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Göttingen Videoclips sollen zum Nachdenken anregen
Die Region Göttingen Videoclips sollen zum Nachdenken anregen
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19:00 28.11.2019
Die Jugendlichen produzieren ihre Videoclips selbst. Im Epiz steht das Projekt "Fair Cut" auf dem Plan. In den Videos geht es um fairen Handel bei Sportprodukten. Eldrik Hoppmann spielt einen Nachrichtensprecher. Quelle: Tobias Christ
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Göttingen

Drei Videoclips zum Thema Fairer Handel trifft Sport haben Jugendliche, die derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst in Göttingen absolvieren, im Rahmen des „Fair Cut“-Film-Workshops gedreht. Herausgekommen sind teils witzige, teils nachdenklich stimmende Kurzfilme, die bewusst machen sollen, was jeder Einzelne für bessere Arbeitsbedingungen in der Welt tun kann.

Organisiert wird der einwöchige Workshop vom Entwicklungspolitischen Informationszentrum Göttingen (Epiz). Zunächst gab es eine Einführung in den fairen Handel und was dieser mit dem Sport zu tun hat, erläutert Projektleiterin Anja Belz. „Fairer Sport fängt vor dem Spiel an“, lautet das Credo. Denn gerade in Dritte-Welt-Ländern oder in Asien seien die Herstellungsbedingungen für Sportbekleidung, Turnschuhe oder beispielsweise Fußbälle zum Teil nicht menschenwürdig.

Clips sollen Bewusstsein erhöhen

Darauf wolle mit den Videoclips aufmerksam gemacht werden – und darauf, was jeder einzelne tun kann, um die Ungerechtigkeit zu verringern. Es ist ein komplexes Problem, um es bekannt zu machen, haben sich die Jugendlichen Gedanken gemacht, Ideen entwickelt und ein Storyboard ausgearbeitet, das die Geschichte erzählt. Anschließend versuchten sie sich als Schauspieler, übernahmen den Videodreh, -schnitt und die Produktion ihrer Clips. Herausgekommen sind drei starke Beiträge, in die viel Hirnschmalz und Geschick sowie Engagement eingeflossen sind.

Die Jugendlichen produzieren ihre Videoclips selbst. Quelle: Tobias Christ

Wo kommt eigentlich unsere Kleidung her? Um diese Frage drehen sich alle Clips. Auch Social Media ist ein Thema, sagt Maris Schmidt-Doll, während sie das von ihrer Gruppe produzierte Video am PC schneidet. In dem Film geht es um eine junge Frau, die mit prall gefüllten Einkaufstaschen auf einer Parkbank sitzt, ihr Handy zückt und sich durch verschiedene Instagram-Kanäle scrollt. Auf einem entdeckt sie eines ihrer gerade gekauften T-Shirts und einen Kommentar zu dessen Herstellungsbedingungen. Geschockt vom menschenunwürdigen Arbeitsumfeld recherchiert sie weiter und kommt ins Grübeln: „Sollte ich nicht etwas anderes kaufen?“

Drei unterschiedliche Ideen

Mira Hippe und Moana Gerres (hinten, am PC) schneiden den Clip. Quelle: Tobias Christ

Mira Hippe, Moana Gerres und Medienpädagogin Lena Phillipp haben einen völlig anderen Ansatz gewählt. Ein Läufer hat sein Ziel fest vor Augen, die Kamera heftet sich an seine Fersen. „Es sieht fast aus wie ein Werbeclip für Turnschuhe“, sagen sie. Doch plötzlich hat der Sprinter eine Vision und läuft einen Umweg, um künftig mit fair gehandelten Produkten an den Start zu gehen. „Es ist deine Entscheidung, welchen Weg du gehst“, lautet der Schlusssatz.

Eldrik Hoppmann, Ben Hardies und Kjel Wegens (von links) drehen eine Nachrichtensendung. Quelle: Tobias Christ

Eine satirische Nachrichtensendung vor dem Greenscreen drehen Eldrik Hoppmann, Ben Hardies und Kjel Wegens. „Wir stellen das Prinzip auf den Kopf“, sagt Wegens. Der Sprecher verteufelt in dem Clip die „unwürdigen Arbeitsbedingungen in Deutschland“ und verweist darauf, dass „alles in Indien viel besser“ sei. Fotos verfallener Fabrikhallen und der Deutschen Botschaft wollen sie noch hineinschneiden. „Ein bisschen wie die Heute Show“, sagt Hoppmann, zugeschnitten auf die Zielgruppe von 14 bis 17.

Clips sollen im Kino laufen

„Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, die Teamarbeit hat gezeigt, wie stark man gemeinsam sein kann“, zieht Belz ein vorgezogenes Fazit. „Unser Konsumverhalten hat globale Auswirkungen“, macht sie deutlich, deshalb sei es ein Multiplikator, dass die Freiwilligen ihren Dienst derzeit in Sport- und Bildungseinrichtungen tun. „Wir können gemeinsam etwas bewegen“, sagt sie. Die Clips werden auf derHomepage des Epiz veröffentlicht und sollen im nächsten Jahr auch im Lumière zu sehen sein.

Fair Trade für menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Um für menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Sportartikeln einzutreten, sollte nur gekauft werden, was wirklich nötig ist. Politisches Engagement ist ebenso gewünscht wie wichtig. Viele Hersteller von Sportbekleidung haben sich bereits auf den Weg gemacht, global Verantwortung zu übernehmen. So haben die meisten von ihnen Kinderarbeit bereits komplett aus der Herstellung verbannt. Gelöst ist das Problem damit jedoch nicht: Da die Eltern der Kinder oft am Existenzminimum kratzen, müssen die Kinder in anderen Geschäftsfeldern dazu verdienen. Deshalb sei es wichtig, die generellen Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Ländern zu verbessern, meint Anja Belz.

Es gibt unabhängige Organisationen wie die Fair Wear Foundation, die die Unternehmen kontrollieren. Fuß-, Hand- und Volleybälle aus fair gehandelten Produkten finden sich auf den Märkten, in anderen Bereichen des Sportequipments gibt es noch viel zu verbessern. Mit einem Siegel werden Fair-Trade-Produkte ausgewiesen.

Mehr zum Thema: Faire Spiele mit fair hergestellten Bällen

Wanderausstellung: Nachhaltigkeit im Sport

Von Tobias Christ

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