sparkasse Göttingen und dem Landschaftsverband „Südniedersachsen Kultur und Region“.

Die Ausstellung „No friends but the Mountains“ von Melike Kara kann noch bis Donnerstag, 23. Februar, besucht werden. Das Künstlerhaus ist von dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, am Sonnabend und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Der Kunstverein Göttingen kündigt zudem zwei Veranstaltungen an: Am Donnerstag, 6. Februar, kann an den „Donnerstag-Dialogen“ teilgenommen werden. Gemeinsam mit Kunstvermittlern kann dort über die Ausstellung diskutiert werden. Am Sonntag, 23. Februar, können Gäste an einer Sonntagsführung mit der Kunsthistorikerin Lara Siegers teilnehmen.

Von Anja Semonjek

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