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Göttingen „Versöhne dich noch auf dem Weg zum Gericht“
Die Region Göttingen „Versöhne dich noch auf dem Weg zum Gericht“
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14:25 28.07.2014
Im Gerichtssaal: Pater Manfred Hösl gibt geistliche Impulse im Gerichtssaal.
Im Gerichtssaal: Pater Manfred Hösl gibt geistliche Impulse im Gerichtssaal. Quelle: Heller
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Göttingen

Die beklemmenden Vorführungszellen im Gericht, der beeindruckende Schwurgerichtssaal und das selten genutzte Anwaltszimmer waren einige Stationen auf der Wallfahrt ins Gericht, zu der die Citypastoral der katholischen Innenstadtgemeinde St. Michael aufgerufen hatte. J

esuitenpater Manfred Hösl und Pastoralreferentin Mechthild José-Thumbeck lieferten geistliche Impulse zu den jeweiligen Stationen. Thomas Breitenbach, Göttinger Rechtsanwalt und Mitglied im Kirchenvorstand der Gemeinde, übernahm die weltliche Vorstellung des Amtsgerichts.

Der überschaubaren Gruppe von Pilgern eröffnete sich eine ungewöhnliche Sicht auf Recht, Gerechtigkeit und ihren Bezug zur Bibel: Noch am Eingang stellte José-Thumbeck Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit mit Waage und Schwert, als „Wahrzeichen der Gerechtigkeit“ vor und fand ihr biblisches Pendant: den Namenspatron der Citykirche, den Heiligen Michael. Laut christlicher Tradition sitzt der Erzengel an Gottes Seite und geleitet die Seelen der Verstorbenen als Seelenwäger ins Jenseits.

Auf der Richterbank auffielen, erinnerte der Geistliche an den wohl bekanntesten Richter des Neuen Testamentes: Pontius Pilatus, der Jesus Christus zum Tod am Kreuz verurteilt hat. „Die Idee hatten die Römer von den Persern abgeguckt – in punkto Grausamkeit war die Welt schon immer global“, konstatierte Hösl. Der jüdisch-römische Zuständigkeitsstreit – wer von beiden das Urteil über Jesus sprechen sollte – verliert auch aktuell betrachtet nicht an Gültigkeit: „Das erste, was ein Richter macht, wenn er eine Sache auf den Tisch bekommt, ist zu prüfen, ob er auch wirklich zuständig ist“, erzählte Breitenbach schmunzelnd.

Biblischer Vorläufer

Auch im sogenannten Anwaltszimmer, das, so Breitenbach, für Gespräche zwischen Anwalt und Mandant dereinst eingerichtet wurde, fiel den beiden Theologen ein biblischer Vergleich ein: Jesus als Anwalt derer, die am Rande der Gesellschaft stehen. Weiterhin, berichteten José-Thumbeck und Hösl, war die Mediation, die außergerichtliche Streitschlichtung, die gewaltig auf dem Vormarsch ist, bereits in biblischen Zeiten bekannt. So heiße es: „Versöhne dich, solange du auf dem Weg zum Gericht bist“, rezitierte Hösl. Und Breitenbach, der als Mediator tätig ist, weiß warum: „Im Gericht erhält man zuweilen Antworten auf Fragen, die nie gestellt wurden.“

Mehr Informationen zur Veranstaltungsreihe gibt es im Internet.

luk