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Göttingen Virtuelle Realität und biologische Roboter im Göttinger Start-Raum
Die Region Göttingen Virtuelle Realität und biologische Roboter im Göttinger Start-Raum
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16:21 11.04.2019
Philosophie für alle – von und mit Manuel Scheidegger im Start-Raum Göttingen. Quelle: Ballhaus
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Göttingen

Eine praxisorientierte Anleitung zum Selber-Denken hat Philosoph Manuel Scheidegger am Mittwochabend im Göttinger Coworking-Space Start-Raum 90 Zuhörern gegeben.

Was ist virtuelle Realität? Ist die Wirklichkeit real? Was unterscheidet den Menschen von einem Roboter? Um diese Fragen ging es bei der Auftaktveranstaltung der „philosophy to go“-Reihe im Start-Raum an der Friedrichstraße 3/4. Er wolle, so Scheidegger, die Philosophie aus dem akademischen Elfenbeinturm in den Alltag holen. Das von der Sartorius-Kulturstoff-Reihe gesponserte Event, bei dem auch der israelische Schlagzeuger Oded Kafri spielte, war bereits im Vorfeld ausverkauft.

“Nicht ist praktischer als eine gute Therapie“

„Jeder, der schon einmal über die Frage nachgedacht hat, ob er im falschen Film sitzt, ist ein Philosoph“, erklärte Scheidegger. Philosophen klärten, was sie unter bestimmten Begriffen wie „guter Freundschaft“ oder „moderne Arbeit“ verständen. Sie stellten Theorien auf, argumentierten und zögen Schlussfolgerungen. Ein tolles Tool, ein klasse Werkzeug, sei die Philosophie. Nichts sei praktischer als eine gute Theorie, erklärte der studierte Philosoph und Szenische Künstler, der anderem für das Philosophie Magazin, Slippery Slopes und Cicero Online schreibt.

Schauspielerin Rebecca Klingenberg liest Text von Heidegger

Um die Flüchtigkeit des menschlichen Intellekts angesichts des Alters der Erde, um die Entstehung der Kultur und eine sich abzeichnende Mensch-Maschinen-Zivilisation ging es in Texten von Friedrich Nietzsche, Martin Heideggger und Ray Kurzweil. Schauspielerin Rebecca Klingenberg vom Deutschen Theater trug sie vor. Scheidegger ließ das Publikum in Kleingruppen über Fragen nachdenken wie: Wer bist du? Warum bist du heute hier? Wer bist du ohne Körper? Was unterscheidet dich von einem Roboter?

Bei einem Brainstorming, bei dem ein Würfel mit Mikro durch die Stuhlreihen geworfen wurde, war die Frage zu beantworten: Was ist virtuelle Realität? Antworten aus dem Publikum: Keine Ahnung! Eine schlechte Kopie der Wirklichkeit. Träume. Gutes Entertainment. Das Smartphone. Scheideggers Vorschlag: die perfekte Simulation komplexer Erfahrungen.

Descartes zweifelte an der Wirklichkeit der Wirklichkeit

An der Wirklichkeit der Wirklichkeit zweifelte Philosoph René Descartes, erfuhren die Zuhörer. Klingenberg las aus dessen Werk „Meditationen“. Dort überlegt der Franzose, ob er Opfer einer Täuschung geworden sei. Vielleicht existiere nichts von dem, was er wahrnehme. Vielleicht stimmten alle seine Erinnerungen nicht. Daraus, dass er denkt, schließt er auf die eigene Existenz.

Moderne Naturwissenschaftler drehten diese Denkfigur um, führte Scheidegger aus. Für sie sei die Wirklichkeit messbar und damit real. Sie bezweifelten jedoch die Existenz eines Selbst. Das sei aus Sicht von Neurowissenschaftlern eine Fiktion narrativer Module.

Der Philosoph warnte seine Zuhörer davor, biologische Roboter zu werden, deren Verhalten durch Hormone, soziale Routinen, eingespielte Praktiken und strikte Wertvorstellungen geprägt werde.

Die Ankündigung der Premieren-Veranstaltung im Tageblatt.

Die nächste Veranstaltung der Reihe befasst sich am Mittwoch, 29. Mai, um 19.30 Uhr im Start-Raum, Friedrichstraße 3/4, mit Selbstbewusstsein, Arbeit und Yoga.

Von Michael Caspar

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