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Göttingen Versuchter Totschlag: Angeklagter Alfelder pünktlich bei Therapie
Die Region Göttingen Versuchter Totschlag: Angeklagter Alfelder pünktlich bei Therapie
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00:16 03.05.2013
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen/Duderstadt

Nach den Aufzeichnungen des 53 Jahre alten Therapeuten sei der Angeklagte an jedem Dienstag um 8.45 Uhr in seiner Praxis gewesen. Nach seinen Aufzeichnungen auch am 24. Januar 2012, dem Tattag. Andernfalls wäre es vermerkt worden. Er sei sehr genau, sagte der Therapeut. Einen Spielraum von maximal zehn Minuten räumte er ein.

Weil sich zudem eine Verkäuferin an einen Brötcheneinkauf durch den 58-Jährigen an jenem Morgen erinnerte, die Mutter des Angeklagten zudem der Polizei gesagt hatte, der Sohn habe Brötchen vorbei gebracht, bleibt kaum genügend Zeit, um die 72 Kilometer zwischen Tatort in der Industriestraße in Duderstadt und der Praxis zurückzulegen. Polizeibeamte hatten eine Stunde Fahrzeit ermittelt.

Während diese Zeugen den Alfelder entlasten, belastete ein Sachverständigengutachten des Landeskriminalamtes (LKA) ihn hingegen schwer. An dem Metallrohr, das die Polizei im Keller des Angeklagten sichergestellt hatte und das das Opfer als Tatwaffe wiedererkannt haben will, hatten Experten DNA-Spuren gefunden, die eindeutig vom Opfer stammen. Der Sachverständige schloss nicht aus, dass es Blut des Opfers gewesen sein könnte. Die Spur sei aber zu klein gewesen, um sie als Blut nachzuweisen.

Das Gericht setzte sich auch mit der Frage auseinander, wann die überfallene Frau erstmals den Verdacht geäußert habe, der Ex-Freund könne es gewesen sein. Auch wenn sie in einer ersten Befragung unter Schock noch gesagt habe, sie wisse nicht, wer ihr das angetan habe, so will sie aber bereits am nächsten Tag auf den Alfelder als Täter verwiesen haben.

Das Gericht hörte überdies einen Rechtsmediziner und den seinerzeit behandelnden Arzt zu den Schlagverletzungen an Kopf und Fingern. Die festgestellten Hiebe, so das Ergebnis, hätten potenziell tödlich wirken können.

Schließlich hörte das Schwurgericht unter Ausschluss des Angeklagten noch eine Zeugin, die 2008 in Alfeld auf identische Weise nach dem Verlassen ihrer Arbeitsstätte aufgelauert und durch Schläge auf Kopf und Schultern verletzt worden war. Der Täter damals war ebenfalls vermummt.

An Statur und Bewegungsmuster will die Zeugin aber damals ihren langjährigen Freund, den heutigen Angeklagten, wiedererkannt haben, von dem sie sich zuvor getrennt hatte und der immer wieder ihren kontakt suchte. Sie sei subjektiv "überzeugt, dass er es war". Das Ermittlungsverfahren war damals aber eingestellt worden, ohne dass der 58-Jährige überhaupt befragt wurde, weil es keine anderen Hinweise auf ihn gab.

Auf Nachfrage von Verteidiger Hans-Bernd Schilling musste die Zeugin freilich zugeben, dass sie sich selbst nach dem Überfall vom Angeklagten noch bei einem Umzug hatte helfen lassen. Die Angst vor ihm habe also nicht ausgeprägt sein können.