Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Zu hoch gebaut: Gericht bestätigt Traufhöhen im Kiesseekarree
Die Region Göttingen Zu hoch gebaut: Gericht bestätigt Traufhöhen im Kiesseekarree
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 30.12.2018
Die festgelegten Traufhöhen für Gebäude im Göttinger Kiesseekarree sind nicht zu beanstanden. Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden, nachdem eine Bauherrin geklagt hatte. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Die festgelegten Traufhöhen für Gebäude im Göttinger Kiesseekarree sind nicht zu beanstanden. Bauherren haben keinen Anspruch darauf, diese Höchstgrenze in erheblichem Maße zu überschreiten. Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden. Die Kammer wies damit die Klage einer Immobiliengesellschaft gegen die Stadt Göttingen ab. Die Klägerin wollte eine bauordnungsrechtliche Abweichung für den Bau eines Mehrfamilienhauses erreichen. Nach Ansicht des Gerichts ist die begehrte Überschreitung der Traufhöhe um insgesamt 1,26 Meter mit öffentlichen und nachbarlichen Belangen jedoch nicht vereinbar (Aktenzeichen 2 A 129/16).

Dachtraufe und Traufhöhe

Als Dachtraufe, kurz Traufe, wird die Tropfkante am Dach eines Gebäudes bezeichnet, an der meist eine Regenrinne angebracht ist. Als begrenzendes Maß im Bauplanungsrecht entspricht die Traufhöhe nicht unbedingt in jedem Punkt der Höhe der Dachrinne über dem Erdboden, sondern wird gemittelt beziehungsweise zeichnerisch ermittelt. Die maximale Traufhöhe kann in einem Bebauungsplan festgeschrieben werden.

Der Bebauungsplan für das Gebiet im Süden der Stadt sieht eine Höhengliederung vor. Demnach darf auf dem als allgemeines Wohngebiet ausgewiesenen Grundstück der Klägerin höchstens zweigeschossig gebaut werden. In den Bebauungsplan wurde außerdem eine örtliche Bauvorschrift aufgenommen. Diese sieht unter anderem vor, dass bei zweigeschossigen Gebäuden die Traufhöhe höchstens 6,50 Meter betragen darf.

Anzeige

Die Klägerin hatte 2013 eine Überschreitung der festgelegten Traufhöhe um 0,50 Meter beantragt, die ihr die Stadt gestattete. 2014 zeigte sie dann ihr Vorhaben zum Neubau eines Mehrfamilienhauses mit acht Wohneinheiten als genehmigungsfreie Baumaßnahme an. In den Planungsunterlagen wurde die zulässige Traufhöhe von 7 Metern zu Grunde gelegt.

Als die Stadt erfuhr, dass das Kellergeschoss höher errichtet wurde, als in den Planungen angegeben, verfügte sie einen Baustopp und ordnete ein Zwangsgeld von 9000 Euro an. Eine Vermessung des Rohbaus ergab eine Traufhöhe von 7,76 Metern. Die Klägerin beantragte daraufhin nochmals eine Abweichung von der Bauvorschrift für eine Traufhöhe von nun 7,60 Metern. Zur Begründung gab sie an, die Erhöhung des Kellergeschosses sei nötig geworden, um Erdanfüllungen um das Gebäude herum mit Gefälle zu den umliegenden Straßen und Wegen ausführen zu können. Außerdem hätten Leitungen abgehängt und die Decken wegen der Statik dicker als geplant ausgeführt werden müssen. Die Stadt lehnte den Antrag ab. Die derzeitige Situation sei auf eine von der Klägerin selbst zu verantwortende Abweichung von den Bauvorlagen bei der Realisierung des Objekts zurückzuführen.

Die Immobiliengesellschaft zog daraufhin vor Gericht, jedoch ohne Erfolg. Nach Ansicht der Kammer ist die Festsetzung der Traufhöhen nicht zu beanstanden, weil ihr ein städtebauliches und baugestalterisches Konzept zu Grunde liege. Die Stadt habe damit einen Rahmen für die gleichmäßige Entwicklung des Ortsbildes gesetzt. Die Regelung der Gebäudehöhen solle ausschließen, dass weitere Geschosse möglich seien und dadurch Beeinträchtigungen des Ortsbilds entstünden. Diese Belange rechtfertigten die vorgenommene Einschränkung des Grundrechts am Eigentum.

Die Richter verwiesen darauf, dass die Stadt in ständiger Praxis Abweichungen von 0,50 Metern zulasse. Die Überschreitung der festgesetzten Traufhöhe um insgesamt 1,26 Meter sei jedoch mit öffentlichen und nachbarlichen Belangen nicht mehr vereinbar, weil sie zu unvertretbaren Traufhöhenunterschieden zwischen benachbarten Gebäuden führe und ein Gebäude mit zwei Vollgeschossen als dreigeschossig erscheinen lasse.

Das Gericht hat die Berufung gegen das Urteil zugelassen. Grund: Die Klägerin hatte auch beanstandet, dass dem Zitiergebot nicht genügt worden sei. Nach Ansicht des Gerichts bedarf es einer grundsätzlichen Klärung, ob das Zitiergebot verlangt, die Ermächtigungsgrundlage nicht nur mit dem Paragrafen, sondern auch mit Absatz, Satz und Nummer zu bezeichnen.

Von Heidi Niemann