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Göttingen Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen gibt es in Göttingen nicht
Die Region Göttingen Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen gibt es in Göttingen nicht
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19:52 29.07.2013
Von Andreas Fuhrmann
Überwacht: Im Badeparadies Eiswiese hängen knapp ein Dutzend Kameras.
Überwacht: Im Badeparadies Eiswiese hängen knapp ein Dutzend Kameras. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Das bestätigt Verwaltungssprecher Detlef Johannson: Eine Videoüberwachung des öffentlichen Raums gebe es nicht. Selbst im Neuen Rathaus oder in Schulen werde nicht gefilmt.

Auch die Göttinger Polizei habe keine Kameras im Einsatz, sagt deren Sprecherin Jasmin Kaatz.

Zum Vergleich: Die Polizei Hannover filmt mit 78 Kameras Straßen, Gebäude und Plätze im Stadtgebiet und der Region. In Oldenburg filmt die Polizei den Busbahnhof. In Braunschweig hat die Polizei vier Kameras installiert, unter anderem am Wallplatz. „Dort gibt es mehrere Diskotheken und öfter mal Schlägereien“, sagt ein Polizeisprecher.

Auch in Osnabrück setzt die Polizei seit drei Jahren auf jeweils zwei Kameras am Bahnhofsvorplatz und am Busbahnhof. Die Gründe sind immer ähnlich: Gefahrenabwehr, Bekämpfung von Kriminalität.

Göttinger Bahnhof überwacht

In Göttingen scheint das (noch) nicht nötig zu sein – wobei es natürlich auch hier Videoüberwachung gibt. Denn wenn auch im öffentlichen Raum keine Kameras installiert sein mögen, in Geschäften, Firmen und Institutionen wird selbstverständlich gefilmt – so auch im Göttinger Bahnhof.

„Sieben Kameras mit Aufzeichnung“ würden dort eingesetzt, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Erst vor kurzem seien zwei Kameras für die Kontrolle der Personenunterführung nachgerüstet worden. Alle Geräte seien sogenannte Domkameras. Sie seien „schwenkbar und nicht dauernd auf einen Punkt fixiert“.

Kameras gibt es laut Meyer-Lovis an folgenden Stellen im Bahnhof: Personentunnel, Schließfachanlage, WC-Anlage, Bahnhofshalle, Bahnsteige Gleis 4/5 und 6/7 mit Treppen. Die Videoüberwachung gebe es auch, um die „Sicherheit für unsere Reisenden“ zu gewährleisten, sagt der Bahnsprecher.

„Hierdurch konnte zum Beispiel die Bundespolizei schon Straftaten aufklären.“ Die Aufzeichnungsdauer betrage 72 Stunden. „Die Auswertung darf ausschließlich durch die Landes- oder Bundespolizei erfolgen. Die an die Polizeikräfte übergebenen Daten werden gegen Unterschrift übergeben“, sagt Meyer-Lovis.

Bahnhof Hann. Münden wird nicht gefilmt

Im Bahnhof Hann. Münden werde hingegen nicht gefilmt. Und in Northeim gebe es lediglich „Zughalt-Erkennungskameras ohne Aufzeichnung“ – als Unterstützung der Zugansage, um zeitgerechte Ansagen tätigen zu können.

Die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) überwachen ihre Busse. Derzeit seien 17 Busse mit Videokameras ausgestattet, das entspreche in etwa 25 Prozent, sagt GöVB-Sprecherin Stephanie Gallinat-Mecke. In der Regel gebe es vier bis fünf Kameras pro Bus: „Die Kameras laufen während des Fahrzeugbetriebes. Der Fahrer sieht die Livebilder der Apparate auf einem Monitor im Fahrerbereich.“

Die Kameras in den Bussen sollen laut Gallinat-Mecke die Sicherheit der Fahrgäste und Busfahrer erhöhen und Vandalismus verhindern. „Durch die Videoüberwachung im Bus konnte beispielsweise ein Drogendealer von der Polizei überführt werden.“ Die Bilder würden in einer Ringspeicherung nach 72 Stunden automatisch überschrieben.Nur wenn der Fahrer den Aufnahmeknopf drücke, würden die Bilder erst nach der Auswertung gelöscht, erklärt Gallinat-Mecke. Busse mit Videoüberwachung erkenne man an „einer entsprechenden Beschilderung“.

Im Badeparadies Eiswiese gibt es ebenfalls eine Videoüberwachung. Ein knappes Dutzend Kameras komme dort zum Einsatz, sagt Alexander Frey, Geschäftsführer der Göttinger Sport und Freizeit GmbH. „Natürlich nur dort, wo nicht die Intimspähre der Menschen berührt wird, also nicht in Umkleidekabinen, Duschen oder Saunen“, betont Frey.

Duschen werden nicht überwacht

Überwacht würden hingegen der Eingangsbereich, die Kassen, Teile der Schränke – und natürlich die Schwimmbecken. „Das geschieht aus Sicherheitsgründen, damit die Schwimmmeister den Betrieb besser im Blick haben“, sagt Frey. So könnten sie Unfälle leichter erkennen oder bei Tätlichkeiten schneller eingreifen. Die Anlage sei schließlich „sehr weitläufig“.

Die so gesammelten Daten „werden regelmäßig überschrieben“, sagt Frey. Das sei alles mit einem externen Datenschutzbeauftragten abgestimmt. „Wir bewegen uns im Rahmen dessen, was der Datenschutz vorgibt.“ Nur bei einem gravierenden Unfall würden die Aufzeichnungen aufbewahrt, um per Video nachvollziehen zu können, was passiert ist. Beschwerden über die Videoüberwachung gebe es nicht.

Die Göttinger Freibäder werden hingegen nicht mit Kameras überwacht. Nur im Brauweg sei im Bereich der Schränke mal gefilmt worden, als es eine Serie von Aufbrüchen gab. Die wurde aufgeklärt. Seitdem ist die Kamera außer Betrieb. „Eine Totalüberwachung ist nicht hilfreich“, sagt Frey. „Das würde unsere Gäste anfangen, zu berühren.“

Wenn viel Betrieb sei, seien eben mehr Mitarbeiter vor Ort. „Und wenn jemand im Becken liegt, hilft keine Kamera“, sagt Frey. „Da sind die Schwimmmeister gefordert. Das ist hoch anstrengend, richtiger Stress.“

„Go Willi“ statt Big Brother

Immer wieder ist in Göttingen über den Einsatz von Überwachungskameras im öffentlichen Raum diskutiert worden.

Zuletzt hatte die Polizei im Sommer 2012 eine Videoüberwachung in der Nikolaistraße angeregt, nachdem es dort vermehrt zu Vandalismus und Gewalttaten gekommen war.

Dazu kam es aber ebenso wenig wie einige Jahre zuvor schon am Wilhelmsplatz. Auch dort wurde zwischenzeitlich aus ähnlichen Gründen eine Videoüberwachung gefordert.

Der Stadtrat entschied sich letztlich aber dagegen. Stattdessen sollten die Konflikte durch den Einsatz von Sozialarbeitern gelöst werden.

Das Projekt „Go Willi“ wurde geboren. Die Probleme auf dem Wilhelmsplatz gelten seither als gelöst.

mit dpa